Zuber-Tor nach 61 Sekunden

Stuttgart erkämpft Punkt in Bremen - Weinzierl-Schonfrist

Werder-Spieler Davy Klaassen jubelt mit Max Kruse (l) über sein Tor zum 1:1 im Spiel gegen den VfB Stuttgart.

Werder-Spieler Davy Klaassen jubelt mit Max Kruse (l) über sein Tor zum 1:1 im Spiel gegen den VfB Stuttgart.

22.02.2019 Bremen. In Führung gegangen, Remis gespielt - mit Moral und Leidenschaft hat der VfB Stuttgart einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf geholt. Keeper Ron-Robert Zieler hielt das 1:1 bei Werder Bremen fest.

Der VfB Stuttgart muss weiter auf den ersten Sieg im Jahr 2019 warten, hat mit dem 1:1 (1:1) bei Werder Bremen aber zumindest ein Lebenszeichen im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga gesendet.

Dank der couragierten Leistung bei den ambitionierten Norddeutschen dürfte auch VfB-Coach Markus Weinzierl seinen Trainerposten erst einmal behalten dürfen. Am kommenden Sonntag steht dann das wichtige Kellerduell mit Hannover 96 an. Vor 41.000 Zuschauern im Bremer Weserstadion hatte Steven Zuber den VfB am Freitagabend bereits in der zweiten Minute in Führung gebracht. Davy Klaassen gelang in der 45. Minute der Ausgleich für die Bremer, für die das Remis im Kampf um die Europa-League-Plätze aber zu wenig ist.

"Na klar. Wir haben einen Punkt in Bremen geholt. Das ist aller Ehren wert. Es war ein Schritt nach vorne", sagte Thomas Hitzlsperger, der neue Sportvorstand der Schwaben, auf die Frage, ob Weinzierl auch am 3. März im Kellerduell mit Hannover 96 auf der Bank des VfB sitzen wird.

"Wir wollten gewinnen, das haben wir nicht geschafft", gab Werder-Coach Florian Kohfeldt im Eurosport-Interview zu. "Es ist sehr ärgerlich, aber ich kann jetzt auch keinem einen Vorwurf machen. Wir alle wollten heute gewinnen - aber zum Gewinnen war das heute zu wenig."

Schon nach 61 Sekunden lag der Ball im Netz - zum Entsetzen der Werder-Fans aber im Bremer. Bei seinem Schwabenstreich nach Kopfballvorlage von Mario Gomez umkurvte Zuber erst Nuri Sahin, dann setzte der Schweizer zu einem Solo an und ließ Werder-Keeper Jiri Pavlenka mit seinem Schuss in die kurze Ecke keine Chance.

Den Schock des schnellsten Gegentors in dieser Saison hatten die verschlafenen Bremer noch gar nicht richtig verdaut, da hatte Gomez die nächste Großchance - doch der 33-Jährige vertändelte den Ball im Strafraum (9.), zudem war Pavlenka da. Die Mannschaft von Kohfeldt, der erstmals den 19 Jahre alten Amerikaner Joshua Sargent in die Startelf beorderte, schien noch gar nicht richtig auf dem Platz zu sein.

"Irgendwie habe ich gehofft, dass wir diesmal den Lucky Punch schaffen und nicht der Gegener. Es ist bitter, es ist irgendwie ein verlorener Punkt", sagte Gomez. Der 33-Jährige war auch selbstkritisch: "Ich habe zwei Chancen - wenn ich eine mache, steht es 2:0. Das Glück ist im Moment nicht auf meiner Seite."

Der VfB kombinierte gut, nahm die Zweikämpfe an und blieb bei pfeilschnellen Kontern gefährlich. Erst nach 15 Minuten hatte Werder durch eine tolle Einzelaktion von Milot Rashica die erste Chance. Danach kamen die Norddeutschen zwar besser ins Spiel, leisteten sich aber zu viele Fehlpässe, agierten zu behäbig und mussten ständig auf der Hut sein. Alexander Esswein (25.) und erneut Zuber (26.) versuchten ihr Glück, bevor der starke Rashica die bis dahin beste Werder-Chance aus bester Position vergab (30.).

Doch auch deutlich mehr Ballbesitz brachte lange nichts Zählbares - bis Klaassen kurz vor dem Pausenpfiff mit einem Sonntagsschuss Marke "Tor des Monats" den Ausgleich erzielte (45.). Zuvor hatte Pavlenka auch die zweite Riesenchance von Gomez reaktionsschnell vereitelt (44.). So war das 1:1 zur Pause für die Hausherren etwas schmeichelhaft.

Als Oldie Claudio Pizarro nach einer Stunde für den glücklosen Sargent kam, ging ein Raunen durchs Stadion - viele Fans erhoben sich sogar von den Sitzen. Doch anders als beim 1:1 in Berlin konnte der mit 40 Jahren älteste Torschütze der Bundesliga-Historie diesmal keinen Treffer draufsetzen. Stuttgarts Keeper Ron-Robert Zieler hielt in der Sturm-und-Drang-Periode der Bremer das 1:1 fest - auch bei einer Riesen-Kopfballchance von Verteidiger Theodor Gebre Selassie war er auf dem Posten (79.). (dpa)