Bayern-Trainer nach dem Pokalerfolg

Kovac: "Bin so, wie ich bin und so möchte ich bleiben"

Bayern-Trainer Niko Kovac hält mit dem DFB-Pokal und Meisterschale.

Bayern-Trainer Niko Kovac hält mit dem DFB-Pokal und Meisterschale.

Berlin. Die vergangenen Wochen mit der hartnäckigen Diskussion um seine Person haben sichtbar an Bayern-Trainer Niko Kovac genagt. Dabei hat der Coach mit dem Gewinn des zwölften Doubles der Bayern sein Meisterwerk abgeliefert.

Ein wenig nervös wirkte Niko Kovac auf der Pressenkonferenz nach dem Pokalerfolg über Leipzig in den Katakomben des Berliner Olympiastadions dann doch noch. Immer wieder blickte der Bayern-Coach sich um, verlor ab und an sogar den Faden. Vor genau einem Jahr stürmten an selbiger Stelle jubelnde Eintracht-Spieler die Pressekonferenz und übergossen Kovac im schicken Eintracht-Anzug mit Bier. "Ich schaue immer nach links", sagte Kovac nun lächelnd. "Die Tür ist offen und ich weiß nicht, ob wieder jemand reinstürzt."

Es stürzte niemand durch die Tür – zumindest keine Bayern-Spieler. Diese feierten in der Kabine, deutlich gediegener als die Frankfurter noch vor einem Jahr. "Wir waren letztes Jahr der Underdog mit der Eintracht. Dass wir den FC Bayern besiegt haben, war eine Sensation. Der Club hatte 30 Jahre keinen Erfolg gefeiert", sagte Kovac. "Das bedeutet, dass man emotionaler an die Sache rangeht. Der FC Bayern ist dagegen ein Club, der jährlich Titel einheimst."

Und nicht weniger als diese Titel hatten die Verantwortlichen des FC Bayern vor der Saison von ihrem neuen Trainer gefordert – alles andere wäre nicht der FC Bayern. Zwei hat Kovac geliefert. Nach der Meisterschaft nun auch den Pokal und das in seinem ersten Jahr an der Säbener Straße. Der Trainer wirkte im Berliner Olympiastadion dementsprechend erleichtert, aber auch nachdenklich, als er unmittelbar vor der Pokalübergabe gerührt in den Himmel blickte.

Kovac ist gezeichnet, die vergangenen Wochen mit der hartnäckigen Diskussion um seine Person haben sichtbar an dem Trainer genagt. Dabei hat der Coach mit dem 3:0-Erfolg über Leipzig und damit dem Gewinn des zwölften Doubles der Bayern sein Meisterwerk abgeliefert, mehr war mit dieser zum Teil in die Jahre gekommenen Bayern-Elf nicht zu erwarten.

Und dennoch musste der Bayern-Coach um die Fortführung seines Jobs lange zittern. "Ich würde mir manchmal wirklich wünschen, dass alles ein bisschen anders läuft. Das Rad zurückzudrehen ist schwierig. Wir sollten alle daran arbeiten, wir sind schließlich alles Menschen. Wir sollten zusehen, dass wir miteinander auskommen." Kritik sei "immer berechtigt, aber die Art und Weise ist entscheidend", sagte Kovac bei Sky.

Erst in einem Interview vor dem Pokalfinale sprach auch der Vorstandsvorsitzende der Bayern Karl-Heinz Rummenigge sich für den Verbleib des Trainers aus, zumindest einigermaßen. "Wir haben das eigentlich nie in Frage gestellt", sagte Rummenigge. Und fast schon obligatorisch: "Es war für uns kein Thema, dass er mit der Laufzeit bis 2021 vorher ganz einfach nicht mehr der Trainer ist."

Doch der Stuhl des Coaches wackelte während der Saison bedenklich. Mehrere Spieler sollen sich kritisch geäußert haben, taktische Fehler, mangelnde Rotation. Dazu sportlicher Misserfolg. Gerade im Herbst, als die Bayern neun Punkte hinter Borussia Dortmund, abgeschlagen auf Rang fünf lagen, ist die Situation für den Trainer bedrohlich. "Wir waren weit hinten, aber die Mannschaft hat Großartiges geleistet. Das Spiel gegen Benfica war der Turnaround", sagte Kovac.

Es folgte eine starke Rückrunde mit nur zwei Pleiten gegen Liverpool und Leverkusen. "Die Mannschaft hat einfach Großartiges geleistet." Die Mannschaft, aber auch Kovac - der die Ruhe behielt, taktische Veränderungen vornahm und die Bayern aller Widerstände zu trotz zurück auf Kurs brachte.

Das Jahr mit den Bayern hat bei dem 47-Jährigen Spuren hinterlassen. Aber: "Ich habe mich nicht verändert. Ich bin so, wie ich bin und so möchte ich bleiben", sagte der Trainer, dessen maßgeschneiderter Anzug trocken blieb, dieses Mal. Wenn es nach den Bayern-Verantwortlichen geht, wird der Coach auch im kommenden Jahr die ominöse Tür des Presseraums im Berliner Olympiastadion im Auge behalten müssen. Ob dieser dann tatsächlich noch Kovac heißt, wird man sehen.