1. FC Köln

FC-Trainer Anfang begründet Taktikänderung

Köln. Entkräftete FC-Profis wollten beim 1:1 gegen den HSV, dass Abwehrspieler Lasse Sobiech für Stürmer Simon Terodde eingewechselt wird, um die zwischenzeitliche Führung zu sichern.

Hin und her gerissen war das heimische Publikum zwischen Enttäuschung und Entrüstung. Da hatte die eigene Mannschaft zunächst imposant aufgetrumpft, dann trotz nachlassender Spielkontrolle kaum Torschüsse zugelassen, um kurz vor Schluss doch noch den Sieg aus der Hand zu geben. Während Kölns enthusiastische Fans auf der Südtribüne zumeist ernüchtert, aber ruhig aufs Spielfeld blickten, schrillten vor allem von der Haupttribüne Pfiffe auf die Spieler herab.

„Da dachte ich, wir sind Fünfter und sieben Punkte hinter dem dritten Platz. Ein Wahnsinn“, verstand Rafael Czichos die Welt nicht mehr. Auch sein Trainer war verwundert, wenngleich er am Tag nach dem Spitzenspiel meinte, dass es normal sei, dass die eigenen Fans enttäuscht seien. „Aber man darf die Gesamtsituation nicht vergessen. Da sind wir fünf Spieltage vor Schluss zehn Punkte vor dem Dritten. Wir haben im Schnitt mehr als zwei Punkte pro Spiel gewonnen, haben 75 Tore geschossen und besitzen ein Torverhältnis von plus 39. Wir spielen doch keine schlechte Saison!“

Allerdings zeigte sich, dass die Kräfte bei so manchem FC-Profi nachlassen. Ab Mitte der zweiten Halbzeit habe sich der Kräfteverschleiß bei ihm und einigen Kollegen gezeigt, gab Marco Höger zu. Da sei man „auf dem Zahnfleisch gegangen“. Deshalb müsse man mit dem einen Punkt gegen den HSV zufrieden sein.

Dominick Drexler, der mit seinem neunten Saisontreffer den FC nach einem Eckball von Johannes Geis und einer Kopfballverlängerung von Höger in Führung gebracht hatte, meinte, dass die dritte Englische Woche „einen auffrist“. Er habe auch den Kraftverlust gespürt, forderte aber, dass man über den inneren Schweinehund hinweggehen müsse.

Andererseits waren es die Kölner Spieler, die ihren Trainer zu personellen Umstellungen veranlassten. Der lobte am Dienstag noch einmal, wie gut seine Mannschaft in der ersten Halbzeit nach vorne verteidigt habe. Nach der Pause sei man dann zu passiv geworden. Für Höger eine Auswirkung der Erschöpfung. Die Folge sei gewesen, so Drexler, „dass wir keine Entlastung mehr über außen und zu viel Platz in den Zwischenräumen hatten. Wir haben uns im Mittelfeld Blutblasen gelaufen, waren aber viel zu passiv“.

Deshalb hielt er Zwiesprache mit dem Trainer. „Die Jungs sagten, dass sie nicht mehr aktiv verteidigen könnten. Deshalb haben wir mit Lasse Sobiech einen Abwehrspieler für Stürmer Simon Terodde gebracht, um Höger aus der Abwehr ins Mittelfeld vorzuziehen. So konnten wir die Lücken schließen und hofften auf Konteraktionen durch Tony (Anthony Modeste/Anm. d. Red.)“, beschrieb Trainer Markus Anfang, um dann möglichen Kritikern dieser Taktik mit einem Augenzwinkern entgegenzuhalten: „Es muss ja alles Sinn machen. Aber es ist auch klar, dass viele das nicht nachvollziehen können. Deshalb gibt es ja auch nicht so viele Trainer.“

Der eingewechselte Anthony Modeste kam tatsächlich in eine gute Konteraktion (84.), ging aber im Laufduell mit Hamburgs Rick van Drongelen im Strafraum zu Boden. Schiedsrichter Robert Hartmann hätte auf Strafstoß entscheiden können, aber nicht zwangsläufig. Aus dem Gegenzug heraus kam der HSV zu einem Eckball, in dessen Folge Manuel Wintzheimer der Ausgleich gelang.

Während Anfang dem Unparteiischen wegen des ausgebliebenen Elfmeterpfiffs keinen Vorwurf machen wollte, hielt er ihm einen nicht ausgesprochenen Platzverweis vor. In der 62. Minute beging Gideon Jung ein taktisches Foul. Der Schiedsrichter gab den Kölnern auch den Freistoß, dem Hamburger aber zeigte er nicht wie vorgeschrieben die Gelbe Karte. Es wäre für den Mittelfeldspieler die zweite und damit Gelb-Rot gewesen.

„Wie man das so bewerten kann, ist mir ein Rätsel“, wunderte sich Kölns Sportchef Armin Veh noch lange nach dem Abpfiff, um dann hinzuzufügen: „In der Schule würde man sagen: Sechs, setzen!“

Mit der eigenen Mannschaft ging der frühere Meistertrainer nicht so hart ins Gericht, wenngleich auch er beklagte, dass man nach der Pause keinen Zugriff mehr auf die Hamburger bekommen habe. „Am Sonntag in Dresden sollten wir über die gesamten 90 Minuten so Fußball spielen wie gegen den HSV in der ersten Halbzeit.“