Letztes Länderspiel des Jahres

Deutschland erkämpft sich 2:2 gegen Frankreich

Frankreich am 14.11.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen). Deutschlands Mario Götze und und Frankreichs Adrien Rabiot (r) im Zweikampf um den Ball.

Frankreich am 14.11.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen). Deutschlands Mario Götze und und Frankreichs Adrien Rabiot (r) im Zweikampf um den Ball.

Köln. Als stärkerer Gegner als England erwies sich Frankreich im Länderspiel gegen Deutschland. Trotz hohem Tempo und enormem Offensivpotenzial der Franzosen erkämpfte sich die DFB-Mannschaft ein 2:2.

Es wehte ein Hauch dieses einzigartigen weltmeisterlichen Sommers in Brasilien an diesem tristen Novemberabend über Müngersdorf. Zwar war es nicht die Christusstatue von Rio, die in Schwarz-Rot-Gold leuchtete, aber immerhin die vier Türme des Stadions, die da in den Landesfarben in den Kölner Nachthimmel ragten. Schließlich war es ja auch ein Spiel, das mehr versprach als die übliche Hausmannskost des ortsansässigen Fußballclubs in der jüngeren Vergangenheit. Es war ein Spiel zweier Fußball-Größen.

Deutschland gegen Frankreich, dieses Duell verhieß vor allem Dingen eines: ein Offensivspektakel. Zumindest die Franzosen hielten, was von ihnen erwartet worden war. Die Deutschen taten sich lange schwer. Und erst ein Treffer von Joker Lars Stindl in der Nachspielzeit rettete die lange Erfolgsserie. 20 Spiele war die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw zuvor ungeschlagen geblieben. Nach dem 2:2 (0:1) sind es nun 21. Und das bis dahin so hervorragende Länderspieljahr blieb von einem Makel verschont.

Seinen Forschungsdrang im Hinblick auf die WM im kommenden Sommer in Russland ließ Löw auch zum Abschluss dieses so erfolgreichen Jahres freien Lauf. Er stellte um, wählte für das defensive Mittelfeld das erprobte Weltmeisterduo Toni Kroos, in seiner Wahlheimat, und Sami Khedira. Sie sollten mit ihrer körperlichen Präsenz die Offensivwucht der Franzosen um Wunderstürmer Kilian Mbappé eindämmen. Das gelang zunächst eher mäßig gegen die Franzosen, die ja immer noch auf einige Hochkaräter wie Ousmane Dembélé oder Dimitri Payet verzichten mussten.

Wenig deutsche Offensivaktionen

Nach Mesut Özils Annäherung ans Gästetor (3.), hatte die deutsche Viererkette um Anführer Mats Hummels mächtig Probleme, den Ball aus dem eigenen Strafraum fernzuhalten. Und auch der sonst so ballsichere Stratege Toni Kroos war zunächst keine große Hilfe. Nach dem Fehlpass des Real-Stars ging der Hochgeschwindigkeitszug TGV über Anthony Martial ab Richtung deutsches Tor – noch allerdings ohne größeren Schaden anzurichten. Dann versuchte es Arsenal-Stürmer Alexandre Lacazette mit einem Schuss von der Strafraumgrenze, scheiterte aber an Kevin Trapp (18.), der das deutsche Tor anstelle von Marc-André ter Stegen hütete. Der Torhüter von Paris St. Germain sollte sich an diesem nasskalten Abend auch weiterhin keine Gedanken machen, sich eine Erkältung zuzuziehen. Denn er wurde beschäftigt. Mehr als ihm lieb sein konnte. Zunächst reagierte er stark gegen Mbappé (32.), der die deutsche Abwehr ein ums andere Mal narrte.

Deutsche Offensivaktionen sah man so gut wie gar nicht. Ilkay Gündogan, in offensivere Rolle als noch gegen England, war bemüht, Struktur ins Spiel zu bringen. Aber viel zu selten schaltet die Elf, wie von Löw gefordert, nach Ballgewinn in den Tempomodus, um so Chancen kreieren zu können. Es fehlten die Ideen für geeignete Anspiele in die Spitze, es fehlten aber auch die schnellen Antritte der Stürmer in die Tiefe. So blieb es seltsam ruhig – es waren sogar vereinzelt Pfiffe zu vernehmen - in einem nur spärlich gefüllten Kölner Stadion (36 948 Zuschauer), in dem auch der frühere FC-Star Anthony Modeste in der Fankurve dem Treiben seiner französischen Landsleute zusah. Und er sah eine ganze Menge. Mit Esprit überwand die Tricolore immer wieder das Mittelfeld, um in vorderster Reihe Gefahrenmomente zu schaffen. Lucas Digne legte den Ball auf Anthony Martial ab, der mit französischer Eleganz Niklas Süle ins Leere laufen ließ. Dann bewies der Franzose frei vor Trapp Übersicht, bediente Mbappé, der den Ball nur noch über die Linie drücken musste (34.). Die Führung der Franzosen war hochverdient. Die deutschen Versuche sahen eher etwas hölzern aus, wie Süles Verzweiflungsschuss der nicht wenige Meter am Tor vorbeiflog (45.).

Tempo blieb hoch

Nach dem Wechsel wurde es gleich besser, sprich zwingender. Der bis dahin blasse Julian Draxler demonstrierte seine feine Technik, setzte sich über links durch und legte den Ball Antonio Rüdiger auf. Doch der war wohl ob seiner Freiheit derart überrascht, dass er den Ball eher klärte, als ihn im Tor unterzubringen (53.). Die DFB-Elf ließ nicht locker. Es war der ansonsten schwache Spielentschleuniger Özil, der mit einem herrlichen Pass Timo Werner schickte. Der junge Leipziger behielt Nerven wie ein Alter und schob den Ball durch die Beine von Frankreich-Schlussmann Steve Mandanda ins Tor (56.). Keine Minute später war es dann wieder Trapp, der bei einem Fernschuss des starken Martial hervorragend entschärfte.

Beide Teams hielten das Tempo hoch. Doch die größte deutsche Chance entstammte einem ruhenden Ball. Toni Kross zirkelte einen Freistoß mit der Präzision eines Chirurgen Richtung Gäste-Tor – doch der Ball klatschte an die Latte (70.) Im Gegenzug dann die große Ernüchterung, mitten hinein in die Sturm- und Drangphase der Löw-Elf. Lacazette machte nach feinem Pass von Mbappé seinen Doppelpack perfekt (71.). Die Deutschen bemühten sich zwar weiterhin, aber die Franzosen hatten das Spiel nun weitgehend im Griff. Bis in die Nachspielzeit. Dann kam Stindl, blickte kurz, schoss und sorgte mit seinem Treffer für ein glückliches Ende eines starken Jahres.