Bundesliga-Abstiegskampf

Endzeitstimmung beim 1. FC Köln nach erneuter Niederlage

Trostspender: Doppel-Torschütze Mario Gomez hat Mitleid mit FC-Torhüter Timo Horn.

Trostspender: Doppel-Torschütze Mario Gomez hat Mitleid mit FC-Torhüter Timo Horn.

KÖLN. Nach dem 2:3 gegen den VfB Stuttgart bestimmte auch noch weit nach Spielende Fassungslosigkeit die Stimmungslage bei den Kölnern. Dabei stimmte die spielerische Leistung.

„Und es wird wohl ein, zwei Tage andauern, bis wir das verdaut haben“, gestand Torwart Timo Horn nach der 2:3-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart. Selten zuvor in dieser Spielzeit hat man in der Bundesliga eine von den Hausherren so überlegen geführte erste Spielhälfte erlebt, an deren Ende sie aber mit einem 1:2-Rückstand wie ein angeschlagener Boxer in ihre Kabine wankten. „Wir haben da gesessen und nicht gewusst, was passiert war“, sagte Offensivspieler Marcel Risse.

„Da ist das Spiel auf den Kopf gestellt worden“, wunderte sich FC-Trainer Stefan Ruthenbeck. Denn nach der schnellen Führung in der siebten Spielminute durch das Tor von Claudio Pizarro spielte vor den 50.000 Zuschauern nur eine Mannschaft, die der Gastgeber. „Die Stuttgarter waren doch gar nicht existent. Wir hätten nur das 2:0 machen müssen“, konnte es auch Geschäftsführer Alexander Wehrle nicht fassen.

Beste Chancen waren ausgelassen worden. Entweder der aus der Jugend des FC hervorgegangene VfB-Torwart Ron-Robert Zieler stand im Weg oder die teils wie berauscht kreiselnden Kölner vergaben. Zudem versagte der Video-Assistent einem Treffer von Yuya Osako wegen Behinderung des Torhüters zu Recht die Anerkennung.

Chancen auf Relegationsplatz sinken

Wie aus dem Nichts fanden sich die Stuttgarter in der letzten Spielminute des ersten Durchgangs plötzlich in Strafraumhöhe der Kölner. Marco Höger schien die Situation bereits bereinigt zu haben, trat aber nach der Balleroberung in den Boden, statt das Spielgerät nach vorne zu schießen. Der Ball landete bei Mario Gomez, der eiskalt zum Ausgleich traf. In der Nachspielzeit schnürte der Nationalstürmer dann den Doppelpack, wobei Timo Horn der verspringende Ball durch die Hände rutschte. Ähnlich schlecht sah der FC-Torwart beim 1:3 durch Andreas Beck in der 57. Minute aus, als er zu spät nach unten tauchte.

„Eigentlich waren wir klar besser, verlieren aber durch so individuelle Fehler. Das waren Nackenschläge. Es wäre für mich nicht so brutal, wenn wir nicht in dieser Situation stecken würden“, gestand der Schlussmann. So aber werden die Möglichkeiten auf das Erreichen des Relegationsplatzes mit jedem gespielten Spiel geringer. „Wenn wir noch so etwas wie eine Chance bekommen sollten, müssen wir zuschlagen“, sprach der glücklose Torhüter schon in einer Weise, die Endzeitstimmung hinsichtlich des Klassenerhalts beinhaltete.

Dabei bemühten sich die Kölner selbst nach dem 1:3-Rückstand redlich, gaben sich nicht auf. Zwar boten sie nicht mehr den Zauberfußball der ersten 40 Minuten, als Vincent Koziello wunderbare Aktionen zeigte und das Offensivspiel aus dem Zentrum heraus bereicherte, doch kamen sie weiterhin zu guten Torchancen. Zieler wehrte gegen Koziello mit einer Glanztat ab (59.). Wiederholt kam auch der letzte Pass zu freistehenden Kölnern nicht ans Ziel. Einen fein gezirkelten Freistoß setzte der kurz zuvor eingewechselte Milos Jojic in der 86. Minute zum 2:3 in die Maschen des VfB-Tores, doch das war es dann auch.

So gab es am Ende nur Trost von den Siegern, der bitter schmeckte. „So wie die Kölner in der ersten Halbzeit gespielt haben, war das ganz stark. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass wir mit einer Führung in die Halbzeit gehen würden. Aber Mario Gomez ist eben Mario Gomez“, meinte der aus Frechen stammende VfB-Sportchef Michael Reschke, der dem Ruthenbeck-Team aufmunternde Worte mit auf den weiteren Weg gab: „Ich wünsche der Mannschaft, dass sie diesen herben Rückschlag verkraftet. Angesichts dieser spielerischen Leistung kann sie die Relegation immer noch erreichen.“