Trotz 2:0-Führung

Köln verliert bei Modeste-Rückkehr in Paderborn mit 2:3

Kölns Anthony Modeste kann nur staunen: Die Paderborner feiern den späten 3:2-Sieg.

Kölns Anthony Modeste kann nur staunen: Die Paderborner feiern den späten 3:2-Sieg.

15.02.2019 Paderborn. Trotz einer 2:0-Führung und einem Tor von Rückkehrer Anthony Modeste verlor der 1.FC Köln am Freitagabend mit 2:3 in Paderborn. Florian Kainz sah zudem eine gelb-rote Karte.

Anthony Modeste musste weinen. Und der Franzose hatte gleich doppelten Anlass, seinen Tränen freien Lauf zu lassen. Erst traf der Franzose bei seinem ersten Spiel für den 1. FC Köln nur vier Minuten nach seiner Einwechslung gegen den SC Paderborn zum 2:0, dann musste er mitansehen, wie der FC diese Führung in einer unfassbaren Schlussphase in  den letzten 13 Minute herschenkte und den am Ende entfesselten Gastgebern noch mit 2:3 (1:0) unterlag – ein denkwürdiger Zweitliga-Fußballabend in Ostwestfalen.

Drei Monate musste Modeste auf seine Spielberechtigung für den 1. FC Köln warten. Als am Donnerstag endlich die Freigabe kam, war klar, dass Modeste zum FC-Kader für die Partie in Paderborn gehörte. Genauso klar war auch, dass der 30-Jährige zunächst auf der Bank Platz nehmen musste. Nach dem 4:1 gegen den FC St. Pauli sah Markus Anfang nämlich keine Veranlassung, etwas an seiner Startelf zu verändern. Und mit Jhon Cordoba und Simon Terodde konnte der FC-Trainer ja auch einen 33-Tore-Sturm von der Leine lassen.

Zunächst wies nichts auf das erwartete Offensivspektakel der beiden torgefährlichsten Teams der Liga hin. Zwar feuerte Paderborns Sven Michel schon nach 15 Sekunden den ersten Torschuss ab, dann aber regierte der Respekt der Kontrahenten voreinander. Angesichts der Angriffswucht, die der FC (51 Tore) und Paderborn (50) entwickeln können,  war Vorsicht oberstes Gebot. Klare Torchancen blieben Mangelware. FC-Keeper Timo Horn musste einmal in höchster Not gegen Bernard Tekpetey retten (12.) und hatte Glück, das Michel aus 14 Metern schlecht zielte (42.). Die Kölner agierten am gegnerischen Strafraum zu zaghaft. Selbst der zuletzt so überragende Jhon Cordoba offenbarte Probleme, die Bälle zu kontrollieren oder sich im Zweikampf durchzusetzen. Der Kolumbianer brachte den FC dann aber in Führung. Nach einem Freistoß von Johannes Geis konnte Simon Terodde den Ball festmachen und auf Florian Kainz ablegen. Dessen Linksflanke geriet zu weit, wurde aber von Dominick Drexler wieder scharf gemacht und von Cordoba volley aus sechs Metern zum 0:1 verwertet (38.).

Das 1:0 gab den Geißböcken für die zweite Hälfte viel Sicherheit. FC-Coach Markus Anfang musste zur zweiten Hälfte zwar den unsicheren und Gelb-Rot-gefährdeten Benno Schmitz durch Lasse Sobiech ersetzen, sein Team kontrollierte aber das Geschehen. „Wir haben nichts zugelassen, hatten es im Griff und waren auch in den Zweikämpfen drin“, analysierte Anfang richtig. Dann kam nach 69 Minuten Anthony Modeste für Terodde. Vier Minuten später lenkte der Torjäger eine Flanke von Florian Kainz zum 2:0 ins Netz und drehte weinend ab. „Ich habe über alle meinen schwierigen Momente nachgedacht und dass ich meinen Vater verloren habe. Jetzt bin ich einfach glücklich auf dem Platz zu stehen und Fußball zu spielen“, erklärte sich Modeste nach dem Spiel. Richtig glücklich sah er bei diesen Worten aber nicht aus, denn die Paderborner verhagelten ihm und dem FC diesen so perfekt aussehenden Abend.

Nachdem Markus Anfang auch den ebenfalls Gelb-Rot gefährdeten Raffael Czichos vom Platz nehmen musste (78.), nahm das Unheil seinen Lauf. Czichos Ersatz Frederik Sörensen verursachte mit seiner ersten Aktion einen Freistoß, der zum 1:2 durch Tekpetey führte (80.). Das gab den Paderborner Mut. Als Kai Pröger, SC-Winter-Neuzugang aus der Regionalliga, eine Bogenlampe aus 25 Metern zum Ausgleich unter die Latte setzte (86.), geriet die ausverkaufte Benteler-Arena schier aus dem Häuschen. Es sollte aber noch schlimmer für den FC und besser für Paderborn kommen. Johannes Geis und Sörensen ließen Marlon Ritter gewähren und der bedankte sich mit einer weiteren Bogenlampe am verdutzten Timo Horn vorbei mit dem Siegtreffer (90.+2). „Wir haben nicht verdient gewonnen und das fühlt sich, sehr  bitter an“, sagte Markus Anfang und sah dabei sehr zerknirscht aus.   

SC Paderborn: Zingerle; Dräger , Strohdiek, Schonlau; Collins, Vasiliadis, Klement (46. Ritter), Tekpetey, Zolinski (65. Gueye), Pröger, Michel. – 1. FC Köln: T. Horn; Schmitz (46. Sobiech), Meré, Czichos (78. Sörensen); Geis; Hector, Drexler; Clemens, Kainz; Cordoba, Terodde (69. Modeste). – SR.: Waschitzki (Essen). – Zuschauer: 15000 (ausverkauft). – Tore: 0:1 Cordoba (38.), 0:2 Modeste (73.), 1:2 Tekpetey (80.), 2:2 Pröger (86.), 3:2 Ritter (90.+2). – Gelb-Rot: Kainz (89.). -Gelbe Karten: Strohdiek, Michel; Terodde, Schmitz, Czichos, Sörensen. (Martin Sauerborn)