Ein Fußballprojekt für den Frieden

FC Abu Gosch/Mevasseret Zion aus Sankt Augustins Partnerstadt ist der einzige jüdisch-arabische Verein in Israel

Sankt Augustin. Alon Liel ist hochrangiger Diplomat gewesen, Botschafter für sein Land Israel, in der Türkei etwa und Südafrika. Und der Israeli liebt den Fußball. Der Mann hat ein ausgleichendes Wesen, und das muss jemand haben, der es geschafft hat, israelische Araber und Juden in einem Verein zusammenzuführen.

Sein Fußballclub, der FC Hapoel Abu Gosch-Mevasseret Zion ist der einzige jüdisch-arabische Fußballverein in Israel und damit so etwas wie ein Exot unter den Fußballclubs in Israel. Alon Liel lebt in Sankt Augustins Partnerstadt Mevasseret Zion und begleitete das A-Jugend-Team, das im Zuge des städtischen Austauschprogramms auf Einladung des Freundeskreises Mevasseret Zion am Pfingstturnier des VfR Hangelar auf Torejagd ging.

"Das ist schon ein sehr ungewöhnlicher Verein, denn die Beziehungen zwischen Juden und Arabern in Israel sind sehr schlecht", sagte Liel, der nicht nur Chef des Fußballvereins, sondern auch Vorsitzender und Gründer der Friedensgesellschaft Israel-Syria Peace Society ist. Doch nicht nur er gibt vor, was im Club entschieden wird. An seiner Seite steht der Araber Mohammed Jaber, und der Vorstand ist paritätisch besetzt.

"Drei sind Juden, drei sind Araber. Wir entscheiden alles gemeinsam." Die Verbindung ist schon deshalb etwas besonderes in Israel, weil laut Liel der Fußball ein politisch beeinflusster Sport ist. "Der bekannte Erstliga-Club Beitar Jerusalem etwa würde es niemals erlauben, dass ein Moslem mitspielt." So hätten die Fans des Vereins, der in Israel eine so große Fan-Gemeinde besitzt wie hierzulande der FC Bayern, beim Pokalendspiel, das Beitar gewonnen hat, skandiert: "Wir hassen Araber, wir hassen Araber".

Dass bei diesem Klima so etwas wie in Mevasseret Zion und Abu Gosch möglich war, erfülle ihn mit Stolz. Abu Gosh ist eine 8 000 Einwohner zählende Stadt in der Nachbarschaft, in der auch nur Araber leben. Mevasseret Zion hat etwa 27 000 Einwohner und liegt knapp 40 Kilometer von Jerusalem entfernt. In Mevasseret leben viele Diplomaten. "Und die sind liberal eingestellt. Jerusalem hingegen ist eine sehr schwierige Stadt", sagte Liel.

Der Mann ist zutiefst davon überzeugt, dass eine Koexistenz von Arabern und Juden in Israel und darüber hinaus möglich ist. "Unser Verein ist ein Beispiel dafür." Seine Spieler, egal ob Jude oder Araber respektieren und mögen sich. Sie liegen sich in den Armen, wenn sie ein Tor schießen und pflegen über den Sport hinaus gemeinschaftliche Kontakte. Bei seinem Besuch vergangene Woche im Bundestag in Berlin, hat Liel Abgeordneten das Projekt vorgestellt.

"Das ist mit großem Interesse aufgenommen worden. Und man hat uns aufgefordert, das Projekt voranzutreiben", berichtete Liel, der sich nichts sehnlicher wünscht, als dass es ihm andere israelische Städte nachmachen. Vor fünf Jahren traf sich Liel mit dem Bürgermeister von Abu Gosch, um ihm seine Pläne vorzustellen. Sie trugen die Idee den beiden Stadträten vor, und die gaben zwar kein Geld, dafür aber ihren Segen für das einmalige Projekt.

Die 1. Mannschaft aus Mevasseret dümpelte zu der Zeit in der fünften Liga, die von Abu Gosh gar in der sechsten Liga vor sich hin. "Und Abu Gosch hat immer 10:0 und mehr verloren." Das Zusammengehen hat sich auch sportlich ausgezahlt. Heute spielt die 1. Mannschaft in der 3. Liga und bekommt die Trikots von Adidas gesponsert. "Dafür sind wir sehr dankbar". Mittlerweile wird der jüdisch-arabische Verein von den anderen Clubs akzeptiert, nicht mehr und nicht weniger.

"Es ist in Israel leider keine sehr populäre Idee", sagte Liel. Immerhin gehen pro Saison im Schnitt 700 Saisonkarten weg. Anerkennung findet das Projekt rund um den Globus. Organisationen aus aller Welt und auch die EU unterstützen die Fußballer. "Der Fußball schmiedet zusammen", sagt Alon Liel, und man spürt, dass er weiter tatkräftig und hartnäckig für seine Idee werben wird.