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Es bleibt in der Familie

BONN. Der Godesberger Fußballverein 08 wurde 1992 aufgelöst. Seit 2006 gibt es einen Nachfolgeverein. Dass es beim „neuen“ GFV so gut läuft, hängt ganz eng mit der Familie Walbröl zusammen.

Der Godesberger Fußballverein war mal eine richtig große Nummer in der Region. Verbrachte insgesamt 17 Jahre in der höchsten Amateurliga des Mittelrheins. Lieferte sich tolle Meisterschaftsduelle mit dem Bonner SC. Aber dann verschwand der Club aus den Schlagzeilen, wurde sogar aufgelöst, ehe er 2006 ein Comeback feierte.

1908 wurde der ursprüngliche Club gegründet, vier Jahre später begannen die Blau-Gelben, in den Ligen des Westdeutschen Fußballverbandes zu spielen. Der erste große Erfolg war der Aufstieg in die höchste damalige Spielklasse 1926. Nach dem 2. Weltkrieg gehörte der GFV zu den Gründungsmitgliedern der Rheinbezirksliga. 1950 und 1952 wurde die Mannschaft dort Vizemeister. Bis in die späten '70er Jahre spielten die Godesberger regelmäßig in den hohen Ligen der Region. Im folgenden Jahrzehnt hatte der Verein einen schweren Stand, konnte sich aber mit zwei Mannschaften oberhalb der Kreisklassen halten. Dennoch ging es nach und nach bergab.

Heinz Walbröl, einer der damaligen Spieler, erinnert sich: „Die letzten zwei Jahre sah es ganz schlecht aus. Die Sponsoren haben sich Stück für Stück zurückgezogen.“ Danach war der Verein für viele Spieler nicht mehr attraktiv genug. „1992 hatten wir nur noch eine Herrenmannschaft mit 13 Spielern. Als dann noch Sperren und Verletzungen dazukamen, ging es einfach nicht mehr.“ Fünf Spiele vor Saisonende musste sich das Team aus dem Spielbetrieb zurückziehen. Da sie die letzte verbleibende Mannschaft des GFV 08 waren, wurde der Club schweren Herzens aufgelöst. Walbröl selbst spielte noch eine Saison bei Hertha Bonn – und hängte die Fußballschuhe an den Nagel. Vorerst.

Den Kontakt zu seinen alten Mannschaftskollegen beim GFV hat er gehalten. Und so kam den ehemaligen Spielern eines Abends eine Idee: „Beim Kegeln dachten wir uns, man müsste mal ein Sonderspiel veranstalten. Alt gegen Jung, wir gegen unsere Söhne.“ Die Idee wurde 2006 realisiert. Auf dem Hartplatz an der Friesdorfer Straße lieferten sich die Generationen ein Duell. Überraschend viele Zuschauer waren gekommen, die Spieler hatten sehr viel Spaß. „Überraschenderweise haben die Alten gewonnen. Und ich habe auch noch das 1:0 geschossen, das wollten meine Söhne natürlich nicht auf sich sitzen lassen.“ Es folgte ein weiteres Spiel und im Anschluss die Neugründung des Godesberger Fußballvereins 06. Der Club startete mit einer einzigen Herrenmannschaft, so wie es bei seinem Vorgänger endete. „Zu Beginn hatten wir 15 Spieler und sind im zweiten Jahr ungeschlagen aufgestiegen“, berichtet Heinz Walbröl stolz.

Acht Teams im Spielbetrieb

Inzwischen floriert der Verein. 2011 kamen die ersten Jugendmannschaften dazu: In der aktuellen Saison nehmen acht Teams, von den Bambinis bis zur A-Jugend, am Spielbetrieb teil. „Unser Ziel ist es, im kommenden Jahr zehn Mannschaften zu haben“, erzählt Jugendleiter Marc Walbröl. Wie sein Vater Heinz ist auch er eng an den Godesberger Verein gebunden: „Mitte der '80er habe ich hier mit dem Fußball angefangen. Als der Club sich dann auflöste, machte das auch mich traurig. Umso schöner war es, ihn dann neu zu gründen.“

Heute hat der GFV über 280 Mitglieder, die Heimspieltage erinnern an ein Familienfest. Rund um den Tennnenplatz werden im Sommer Würstchen und Waffeln verkauft. Die Asche soll bald einem Kunstrasenplatz weichen, Marc Walbröl ist in Gesprächen mit möglichen Investoren und dem Sport- und Bäderamt. „Wir wollen im nächsten Sommer mit dem Bau anfangen. Wenn alles ganz optimal läuft, vielleicht sogar schon früher“, sagt er.

Kampf gegen den Abstieg

Aktuell kämpft die erste Herrenmannschaft des GFV gegen den Abstieg aus der Kreisliga B. Dennoch ist die Euphorie für den Verein bei der Familie Walbröl kaum zu bremsen. „Es ist schon eine Art Familienprojekt“, erklärt Heinz. „Meine drei Söhne, mein Bruder und mein Cousin, deren Söhne und ich spielen alle hier im Verein und übernehmen zum Teil auch organisatorische Aufgaben. Es ist sehr schön, den Club, bei dem wir und unsere Eltern Fußballspielen gelernt haben, wieder aufzubauen.“

In Zeiten, in denen Fußballromantiker den Niedergang vieler Traditionsclubs beklagen, wirkt die Geschichte des GFV fast wie ein Märchen. Ein alter Club, der aus Liebe zum Verein wieder aufgebaut wird, und wächst. Das Märchen wird wohl noch ein bisschen dauern, zumindest wenn es nach der Familie Walbröl geht. Heinz zeigt sich optimistisch: „Ich bin momentan Vorsitzender, Kassierer und Aushilfstrainer. Das ist wie ein stressiger Vollzeit-Job. Aber es macht großen Spaß. Und solange der noch da ist, werde ich auch weitermachen.“