Thailands Nationaltrainer Winfried Schäfer

Theaterreife Aufführungen amüsieren ganz Asien

BANGKOK.  Die schulterlange, weißblonde Mähne ist längst auch in Thailand zum Markenzeichen geworden. Sie gerät auch dann nicht aus der Form, wenn der 62-jährige Winfried Schäfer aus Wut oder Verzweiflung auf den Plastikstuhl einhämmert, der ihm als Trainer der thailändischen Nationalmannschaft als Sitzplatz zugewiesen wurde.
Temperamentsbündel: 'Winnie' Schäfer hat es als Trainer nach Thailand verschlagen. Foto: dpa

Spätestens seit seinem Platzverweis vor zwei Spielen sind die Launen des früheren Karlsruher Trainers den südostasiatischen Fernsehkameras jede Menge Bilder wert. Mal zeigen sie den Coach der "Kriegselefanten" - so der Spitzname der thailändischen Auswahl - wie er mit dunkelrot angelaufenem Gesicht auf vier Fingern gellend über das Spielfeld pfeift.

Dann wieder versucht er mangels lokaler Sprachkenntnisse gestenreich in seinem hellblauen Hemd mit weißem Kragen einem Schiedsrichter klarzumachen, dass beim Handspiel im Elfmeterraum ein Strafstoß fällig sei. Am häufigsten aber ist "Winnie" mit hellrotem statt dunkelrotem Kopf zu sehen, wenn er mit beiden Armen verächtlich Richtung Schiedsrichter winkt.

Wer Schäfer am Spielfeldrand toben sieht, gerät unweigerlich in ungläubiges Staunen, wenn er bei seinem Lieblingsitaliener "DiVino" in Bangkok doziert: "Fußball ist wie Schach!" Schäfer weiß selbst, dass sein Satz in krassem Widerspruch zu seinem Verhalten am Spielfeldrand steht. Aber was soll er machen? Denn nicht nur auf dem Spielfeld hat der aus Mayen stammende Schäfer seine liebe Not mit Spielern und thailändischem Fußballverband.

Schon der Anfang seiner Tätigkeit in Bangkok fiel ins Wasser. Schäfer trat seinen Dienst an, als das südostasiatische Königreich größtenteils unter Wasser stand und auch die Hauptstadt Bangkok von den Fluten bedroht wurde. Dann musste er erst Mal einen Teil seines Mitarbeiterstabs wieder nach Hause schicken. Denn Thailänder und Schäfer hatten offenbar ziemlich unterschiedliche Vorstellungen über den Vertrag, den beide Seiten unterschrieben hatten.

Den größten Reinfall aber erlebte der Trainer, der Kamerun an die afrikanische Fußballspitze geführt hatte, als er sein Team in den Golfstaat Oman mitnehmen wollte. Dort ging es um nicht weniger als die Vorqualifikation für Ausscheidungsspiele zur Fußballweltmeisterschaft.

Ein Spieler musste am Flughafen umkehren. Er hatte seinen Pass vergessen. Ein paar tauchten gar nicht erst auf, sie hatten bei ihrem Klub besseres zu tun. Und als Schäfer in Oman seine Aufstellung bekanntgeben wollte, gab es ebenfalls eine Überraschung. Der Verband hatte vergessen, einige Spieler rechtzeitig bei der Fifa zu registrieren.

Das größte Problem aber schilderte Schäfer einmal bei einer Pressekonferenz. Es gehe nicht an, monierte er diesmal ohne roten Kopf, dass Spieler nach einem einzigen ordentlichen Spiel gleich die Gelegenheit wahrnehmen würden, ausgiebig zu feiern und die Trainingsdisziplin zu vernachlässigen.

Ob er sich mit seinen sehr deutschen Vorstellungen von Spielordnung und Trainingsdisziplin durchsetzen kann, hängt freilich von zwei Faktoren ab, auf die Schäfer keinen Einfluss besitzt. Die beiden wichtigsten Klubs in Thailand werden jeweils von einem ziemlich übel beleumundeten Politiker und von den Streitkräften geführt. Und die haben andere Prioritäten.

Es wäre allerdings schade, wenn Schäfer wie vor ihm bereits einige andere ausländische Trainer bald wieder seinen Hut nehmen müsste. Denn die theaterreifen Rumpelstilzchen-Aufführungen am Spielfeldrand sind eine willkommene Bereicherung angesichts der eher gesetzten Manieren, die man sonst in Südostasien schätzt.

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