Wichtiges Heimspiel gegen Dresden

Druck auf Kölns Trainer Markus Anfang wächst

Nachdenklich und fokussiert: FC-Trainer Markus Anfang stellte sich der Kritik.

Nachdenklich und fokussiert: FC-Trainer Markus Anfang stellte sich der Kritik.

Köln. Nach fünf sieglosen Pflichtspielen des 1. FC Köln steht Coach Markus Anfang im Zentrum der Kritik. Im Heimspiel gegen Dynamo Dresden braucht er deshalb dringend einen Sieg - sonst droht die Entlassung.

Seit fünf Pflichtspielen ohne Sieg, die „Nicht-Leistung“ beim 0:1 in Hamburg und viele, viele Fragezeichen: Nach nur zwölf Spieltagen in der 2. Fußball-Bundesliga und vor dem ausverkauften Heimspiel am Samstag (13 Uhr, Rheinenergiestadion) gegen Dynamo Dresden steckt der 1. FC Köln in einer sportlichen Krise. Im Fokus der Kritik steht Markus Anfang. Der vom neuen Trainer angestoßene Prozess beim FC hat gestoppt und den Rückwärtsgang eingelegt. Anfang braucht gegen Dresden einen Sieg und eine überzeugende Leistung seiner Elf. Sonst greifen die üblichen Mechanismen der Branche. Zumal kommende Woche die letzte Länderspielpause des Jahres ansteht.

Die bislang eher verhaltene Kritik an Anfang hat nach dem fragwürdigen Auftritt im Topspiel gegen den HSV öffentlich Fahrt aufgenommen. Eine neue Situation für den 44-Jährigen, der er sich in dieser Woche zu stellen hatte. „Ich gehe so damit um, dass ich mich auf das Wesentliche konzentriere und was ich beeinflussen kann. Das Training, die Mannschaft, die Vorbereitung auf das nächste Spiel. Ich will selber jedes Spiel gewinnen und bin wahnsinnig ehrgeizig. Spiele zu verlieren, nagt an mir. Aber ich bleibe fokussiert und ambitioniert“, beschreibt der FC-Coach seine aktuelle Gemütsverfassung.

Anfang verweist aufs kölsche Grundgesetz

Für all jenes, was er meint nicht beeinflussen zu können, nahm sich der Ex-Profi am Donnerstag auf der Pressekonferenz das kölsche Grundgesetz zu Hilfe: „Wie sagt man in Köln? Et kütt wie et kütt.“ Recht hat er. „Kütt“ ein Sieg gegen Dynamo, werden die Kritiker wieder leiser werden, „kütt“ kein Sieg, dürfte Anfang „fott“ sein. „So viele Kölner sind heute nicht hier, oder? Meine Oma hat immer gesagt: De Zick, die kütt, et Vüjelchen fleut. Hat auch keiner verstanden?“, fragte der gebürtige Kölner in die Runde der Medienvertreter.

Das anschließende Schweigen kommentierte er mit einem Anflug von verzweifelter Ironie: „Jetzt biste schon in Köln und dann versteht dich keiner.“ Möglicherweise ist genau das der Kern des Problems. Oder pfeifen die Spatzen Anfangs Ende schon von den Dächern? Bleibt wohl nur noch das kölsche Prinzip der unerschütterlichen Hoffnung, das jeder versteht: „Et hätt noch immer jot jejange.“

Für den Trainer und sein Team soll es zunächst einmal gegen kompakt stehende und konterstarke Dresdener „gut gehen“. Dynamo rangiert nur noch drei Zähler hinter dem FC und kann den großen Aufstiegsfavoriten mit einem Sieg überholen. Anfang und seine Spieler wollen dies natürlich verhindern. Sie haben das 0:1 von Montag gemeinsam analysiert, die wichtigsten Themen besprochen und entsprechend trainiert. „Die Themen bleiben aber intern“, erklärte der Coach knapp.

Nicht vom eingeschlagenen Weg abrücken

Seine eigene Fehleranalyse dürfte Anfang zu denken gegeben haben: „Das waren Basisfehler in der Ballan- und -mitnahme sowie in der Ballsicherung.“ Grundkenntnisse des Fußballs also, die jeder Profi im Schlaf abrufen können sollte. Es sei denn, er ist stark verunsichert oder hat den Glauben an Spielsystem, Spielidee und die Umsetzung verloren. Anfang hat bei „seinen Jungs“ keine Verunsicherung feststellen können. „Sie sind eher unzufrieden, weil sie wissen, dass sie es besser können“, berichtet er über seinen mit Erstligaspielern gespickten Zweitliga-Kader.

Von seinem eingeschlagenen Weg will er auch deshalb nicht abrücken. Bedingungslosigkeit, die aber keine Beratungsresistenz beinhalten würde: „Im Gegenteil. Den einen oder anderen Rat anzunehmen, ist für die Entwicklung zwingend notwendig“, sagte er. Steine, die sich in den Weg legen, müssten weggeräumt werden: „Das sind die Phasen, in denen man am meisten darüber lernt, wie man mit etwas umgeht, etwas verbessert und sich treu bleibt.“ Die Antworten liegen im Fußball aber wie immer auf dem Platz – für den FC also am Samstag in Müngersdorf.