Nach Niederlage in Paderborn

FC-Trainer Markus Anfang arbeitet auf Bewährung

Eine Auswechselung mit Folgen: Markus Anfang nahm Rafael Czichos vom Feld. Die Stabilität in der FC-Abwehr ging verloren.

Eine Auswechselung mit Folgen: Markus Anfang nahm Rafael Czichos vom Feld. Die Stabilität in der FC-Abwehr ging verloren.

Köln. Nach der 2:3-Pleite des 1. FC Köln in Paderborn zählt Sportchef Armin Veh den Trainer an. In der FC-Defensive herrschte in der Schlussphase das Chaos.

Markus Anfang ließ seinem Frust noch am Ort des Versagens freien Lauf. Der Trainer des 1. FC Köln stauchte seine Mannschaft nach der unglaublichen 2:3-Niederlage am Freitagabend beim SC Paderborn im obligatorischen Spielerkreis auf dem Rasen der Benteler-Arena erst einmal ordentlich zusammen. Sein direkter Vorgesetzter benötigte dagegen eine ganze Nacht, bis sich das in ihm brodelnde Gewitter, das in Ostwestfalen aufgezogen war, entlud. Als Sportchef Armin Veh dann am Samstag nach einer 70-minütigen Kabinensitzung mit der Mannschaft vor die Öffentlichkeit trat, wurde eines schnell klar. Die Schonfrist für Markus Anfang ist mit der schon sechsten Saisonniederlage des Fußball-Zweitligisten abgelaufen. Der Coach dürfte in dieser Woche vor dem Heimspiel am Samstag (13 Uhr) gegen den SV Sandhausen nur noch auf Bewährung arbeiten.

„Natürlich kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn man so ein Spiel verliert. Von den letzten vier Spielen haben wir drei verloren. Das ist eindeutig zu viel. Das können wir uns nicht leisten“, zählte Veh seine Angestellten deutlich an. „Wir haben das Spiel in Paderborn 75 Minuten im Griff gehabt, dann aber die Souveränität vermissen lassen, die notwendig ist, um ganz oben dabei zu sein. Stattdessen haben wir immer wieder Aussetzer.“

Unheil nahm seinen Lauf

Dem ehemaligen Meistertrainer hatte der denkwürdige Abend von Paderborn mächtig aufs Gemüt geschlagen. Nach einer soliden Vorstellung, einer verdienten 1:0-Halbzeitführung durch das elfte Saisontor von Jhon Cordoba(38.) und dem märchenhaft, kitschigen Comeback von Anthony Modeste mit dem Tor zum 2:0 nur 234 Sekunden nach seiner Einwechslung (73.) sprach alles für die erste Heimniederlage der Paderborner in dieser Saison.

Mit der Auswechslung von Rafael Czichos nahm das Unheil aber seinen Lauf. Markus Anfang hatte in der intensiv geführten Partie mit vielen Gelben Karten das Gefühl entwickelt, dass neben den verwarnten Simon Terodde und Florian Kainz auch Czichos Gelb-Rot gefährdet war. Der Innenverteidiger hatte bereits in der ersten Hälfte seine fünfte Gelbe Karte gesehen. Im Gegensatz zu Benno Schmitz, den Anfang völlig zu Recht nach Verwarnung und schwacher Leistung in der Pause vom Feld nahm, geriet Czichos aber nicht in Bedrängnis.

Im Gegenteil: Dem Ex-Kieler war es mit zu verdanken, dass die permanent nach vorne rennenden, nie aufgebenden Gastgeber in der zweiten Hälfte nur eine Torchance verzeichneten. Markus Anfang aber ersetzte Czichos durch Frederik Sörensen. Der zum Notnagel abgestempelte Däne entpuppte sich sofort als Unsicherheitsfaktor und verschuldete den Freistoß vor dem 1:2 von Tekpetey (80.). „Der Trainer hat die Entscheidung getroffen. Im Nachhinein war sie nicht richtig“, kritisierte Armin Veh.

Chaos in der FC-Defensive

In der FC-Defensive herrschte jedenfalls fortan das Chaos, gespickt mit individuellen Patzern. Ein krasser Stellungsfehler von Cordoba begünstigte das 1:2. Beim 2:2 von Kai Pröger (86.) ließ Dominick Drexler Paderborns Winterzugang von RW Essen (Regionalliga) ungehindert sein viertes Tor im vierten Spiel in Folge erzielen. Und beim Siegtreffer von Marlon Ritter (90.+2) unterlief erst Modeste ein Ballverlust, ehe Johannes Geis und Sörensen dem Ex-Gladbacher bei seinem Schuss aus 20 Metern nur zuschauten. Auch Timo Horn machte beim 2:3 eine schlechte Figur. Nicht der erste Fehler des FC-Torwarts, der in der Winterpause noch öffentlich mit einer Berufung in der Nationalmannschaft kokettiert hatte.

Anfang wirkte am Schluss völlig niedergeschlagen und hatte Tränen in den Augen. Der 44-Jährige steht mit drei Niederlagen aus vier Rückrundenspielen im Kreuzfeuer der Kritik. „Am Ende zählt das Ergebnis. Dementsprechend ist es wichtig, dass wir unsere PS 90 plus X Minuten auf den Platz bringen. Das ist unser Anspruch“, erklärte Armin Veh unmissverständlich. Dann richtete er ebenso klar eine Forderung an Markus Anfang. „Nach dieser Niederlage ist der Aufstieg gefährdet. Das Trainerteam ist jetzt gefragt, Lösungen zu finden.“