Rückrundenstart in der Bundesliga

Bayern München siegt bei Bayer 04 Leverkusen

Bayerns Trainer Jupp Heynckes ist weiter erfolgreich mit seinem Team.

Bayerns Trainer Jupp Heynckes ist weiter erfolgreich mit seinem Team.

Leverkusen. Die Bayern gewinnen ihr Auftaktmatch zur Rückrunde der Fußball-Bundesliga bei Bayer Leverkusen mit 3:1. Jupp Heynckes kann seine Erfolgsgeschichte in München weiter ausbauen.

Es musste schon ein Jupp Heynckes kommen. Bei seiner Rückkehr in die BayArena beendete der Meistertrainer mit Bayern München die aufstrebenden Serientäter von Bayer 04 Leverkusen. Der Tabellenführer der Fußball-Bundesliga brachte der Werkself mit dem3:1  (1:0) zum Rückrundenauftakt die erste Heimniederlage und die erste Niederlage nach 14 ungeschlagenen Pflichtspielen bei. Für die coolen Münchner war es zudem der erste Sieg in der mit 30210 ausverkauften BayArena seit dem 5. Oktober 2013, als noch ein gewisser Toni Kroos für den Rekordmeister traf.

Bayer-Coach Heiko Herrlich impfte seinem Team per Aufstellung erst einmal Mut und jugendlichen Elan ein. Die Leverkusener hatten schließlich gegen den allmächtigen Branchenführer nichts zu verlieren. Und die Möglichkeit die Bayern zum Rückrundenauftakt zu überrumpeln war ja nun einmal mit einer Serie von 14 ungeschlagenen Pflichtspielen im Rücken gegeben.

So bot der 46-Jährige mit Leon Bailey, Kevin Volland, Karim Bellarabi, Julian Brandt ein ebenso offensives wie talentiertes Quintett auf, ließ seine Elf hochstehen und früh pressen. Sein altersweises Pendant Jupp Heynckes, der Mats Hummels und Torjäger Robert Lewandowski zu ersetzen hatte, setzte dagegen mit Arturo Vidal, Ranck Ribéry, Arjen Robben und Rafinha seiner ganzen Erfahrung entsprechend auf geballte Routine. Neben Neuzugang Sandro Wagner mussten mit Kingsley Coman, Joshua Kimmich und Corentin Tolisso drei Bayern-Talente auf der Bank Platz nehmen. 

Die Erwartungen, die aus diesen Trainer-Ideen resultierten erfüllten sich sofort. Der Tabellenvierte attackierte ungestüm, Bisweilen aber auch ein bisschen zu aufgeregt, wie Ausnahmespieler Leon Bailey, der in seinen ersten beiden Aktionen mit Beinen und Kopf zu schnell für den Ball war. Die Münchner schauten sich das Treiben der Hausherren erst einmal mit der Ruhe von elf Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze an. Franck Ribéry (4.) und Vidal (16.) setzen dann offensiv erste Duftmarken. Auch wenn Dominik Kohr nach einer Bailey-Ecke fast per Kopf die Führung für die Werkself gelungen wäre (17.), drängte sich der Eindruck auf, das hier Schüler auf Meister trifft.

Die Bayern wissen eben unter Heynckes wieder, wie es geht. Nachdem James (25.) und Vidal (26.) sich weiter annäherten, nutzte der Favorit seine erste ganz klare Chance. Brandt unterlief einen Eckball von Robben, Vidal benutzte Sven Bender per Kopf als Bande und Javier Martinez lochte den Abpraller kompromisslos ein (32.) und beendete die 363 Minuten andauernde Torlosigkeit der Münchner in der BayArena. Der Treffer verfehlte seine Wirkung nicht. Er stoppte die wilden Leverkusener, die mit dem 0:1 realisierten, was das bayerische Selbstverständnis so ausmacht. Die Herrlich-Elf war von so viel Coolness schlichtweg beeindruckt und musste sich in die Pause retten.          

Heiko Herrlich hat sich in dieser Saison den Ruf erworben, in der Halbzeit etwas bewegen zu können. Der Bayer-Trainer wechselte zwar nicht, schaffte es aber seinen jungen Spielern neues Selbstbewusstsein zu geben. Zum Beispiel Leon Bailey, der Nationalspieler Niklas Süle zum Tänzchen im Strafraum aufforderte. Als dem hünenhaften Innenverteidiger ausreichend schwindlig war, hob der Jamaikaner den Ball aus 14 Metern über Bayern-Keeper Sven Ulreich hinweg, traf aber nur die Latte (55.).

Vier Minuten später zeigte sich dann wieder, was der Schüler vom Meister lernen kann. Die Münchner konterten über Robben und James, der Ribéry freispielte. Der Franzose ließ Jonathan Tah stehen und netzte zum 0:2 ein (59.). Ein Angriff, der zum wiederholten Male über die etwas zu offene rechte Abwehrseite der Leverkusener lief, auf der Karim Bellarabi das taktische Verständnis etwas abging. Wohl auch deshalb stand kurz vor dem 0:2 auch schon Benjamin Henrichs für einen Wechsel mit Bellarabi bereit.

Es spricht für den Bayer-Jahrgang 2017/18 und auch Heiko Herrlich, dass er sich weder von den beiden Gegentoren noch von dem scheinbar übermächtigen Gegner nachhaltig beeindrucken ließ. Der umtriebige Kevin Volland zielte zunächst noch vorbei (62.), verkürzte dann aber mit Hilfe der abfälschenden Martinez und Süle auf Vorarbeit des starken Kai Havertz auf 1:2 (71.). Bayer erzielte somit auch im 23. Spiel hintereinander einen Treffer. Das letzte Spiel ohne eigenes Tor datiert aus der Saison 2016/17.

Gegner waren seinerzeit die Bayern. Hätte der Bayer-Stürmer fünf Minuten später die nächste Vorlage von Havertz nicht im Strafraum verstoppt, sodass Jerome Boateng retten konnte, wäre der nicht einmal unverdiente Ausgleich perfekt gewesen. So aber behielt der Meister die Oberhand und malte zum Abschluss durch einen direkten 18-Meter-Freistoß des begnadeten James zum 1:3 (90.+1) noch ein abschließendes Kunstwerk in den Winkel des Leverkusener Tores.  

Bayer 04: Leno; L. Bender, Tah, S. Bender, Wendell; Kohr (64. Alario), Bellarabi (59. Henrichs), Havertz, Bailey; Brandt (77. Mehmedi), Volland. –

Bayern: Ulreich; Rafinha, Boateng, Süle, Alaba; Martinez, Robben (65. Coman), Vidal, James, Ribéry (78. Wagner); Müller (90.+2 Tolisso). – SR.: Siebert (Berlin). - Zuschauer: 30210 (ausverkauft). – Tore: 0:1 Martinez (32.), 0:2 Ribéry (59.), 1:2 Volland (71.), 1:3 James (90.+1) . – Gelbe Karten: Volland, Bellarabi: Müller, Rafinha.