Früherer Manager von Bayer Leverkusen

Rainer Calmund feiert 70. Geburtstag im Phantasialand

KÖLN. Der frühere Leverkusen-Manager und -Geschäftsführer Reiner Calmund feiert seinen 70. Geburtstag ganz groß im Phantasialand.

„Jemand noch jet Sößes?“ Die Frage nach einem süßen Nachschlag war obligatorisch, wenn man mit Reiner Calmund des Fußballs wegen auf Reisen war und bereits ausgiebig gespeist hatte. Niemand meldete sich angesichts des zurückliegenden, üppigen Mahls. Doch das Leckermaul fand stets jemanden, der sich erbarmte, damit „Calli“ seine Süßspeise nicht alleine löffeln musste.

Er könne einfach „nicht nein sagen“, begründete der Fußballexperte, der an diesem Freitag 70 Jahre alt wird. Aus diesem Anlass steigt im Phantasialand in seiner Geburtsstadt Brühl eine XXL-Fete mit rund 250 Gästen, darunter viel Fußball-Prominenz. In seinen runden Geburtstag feiert er zuvor in seiner Wahlheimat Saarlouis in der Dillinger Hütte im kleineren Kreis rein. Seit Sommer 2012 lebt Calmund mit seiner Ehefrau Sylvia und seiner Adoptivtochter Nisha („Mein Sonnenschein“) im Saarland.

In Brühl geboren und in Frechen aufgewachsen, war seine Fußballkarriere nach einer schweren Verletzung früh beendet. Er blieb dem Sport treu, wurde Jugendtrainer. Zudem arbeitete er neben seinem Betriebswirtschaftsstudium als Lokalreporter für die „Kölnische Rundschau“ und die „Neue Ruhr Zeitung“. 1976 holte ihn Willibert Kremer in die Nachwuchsarbeit von Bayer Leverkusen. Als der Trainer 1979 die Profis in die Bundesliga führte, stieg auch Reiner Calmund mit auf – in das Management des Profibereichs.

Rund ein Vierteljahrhundert lang war er als „positiv Bekloppter“, so bezeichnete er sich bereits damals, für Bayer 04 im Einsatz. Einen ebenso treffenden Beinamen verpasste ihm Tita, der erste Brasilianer, den Reiner Calmund mit entsprechender Gage nach Leverkusen lockte. Der kleine Stürmer, der maßgeblichen Anteil am Uefa-Pokalsieg 1988 hatte, nannte ihn „dickes Bandito“. Nicht, dass der Manager mit vorgehaltenem Revolver krumme Dinger gedreht hätte. Aber der damals bereits schwergewichtige Fußballexperte, der es heute auf 160 Kilo bringt, verstand es wie wenige andere, schwierigste Geschäfte geschickt einzufädeln und zum Vorteil des eigenen Vereins abzuwickeln. Dabei gelang es ihm unter anderem, Jorginho, Emerson, Zé Roberto, Lucio und Juan zu verpflichten, später allesamt Kapitäne der brasilianischen Nationalmannschaft.

Abruptes Karriereende

Calmund war auch der Erste, der sich nach Öffnung der Grenze bei den damaligen DDR-Stars bediente. Bei Andreas Thom stand er Ende 1989 selbst in Ost-Berlin mit dem vermeintlichen Geldkoffer vor der Plattenhauswohnung, um daraus im Wohnzimmer Spielsachen für Thoms Nachwuchs auszupacken. Ein halbes Jahr später kam Ulf Kirsten dazu, und auch mit Matthias Sammer hatte der Bayer-04-Manager einen Vorvertrag in der Schublade. Doch der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl höchstpersönlich bat darum, diesen Kontrakt aus sportpolitischen Gründen nicht wirksam werden zu lassen.

Bitterer waren die knapp verpassten Titel wie beim 0:2 am letzten Spieltag 2002 in Unterhaching und die drei Vize-Titel 2002 in Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal. Während ihm dabei oft genug selbst die Augen feucht waren, tröstete er in Tränen aufgelöste Spieler und Mitarbeiter.

Sein abruptes Karriereende beim Werksverein am 8. Juni 2004, als er sich aus „gesundheitlichen Gründen“ verabschiedete, entpuppte sich zwei Jahre später als Entlassung. Eine ungeklärte Barzahlung an einen Spielervermittler machte man ihm zum Vorwurf. Ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten wurde dem Manager aber nie nachgewiesen.

Trotz einiger Angebote kehrte Reiner Calmund nicht ins Fußballgeschäft auf Vereinsseite zurück, blieb aber bis heute im Fußball-Auftrag unterwegs. Ob als Kolumnenschreiber, Redner vor Führungskräften von Großunternehmen oder als Gast auf diversen TV-Kanälen war und ist er zu sehen. Seine Expertenmeinung ist vor allem im Fußball und in Kochshows gefragt, in deren Jurys er saß – und aß. Auch Süßes.