Stimmung beim 1. FC Köln

Simon Terodde jubelt: Köln lebt wieder!

Wie eine Erlösung war für die Kölner das Tor zum 2:0, das Torschütze Simon Terodde (r.) und Vorbereiter Milos Jojic (l.) bejubeln.

Wie eine Erlösung war für die Kölner das Tor zum 2:0, das Torschütze Simon Terodde (r.) und Vorbereiter Milos Jojic (l.) bejubeln.

HAMBURG. Der Doppeltorschütze des 1. FC Köln zum 2:0-Sieg beim Hamburger SV fühlt sich nicht wie bei einem Tabellenletzten. Den 1. FC Köln erwarten nun zwei Heimspiele, bei denen er nicht in der Favoritenrolle auftreten wird.

Der 2:0-Erfolg beim Hamburger SV ist der erste Auswärtssieg des 1. FC Köln seit 357 Tagen, also einem knappen Jahr. Damals gewann man mit 6:1 in Darmstadt. Gleichzeitig war das 2:0 der dritte Sieg in Folge. Das erlebte der FC letztmals vor fast sieben Jahren, als in der Spielzeit 2010/11 Sportchef Volker Finke interimsmäßig die letzten drei Spiele gewann. Während der FC in der Hinrundentabelle vom letzten Platz grüßte, liegt er in der Rückrundentabelle nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses (4:1) hinter dem FC Bayern München auf Platz zwei (7:3).

Welche Bedeutung besitzt der bisherige Rückrundenauftakt?

Er hat den Spielern weiteren Glauben in die eigenen Stärken sowie daran zurückgegeben, das Fußballwunder zu schaffen. „Die Jungs müssen das als Chance und Herausforderung ansehen. Sie müssen weiter investieren und Gas geben“, sagte FC-Trainer Stefan Ruthenbeck. Er wolle nicht von einer Serie reden. „Da habe ich keinen Bock drauf, denn jede Serie reißt einmal. Ich will gegen Augsburg das nächste Endspiel angehen.“

Was machte den Unterschied zum HSV aus?

Drei Dinge: Timo Horn als Gegentor-Verhinderer, Simon Terodde als Torschütze sowie gestärktes Selbstbewusstsein. Während der FC mit zwei Siegen in Folge antrat, holten die Hamburger nur einen Punkt aus den vorangegangenen fünf Spielen. Bezeichnend für den Umgangston beim FC war die Aussage des hinzugekommenen Terodde: „Ich habe schon am ersten Tag gemerkt, dass eine positive Grundstimmung in der Truppe herrscht. Alle haben Spaß. Da ist nichts zerrüttet, wie man es beim Tabellenletzten erwarten würde. Köln lebt wieder!“

Was hat Simon Terodde erneut so wertvoll gemacht?

Sein Spiel ist das eines klassischen Mittelstürmers. Drei Mal zielte er Richtung Tor, schoss die Treffer zwei und drei für den FC. In beiden Fällen traf er durch die Beine der Gegner, erst gegen Filip Kostic (27.), dann gegen Torwart Julian Pollersbeck (67.); beide Male mit Direktabnahmen und jeweils arg bedrängt. Sein Trainer lobte neben den Treffern sein Attackieren der ersten gegnerischen Aufbauspieler. Sportchef Armin Veh fügte hinzu, dass Terodde als „positiver Typ“ wichtig für die Gruppe sei, um dann ärgerlich in Richtung der Stuttgarter Sportführung, die ihn nicht mehr haben wollte und für etwa vier Millionen Euro an Köln verkaufte, zu wettern: „Mir geht es auf den Keks, dass Simon nicht erstligatauglich sein soll.“ Aus Sicht von Kapitän Matthias Lehmann ist der Torjäger derjenige, „der die Chancen nutzt, die wir zuvor ausgelassen haben. Er kennt alles in Köln von früher, braucht keine lange Anlaufzeit. Und wir haben es ihm einfach gemacht. Er zahlt es mit Toren zurück, was für uns alle gut ist.“

Werden die Kölner noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv?

Ob nach dem Abgang von Konstantin Rausch noch ein weiterer Spieler den FC verlässt, ist ungewiss. Pawel Olkowski, der zum zweiten Mal in Folge nicht zum Spieltagskader gehörte, soll noch keine Wechselabsicht erklärt haben. Ob andererseits noch ein Spieler – es geht um einen Rechtsverteidiger – geholt wird, sei unwahrscheinlich, „aber auch nicht auszuschließen, wenn wir noch fündig werden“, sagte Sportchef Veh am Wochenende.

Wie geht es weiter?

Für den FC folgen zwei Heimspiele – gegen den FC Augsburg und Borussia Dortmund. Mit 27 und 30 Punkten stehen die Gegner in der oberen Tabellenhälfte. Zunächst schaue man nur auf das Augsburg-Spiel. Die Schwaben seien „extrem unangenehm“ zu bespielen, meinte Ruthenbeck, und Matthias Lehmann ergänzte: „Augsburg hat 27 Punkte. Wir sind nicht Favorit. Um das jemandem weiszumachen, muss man schon einige Gläser Bier getrunken haben.“