FC-Trainingslager in Kitzbühel

FC-Spieler Milos Jojic: Schlaue Bücher und ein bisschen Yoga

Bücher durften für FC-Spieler Milos Jojic auch im Trainingslager in Kitzbühel nicht fehlen.

Bücher durften für FC-Spieler Milos Jojic auch im Trainingslager in Kitzbühel nicht fehlen.

Köln. Eineinhalb Jahre hat Milos Jojic benötigt, um als Stammkraft beim 1. FC Köln sein fußballerisches Können zu zeigen. Der Weg dorthin hat den 25-jährigen Serben verwandelt.

Herr Jojic, ich habe gehört, Sie lesen viel.

Milos Jojic: Das stimmt, durch meine Mutter. Früher habe ich Romane gelesen, dann Erzählungen von Paulo Coelho. Da habe ich erkannt, dass sie für mein Leben hilfreich sein können. Am interessantesten fand ich „Die Schriften von Accra“. Da gibt ein Fremder den Einwohnern von Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge Antworten auf einfache, aber wichtige Fragen des Lebens.

Lesen bildet bekanntlich. Mit welchen Büchern tun Sie es heute?

Jojic: Mit Büchern über Psychologie, schon seit etwa zwei Jahren.

Ein schwieriges Thema.

Jojic: Aber sehr interessant.

Wenn Sie kein Fußballprofi geworden wären, hätten Sie dann Psychologie studiert?

Jojic: Wohl eher nicht. Die Psychologie interessiert mich erst seit einiger Zeit. Zu meiner Schulzeit wollte ich Medizin studieren, dann wurde es Maschinenbau. Hier ins Trainingslager habe ich ein Buch mitgenommen, das sich mit Psychologie befasst. Ein dickes Buch mit ungefähr 1000 Seiten. Die Hälfte habe ich geschafft.

Worum geht es?

Jojic: Beispielsweise darum, dass eine Situation beschrieben wird, die man aus vielen Ansichten beschreiben kann. Man liest drei Mal das Gleiche, kann aber zu drei verschiedenen Schlussfolgerungen kommen.

Seit dem letztjährigen Trainingslager in Kitzbühel haben Sie sich äußerlich erkennbar verändert: Sie sind schmaler geworden.

Jojic: Wenn Sie das sagen. Aber ja, es stimmt. In Absprache mit den Trainern und unseren Medizinern habe ich gefragt, was ich ändern muss. Das Abbauen von Muskelmasse war ein Teil davon. Ich habe viel gearbeitet, um sieben Kilo zu verlieren.

Zu den Veränderungen gehört auch, dass Sie Yoga machen.

Jojic: Weil ich wieder beweglicher werden musste. Dafür ist Yoga perfekt. Im letzten November habe ich angefangen. Die Übungen erhielt ich von einer Yoga-Lehrerin, die für Partizan Belgrad arbeitet und die ich aus meiner Zeit dort kenne.

Wie oft machen Sie das?

Jojic: Nach jedem Training eine halbe Stunde in Form von Dehnübungen und Stretching für die Beweglichkeit. Das sind dann vier, fünf Übungen, allerdings nicht Yoga in der klassischen Form.

Und was haben Sie noch geändert?

Jojic: Vor etwa einem Jahr meine Ernährung. Ich verzichte seither auf Milchprodukte und Fleisch und esse weniger Süßigkeiten.

Was hat Sie dazu veranlasst?

Jojic: Das Lesen (lacht). Nein wirklich, ich habe ein Buch über alternative Ernährung gelesen. Das fand ich interessant und habe Kontakt zum Autor aufgenommen. Der berät mich seither und stellt mir Ernährungspläne auf.

Yoga und eine andere Ernährung allein sorgen aber nicht für die Leistungssteigerung, die Sie in der Rückrunde gezeigt haben. Was war es noch?

Jojic: (lacht) Da müssen Sie den Trainer fragen.

Der sagt, dass Sie sich durch das Training angeboten hätten.

Jojic: Ja, ich habe mich immer angeboten, war aber auch geduldig und habe auf meine Chance gewartet und sie dann genutzt.

Das hat eineinhalb Jahre lang gedauert. Wie haben Sie das ausgehalten?

Jojic: Ich glaube, das ist eine Charakterfrage.

Dann besitzen Sie einen willensstarken Charakter.

Jojic: (lächelt) Das kann man vielleicht so sagen. Ich habe immer gewusst, was ich kann. Und ich habe nie mein Selbstvertrauen verloren.

Wie groß war die Last, die auf Ihnen lag?

Jojic: Es war ein großer Druck. Aber ich war auch bereit, weil ich fühlte, dass Gott mich unterstützt. Viele Dinge kommen von ihm.

Jetzt geht es für Sie wie für fast alle Kollegen wieder bei null los.

Jojic: So ist das im Fußball. Man muss immer einhundert Prozent geben und immer um seinen Platz kämpfen. Die das am besten machen, die spielen. Da möchte ich dabei sein, um mich auch wieder für die Nationalmannschaft anzubieten. Dort wieder zu spielen, ist ein anderes großes Ziel.