Bayer Leverkusen

Der Druck auf Trainer Heiko Herrlich steigt

Leverkusens Trainer Heiko Herrlich trifft mit seinem Team auf Hannover 96.

Heiko Herrlich steht bei Bayer unter Druck.

LEVERKUSEN. Nach dem 2:2-Unentschieden gegen Hannover steht Bayer-Trainer Heiko Herrlich zunehmend unter Druck. Die Mängelliste bei Leverkusen ist lang.

Die Wirkung eines wichtigen Treffers in allerletzter Minute ist eigentlich unumstritten. So ein Tor führt im Fußball in der Regel erst zu Erleichterung und dann zu ausgelassenem Jubel bis hin zur Ekstase. Als Karim Bellarabi am Samstag in der vierten Minute der Nachspielzeit für Bayer 04 Leverkusen beherzt zum 2:2 (1:1)-Ausgleich gegen Hannover 96 eingenetzt hatte und kurz danach Schluss war in der BayArena, ertönte aber ein gellendes Pfeifkonzert aus der Leverkusener Fankurve, in das sich „Herrlich- und Völler-Raus“-Rufe mischten.

Ein Szenario, das keine zwei Meinungen zulässt. Nach nur zwei Siegen und acht Punkten aus den ersten acht Partien der Bundesliga-Saison 2018/19 hinkt der Werksclub seinen Champions League-Ansprüchen weit hinterher und hat sich eine veritable Krise eingehandelt, in der Trainer Heiko Herrlich und sein Vorgesetzter Rudi Völler gehörig unter Druck geraten sind. Daran konnten auch Bellarabis satter Linkschuss und der daraus resultierende Schritt auf Tabellenrang 13 nichts ändern.

Die aktuelle Mängelliste bei Bayer 04 ist lang. Wie lang, das demonstrierten die Leverkusener Stimmen nach dem Spiel, das Aufbruch sein sollte und Rückschritt wurde. „Uns fehlen Leichtigkeit, Selbstvertrauen und Spielglück“, erklärte der tief enttäuschte Herrlich. Kapitän Lars Bender sprach von „fehlender Überzeugung“ bei einigen Spielern und zeigte Verständnis für die Pfiffe der Fans: „Es wird ein brutal schwieriges und hartes Jahr. Von Champions League müssen wir nicht reden“, klagte der Torschütze zum 1:1 (34.).

Und Torwart Lukas Hradecky sagte, was wohl alle Bayer-Anhänger in der Arena dachten: „So kann es nicht weitergehen.“ Geht es aber, zumindest was die Personalie Herrlich betrifft. Der ungewohnt handzahm wirkende Völler stärkte dem glücklosen 46-Jährigen noch einmal halbwegs den Rücken. „Heiko kann in Ruhe weiter arbeiten. Es gibt im Moment kein Ultimatum.“ Von Ruhe kann angesichts der anstehenden Aufgaben beim FC Zürich und in der Bundesliga in Bremen und gegen Hoffenheim, aber wohl kaum die Rede sein.

Herrlich ist es offensichtlich nicht gelungen, allen Spielern nach dem tristen 0:0 in Freiburg in der Länderspielpause die Überzeugung zu geben, die Lars Bender gegen Hannover so vermisste. Wendell etwa, der einen Handelfmeter zum möglichen 1:0 kläglich vergab (5.). Oder der bisweilen teilnahmslos wirkende Julian Brandt, der zwei klare Chancen ausließ (10./52.). Auch der gerade Vater gewordene Mitchell Weiser, Kevin Volland und Lucas Alario waren kaum zu sehen: Das Leverkusener Team spaltete sich in zwei Lager auf.

Deshalb nützte den ideenlosen Hausherren selbst eine 33-minütige Überzahl nach Gelb-Rot (57.) für 2:1-Torschütze Felipe wenig. „Ich haue sicher keiner unserer Spieler hier in die Pfanne. Aber bei einigen gibt es Luft nach oben“, sagte Herrlich. Die Pfiffe und „Raus“-Rufe setzten dem Coach sichtlich zu: „Ich möchte die Leute mit meiner Arbeit ja nicht verärgern, sondern ihnen Freude schenken. Natürlich sind die Rufe berechtigt.“ Bellarabis spätes Tor nach einem schönen Spielzug über Leon Bailey, Kai Havertz und Lars Bender dürfte dem Trainer aber trotz der Unmutsbekunden eine letzte Schonfrist verschafft haben.