1. FC Köln

Scheitert der Transfer von Anthony Modeste noch?

Weiter in der Warteschleife: Der juristische Streit zwischen Anthony Modeste und Tianjin Quanjian kann sich noch längere Zeit hinziehen.

Weiter in der Warteschleife: Der juristische Streit zwischen Anthony Modeste und Tianjin Quanjian kann sich noch längere Zeit hinziehen.

KÖLN. Trübe Aussichten für Anthony Modeste beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Köln: Seine Kündigung in China soll nicht rechtmäßig gewesen sein. Fragen und Antworten rund um den Transfer.

Nachdem am Freitagabend der Weltfußballverband Fifa mitgeteilt hatte, dass man Zahlungsansprüche von Anthony Modeste gegen den FC Tianjin Quanjian anerkenne, zeigte sich der Torjäger auf einem Foto im Trikot des 1. FC Köln mit seiner Rückennummer 27 und dem Wort „soon“. Der 30-Jährige ging also davon aus, dass er für die Kölner kurzfristig wieder spielen werde. Keine vier Tage später stapfte er am Dienstag mit hängendem Kopf und kommentarlos vom Trainingsplatz am Geißbockheim.

Was war geschehen?

Auf eine Nachfrage bei der Fifa antwortete deren Pressestelle am Dienstag mit diesen Sätzen: „Die Fifa-Kammer zur Beilegung von Streitigkeiten hat am 6. Dezember 2018 eine Entscheidung über den arbeitsrechtlichen Streit zwischen Tianjin Quanjian FC und dem Spieler Anthony Modeste gefällt. Dem Beschluss zufolge muss Tianjin Quanjian FC dem Spieler eine ausstehende Vergütung zahlen. Es wurde jedoch festgestellt, dass dieser das Arbeitsverhältnis mit Tianjin Quanjian FC ohne triftigen Grund gekündigt hat.“

Was sagen die Verantwortlichen des 1. FC Köln dazu?

Beim 1. FC Köln mochte man die neueste Entwicklung in dem sportjuristischen Streit nicht bewerten. Geschäftsführer Alexander Wehrle, der sich vor einigen Wochen mit dem Präsidenten des FC Quanjian in Tianjin zu einem Gespräch unter Vermittlung des früheren SPD-Kanzlerkandidaten und FC-Beiratsmitglieds Martin Schulz getroffen hatte, sagte: „Wir sind nicht Verfahrensbeteiligte. Es gibt für uns keinen neuen Sachstand. Wir werden, wie letzten Freitag mitgeteilt, die Urteilsbegründung abwarten.

In welcher Lage befindet sich Anthony Modeste?

Aus Sicht der Fifa muss der chinesische Club ihm die ausstehenden Zahlungen überweisen. Da Modeste nach Meinung der Verbandsjuristen „ohne triftigen Grund“ kündigte, müsste diese Kündigung wirkungslos sein, das Arbeitsverhältnis weiter bestehen. Somit wäre der Vertrag, den der 30-Jährige mit dem 1. FC Köln einging, gegenstandslos. Da er sich vom 4. August bis zum Saisonende vor gut vier Wochen nicht mehr für Spiele zur Verfügung stellte, könnte der Verein womöglich Regressforderungen an ihn stellen.

Wie kann sich der Fall jetzt weiter entwickeln?

Es gibt folgende Szenarien: Der FC Tianjin Quanjian könnte Anthony Modeste juristisch auffordern zurückzukehren. Die Chinesen könnten sich mit ihm und dem 1. FC Köln auf einen Wechsel einigen. Dann müsste die Transfersumme für den Zweitligisten bezahlbar sein. Um dies zu realisieren, könnte Anthony Modeste eventuell auf einen Teil der ihm zustehenden, offenbar millionenschweren Zahlung verzichten. Denkbar und wahrscheinlich erscheint, dass der Fall vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) verhandelt und entschieden wird.

Welche Folgen hat das Verfahren?

Nach derzeitigem Stand sieht es nicht nach einer schnellen Einigung und einer baldigen Spielberechtigung für Anthony Modeste beim 1. FC Köln aus. Das Verfahren wird sich wohl noch Wochen, wenn nicht sogar Monate hinziehen. Möglicherweise ist der 1. FC Köln schon in die Bundesliga aufgestiegen, ehe der frühere Torschützenkönig für Köln spielberechtigt ist.