Kölner Anhänger auf Reisen

FC-Fans feiern Europapokal-Rückkehr in London

London. Die Vorfreude ist groß. Nach 25 Jahren betritt der 1. FC Köln wieder die europäische Fußballbühne und vermutlich mehr als 10.000 wollen dabei sein. Viele haben kein Ticket. Sie werden die Londoner Pubs besuchen und das Spiel dort verfolgen.

10.000 Menschen in Rot und Weiß, zu lauten, kölschen Klängen erinnern unweigerlich an den Kölner Karneval. In London sorgt das Schauspiel für Unbehagen bei den Anwohnern. Geschäfte schließen, Passanten biegen sicherheitshalber in die kleinen Nebenstraßen ab. Dabei verläuft der Fanmarsch der FC-Anhänger bis dato friedlich. Getreu dem Höhner-Song „Wo mir sin is Kölle“ verwandeln die Kölner Fans die britische Hauptstadt in eine rheinische Metropole.

Ein Vierteljahrhundert haben die Geißböcke darauf gewartet, wieder international zu spielen. Am Donnerstagabend ist es mit dem Auftritt beim FC Arsenal soweit. Und obwohl das FC-Fanlager gerade einmal 2900 der rund 59.000 Tickets zugeteilt bekommen hat, machten sich die rund 10.000 Fans auf den Weg vom Highbury Park zum Emirates  - bis zum frühen Abend friedlich. „Das erlebt man nur einmal im Leben“, sagt FC-Anhänger Christian Noel, der mit zwei Freunden in London ist. Rund

90 Minuten vor dem Spiel kommt es dann doch zu einem Zwischenfall. Rund 100 Kölner Chaoten versuchen auch ohne Ticket ins Stadion zu gelangen. Die Polizei verhindert Schlimmeres, führt laut Medienberichten mehrere Menschen ab. Das Spiel wird daher voraussichtlich eine Stunde später angepfiffen.

Angenehme Ruhe am Nachmittag

Am frühen Nachmittag ist es rund um das Stadion noch angenehm ruhig. Das Emirates befindet sich zwischen typischen britischen Reihenhäusern im Stadtteil Holloway. Vereinzelt haben sich FC-Fans bereits hier hin verschlagen, manche in der vergeblichen Hoffnung, doch noch ein Ticket abzustauben. Ein leichter Fleischgeruch liegt in der Luft. Ein Brite hat einen Vorgarten in eine Grillbude verwandelt. Unter dem roten Zeltdach sammelt sich der Qualm von Burgern und Frankfurtern.

Bei jedem Heimspiel von Arsenal steht er an dieser Stelle. „Den Vorgarten habe ich gemietet“, erklärt er, während er sich seinen üppigen Vollbart krault. „Ich habe keine Ahnung, gegen wen Arsenal spielt, ich interessiere mich gar nicht für Fußball. Mir geht es nur ums Geld“, gibt er lächelnd zu. Taxifahrer George kennt sich deutlich besser aus. Er ist Anhänger der Gunners, muss an diesem Abend aber arbeiten. "Lukas Podolski ist Kölner", sagt er stolz. Von der aktuellen Mannschaft kennt er keinen mehr. "Warum auch? Das ist eh nur Kanonenfutter". 

Erinnerungen statt Punkte

Nur wenige Meter vom Stadion entfernt decken sich FC-Anhänger im Merchandising-Shop der Gunners ein. Mit Souvenirs des FC Arsenal. „Wenn wir schon keine Punkte mitnehmen, können wir wenigstens Erinnerungen mitnehmen“, sagt sie. Nicht überall dominiert der Pessimismus: Im Gegenteil. Obwohl es eine offizielle Warnung der britischen Polizei gab, FC-Fans mit Heimblock-Karten gnadenlos des Feldes zu verweisen, gibt es Hunderte Anhänger, die dennoch weder Mühen noch Kosten gescheut haben.

„Wir haben über einen Freund meines Vaters zwei Tickets über dem Kölner Block bekommen“, so Noel, der sich Sorgen macht, das Spiel  nicht ganz zu erleben. „Klar, es gab ja klare Ansagen. Aber, wenn ich nicht gehen würde, würde ich mich ärgern.“ Das FC-Trikot hat er sicherheitshalber im Schrank gelassen, den Schal aber dabei. Er will ihn notfalls unter dem Pulli verstecken. Am frühen Morgen hat sich der 25-Jährige mit zwei Freunden mit dem Auto auf den Weg gemacht, nach gut zehn Stunden sind sie eingetroffen. Alles für den FC.

Treffen am Piccadily Circus und Trafalgar Square

Nach und nach treffen die Kölner Anhänger in London ein. Beliebte Treffpunkte sind der Piccadilly Circus, aber auch der Trafalgar Square. Dort kommen Jörg und Stephan an. Die beiden FC-Fans  haben sich am Samstag auf die Reise gemacht. Mit dem Fahrrad. „Ich spüre meine Muskeln nicht mehr“, sagt Stephan. „Aber für den FC ist es mir das Wert.“ Dabei hat die Reise noch einen kleinen Haken. „Wir treffen uns hier mit unserem Fan-Club“, sagt Jörg. „Ein Teil hat Tickets, wir nicht. Dann müssen wir das Spiel wohl in einem Pub schauen.“

Auch das ist in London kein Problem. Zum Beispiel im Pub „Zeitgeist“ – ein weiterer Anlaufpunkt der FC-Fans. Kein Wunder: Hier wird Kölsch vom Fass gezapft. Sowohl Besitzer als auch Manager sind Kölner. Standesgemäß haben sie den Pub um 11.11 Uhr geöffnet. Mehr als 1000 Fans werden an diesem Abend erwartet."Hurra, hurra, die Kölner, die sind da!" Vor der Abreise in die britische Hauptstadt haben sie noch die Kölner Sparkassen von ihren Pfundreserven befreit. Jetzt sind sie da und beschenken London zumindest für einen Tag mit FC-Schals, -Fahnen und Geißbockkostümen. Die große FC-Party kann steigen.