Der Bonner SC erhält keine Lizenz

Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband teilte dem Bonner SC am Donnerstag mit, dass der aus der Fußball-Regionalliga zwangsabgestiegene Verein nicht am Spielbetrieb der NRW-Liga teilnehmen könne. Der Verein habe nun zehn Tage Zeit, sich mit einer Beschwerde gegen die Nichtzulassung zu wehren.

Bonn. Knapp und sachlich mittels Fax, gesendet am Donnerstagmittag exakt um 13.21 Uhr, teilte der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband (WFLV) dem Bonner SC mit, dass der aus der Fußball-Regionalliga zwangsabgestiegene Verein im Gegensatz zu Rot-Weiß Essen auch nicht am Spielbetrieb der NRW-Liga teilnehmen könne.

Aufgrund des vorläufigen Insolvenzverfahrens und des bislang nicht ausreichenden Liquiditätszuflusses sei der Fortbestand des BSC nicht gesichert, hieß es in der Begründung des WFLV. Der BSC habe nun zehn Tage Zeit, um sich mit einer Beschwerde gegen die Nichtzulassung an das Präsidium des WFLV zu wenden, was gleichzeitig den Nachweis der Sicherstellung der Liquidität bis zum 30. Juni 2011 erforderlich mache.

"Natürlich wäre die Zulassung selbst mit daran geknüpften Auflagen ein positives Signal gewesen. Aber auch so hat sich an unserer Situation in letzter Konsequenz nichts geändert", meinte der stellvertretende BSC-Vorsitzende Bernd Lehmann. "Wir müssen versuchen, die drohende Insolvenz abzuwenden."

Bis Montag 17 Uhr hat der BSC laut Christian Frystatzki, dem vom Bonner Amtsgericht bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter, Zeit, die dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zugrunde liegenden Forderungen zu erfüllen. "Sollte ich bis dahin keine Information darüber erhalten, dass Geld fließt, werde ich am kommenden Dienstag dem Insolvenzgericht empfehlen, das Verfahren gegen den BSC zu eröffnen.

Bekomme ich aber grünes Licht und die Gläubiger erhalten in den darauf folgenden Tagen ihr Geld, steht der Beschwerde des BSC beim WFLV nichts im Wege. Ich bin dann aus dem Spiel." Im Falle der Verfahrenseröffnung wären die Folgen weitreichend. "Da die Lizenz für die NRW-Liga nicht erteilt wird, stünde ein insolventer BSC als Absteiger aus der Mittelrheinliga fest und müsste die Saison laut Satzung ohne Wertung durchspielen", erklärt Rolf Thiel, der Vorsitzende des Verbandsspielausschusses.

"In diesem Fall nehmen wir am Spielbetrieb dieser Saison nicht teil", sagt Lehmann. Laut Thiel könnte der BSC alternativ erst wieder zu Beginn der Saison 2011/2012 für die Landesliga melden. Dann allerdings stünde der BSC schuldenfrei da. Selbst die rund sieben Millionen Euro, die der kürzlich wieder eingesetzte BSC-Vorsitzende Hans Robert Viol dem Verein in den letzten Jahren gewehrt hatte, wären vom Tisch.

"Hierbei handelt es sich um ein so genanntes Nachrangdarlehen. Viol bekäme keinen Cent", erklärte Frystatzki, dessen Aufgabe es sei, im Falle der Insolvenz Viol über dessen gegebene Ausfallbürgschaft haftbar zu machen. Viol selbst war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Welches Schicksal im Insolvenzfall der Jugendabteilung drohe, sei derzeit offen.

"Über den gemeinnützigen Teil des Vereins müsste ich mir Gedanken machen", meinte Frystatzki. Für den vorläufigen Insolvenzverwalter ist übrigens das BSC-Aufsichtsratsmitglied Heinz Ossenkamp der Überbringer der guten oder auch schlechten Nachrichten. "Ich kämpfe auf allen Ebenen", meinte Ossenkamp am Donnerstag. "Die Chancen stehen 50 zu 50, das fehlende Geld noch aufzutreiben."

Völlig frustriert reagierten BSC-Coach Karsten Hutwelker und die Spieler auf die Hiobsbotschaft aus Duisburg. "Das ist ein echter Tiefschlag. Mir wurde seitens des Vorstandes erklärt, die Lizenz für die NRW-Liga stehe nicht in Frage", meinte Hutwelker, der den Spielern zunächst bis Dienstag frei gab. Das für Samstag vorgesehene Testspiel beim Hessenligisten RSV Würges sagte Hutwelker ab. Die Mitgliederversammlung am Dienstag findet im Übrigen nun um 19.30 Uhr im Sportpark Nord, im "Roten Salon" statt.