„Geduld ist nicht meine Stärke“

Interview mit FC-Torhüter Timo Horn

Wachsam: Timo Horn will sich beim FC für die Nationalmannschaft empfehlen.

Wachsam: Timo Horn will sich beim FC für die Nationalmannschaft empfehlen.

Nach einer schwierigen Saison fühlt sich FC-Torhüter Timo Horn wieder in starker Form. Auf dem Weg ins Tor der Nationalmannschaft muss sich der Kölner gegen starke Konkurrenz beweisen.

Vor einem Jahr fehlte Timo Horn wegen seiner Olympiateilnahme beim Trainingslager in Kitzbühel. Über seine lange Verletzungspause, seine Chancen in der Nationalmannschaft und Vereinstreue sprach der Torwart des 1. FC Köln mit Joachim Schmidt.

Herr Horn, haben Sie hier Veränderungen festgestellt gegenüber dem Trainingslager von vor zwei Jahren?

Timo Horn: Nein. Im Hotel ist alles gleich geblieben. Es ist einem sehr vertraut, man findet sich schnell zurecht. Auch der Trainingsplatz ist unverändert gut. Warum fragen Sie?

Nun, im Vorjahr waren Sie ja nicht hier.

Horn: Das stimmt, da war ich bei der Vorbereitung auf das Olympia-Turnier. Da stand ich nur mit Hilfe des Handys in Kontakt zu den Kollegen hier.

Was ist von Olympia für Sie geblieben?

Horn: Zuerst der olympische Gedanke, dabei zu sein. Gerade für uns Fußballer ist das schon etwas ganz Besonderes. Denn wir haben ja im Gegensatz zu den anderen Sportlern die Altersgrenze von 23 Jahren. Man kann also eigentlich nur einmal dabei sein. Leider hatten wir nicht das Glück, für längere Zeit im Olympischen Dorf zu wohnen, weil wir erst zum Endspiel nach Rio gekommen sind. Aber es waren großartige Eindrücke, weil wir eine aus vielen Clubs zusammengewürfelte Mannschaft waren, die bis ins Finale gekommen und dort erst den Gastgebern mit namhaften Spielern knapp unterlegen ist. Wir sind über uns hinausgewachsen.

Wo ist die Silbermedaille heute?

Horn: Das will ich nicht genau verraten. Am Ende kommt sie noch weg – wie unsere Fußballschuhe (dazu oben stehender Bericht). Aber sie hat einen Ehrenplatz bekommen. Die möchte ich meinen Kindern noch zeigen.

In welcher Weise hat Ihnen die Olympiateilnahme auf dem Weg zur A-Nationalmannschaft, die Ihr Ziel ist, geholfen?

Horn: Ich glaube, dass jedes Turnier, an dem man für den Deutschen Fußball-Bund teilnimmt, einem hilft. Da kann man sich empfehlen, da schauen Andreas Köpke als Bundestorwarttrainer und Bundestrainer Joachim Löw schon genau hin. Und mir persönlich hat es natürlich auch einen zusätzlichen Schub gegeben. Letztlich muss man aber Woche für Woche Leistung bringen in der Bundesliga, das zählt – und demnächst natürlich die Europapokalspiele. Da muss man sich immer wieder beweisen, sich in den Fokus spielen, sich anbieten. Dann wird man vielleicht einmal zur A-Mannschaft eingeladen.

Andreas Köpke hat einmalgesagt, nur wer im Verein internationale Spiele vorweisen kann, besitze eine Chance bei ihm. Ist das wirklich erforderlich?

Horn: In der Bundesliga haben wir schon höchstes Niveau. Aber in anderen Ländern wird zum Teil taktisch und technisch ein anderer Fußball gespielt. Deshalb ist es schon wichtig, diese Erfahrungen zu sammeln, um sein Spiel dem anpassen zu können.

Und dann ist in Deutschland die Konkurrenz auf der Torhüterposition extrem groß.

Horn: Das stimmt. Hinter Manuel Neuer spielt Marc-André ter Stegen beim FC Barcelona, Kevin Trapp bei Paris Saint Germain, Bernd Leno hat mit Leverkusen viele Champions-League-Spiele bestritten. Da war es schwer zu rechtfertigen, einen Torwart vom 1. FC Köln zu nehmen, der nicht international spielte. Deshalb habe ich immer versucht geduldig zu bleiben, auch wenn das nicht die größte Stärke von mir ist. Es bleibt mir nichts anderes übrig. Ich weiß, dass ich beobachtet werde und muss weiter an mir arbeiten.

Welche Auswirkungen hatte die fünfmonatige Zwangspause wegen einer Knieoperation?

Horn: Man muss lernen, damit umzugehen. Das sind Momente, die einem im Leben nach vorne bringen können. Umso mehr schätzt man es, danach wieder mit den Jungs trainieren zu dürfen.

Haben Sie in dieser Zeit nicht gelitten?

Horn: Das Schlimmste war für mich, zum Geißbockheim zu fahren, aber alleine das individuelle Programm absolvieren zu müssen. Das nagt an einem, vor allem, wenn man nicht so geduldig ist. Aber die Ärzte und Physiotherapeuten haben mich erfolgreich gebremst. Jetzt ist alles gut. Ich fühle mich in der Form wie vor einem Jahr nach Olympia.

Damals hätten Sie wechseln können, gab es konkrete Angebote. Sie sind geblieben, weil Sie den Weg des 1. FC Köln seit dem Neuaufbau 2012 mitgegangen sind und ihn noch nicht für beendet halten.

Horn: Das stimmt, und eine Europapokalteilnahme sollte dazugehören. Aber so, wie es gekommen ist, hatte ich es mir nicht ausgemalt. Am Ende hatten wir mit Platz sechs oder sieben geliebäugelt, nicht aber mit der direkten Qualifikation. Das war eine ganz spezielle Geschichte. Meine Vertragsverlängerung im Vorjahr war aber unabhängig von diesem damals nicht zu erwartenden Erfolg. Ich hätte nicht den Verein gewechselt, um international zu spielen, um dadurch in der Nationalmannschaft voran zu kommen. Das hätte ich nie gemacht. Das kann nicht das entscheidende Argument sein.

Was hat Sie dazu bewogen, dem FC treu zu bleiben?

Horn: Wichtig ist, dass man sich in der Stadt und im Club wohl fühlt. Dass wir es mit dem FC geschafft haben, bewerte ich viel höher, als hätte ich es bei einem anderen Club geschafft. Das ist mein Verein, ich bin ein Teil des Erfolgs. Das macht mich sehr stolz. Es ist für mich immer noch nicht zu realisieren. Vielleicht dauert es noch Jahre.