Mögliche Wintertransfers

Der 1. FC Köln verfällt nicht in Aktionismus

KÖLN. Was passiert noch beim 1. FC Köln in der Winterpause? Spielerkäufe sind ungewiss, Abgänge möglich. Ein Wechselkandidat: Konstantin Rausch, der bei der WM für Russland spielen will.

Noch drei Wochen ist die Transferliste geöffnet, können die Bundesligisten Spieler kaufen und verkaufen. Bislang war das Wechselgeschäft ausgesprochen ruhig. Nur rund 26 Millionen Euro wurden für Verpflichtungen ausgegeben. Allein die Hälfte davon überweist der FC Bayern für Sandro Wagner an die TSG Hoffenheim. Auch beim 1. FC Köln hält man sich mit Spielerkäufen zurück.

„Das Wintergeschäft ist schwierig. Da sollte man sehr vorsichtig sein und genau schauen, ob es Sinn macht und passt“, ist die Meinung von Armin Veh. Gepasst hat es aus seiner Sicht bislang einmal mit der Verpflichtung von Simon Terodde. Der Stürmer hat seine Qualitäten sowohl im Erzielen von Toren als auch mit seinem kämpferischen Spiel unter Beweis gestellt.

Vor allem in der 2. Liga war er für seine Clubs ein echter Torjäger. Sollte der FC also wieder den Gang ins deutsche Fußball-Unterhaus antreten müssen – was angesichts der nur sechs Punkte realistisch ist – hätte man mit dem 29-Jährigen jenen Stürmer, der in diesem Umfeld bislang ein Torgarant war. Darüber hinaus macht es die ungewisse sportliche Situation für die Kölner Verantwortlichen schwierig, Personalplanungen zu betreiben. Sie können nur zweigleisig geschehen.

Kein Aktionismus

Die finanziellen Möglichkeiten würden es erlauben, nach dem geschätzt rund drei Millionen Euro teuren Simon Terodde einen oder zwei weitere Spieler zu verpflichten. „Aber es muss schon passen“, unterstreicht Finanzchef Alexander Wehrle die Aussagen von Sportchef Armin Veh. „Wenn sich etwas ergibt, könnten wir es machen, aber nicht um jeden Preis. Wir werden keinesfalls in Aktionismus verfallen.“

Was mögliche Abgänge anbelangt, so habe sich nach Aussage von Trainer Stefan Ruthenbeck noch kein Spieler gemeldet und um eine Freigabe gebeten. Sollte es dazu aber noch kommen, würde es ihn nicht überraschen. Denn der 45-Jährige will nicht ausschließen, dass sich noch Spieler melden, die wegen Nichtberücksichtigung in den ersten Rückrundenspielen einen Wechsel wünschen.

Möglicher Wechsel von Rausch

Beispielsweise wäre das bei Konstantin Rausch möglich. Mit 18 Einsätzen in den bisherigen 26 Pflichtspielen, meist über die gesamte Spielzeit, gehörte der 27-Jährige zu Kölns Stammkräften der Hinrunde. Doch auf seine Position als Linksverteidiger kehrt Nationalspieler Jonas Hector zurück. Zudem zeigte der sehr talentierte Jannes Horn (20) bei seinen sieben Einsätzen, davon einige als Linksverteidiger, in den letzten acht Saisonspielen sehr ordentliche Leistungen. Um aber seine Chance auf eine WM-Nominierung für die russische Nationalmannschaft aufrecht zu erhalten, will Rausch natürlich spielen, er kann sich eigentlich keine Bank- oder Tribünenplätze beim FC leisten.

Mit sechs Jahren war er mit seinen deutschstämmigen Eltern aus Sibirien nach Norddeutschland gekommen. Wegen seines Talents hatte er in fast allen deutschen Jugend- und Junioren-Auswahlmannschaften gespielt. A-Nationalspieler aber wurde er erst im vergangenen September – für Russland. Bei vier Einsätzen schürte er seine Chance, im Sommer in seinem Heimatland zum WM-Kader der Gastgeber zu gehören. „Es wäre eine große Ehre für mich, dort zu spielen“, sagte der Linksverteidiger.

Grenzen wurden überschritten

Zusätzlich erschwert wird die Situation in Köln für Rausch dadurch, dass er bei einer teils lautstarken Anzahl von Fans zur Zielscheibe hasserfüllter Kritik geworden ist. Obwohl er kämpferisch immer zu den Vorbildern gehört, kreiden sie ihm schwache Standards und Flanken an. In den sozialen Netzwerken ging der Hass gegen ihn so weit, dass man ihm Verletzungen wünschte.

„Da werden Grenzen überschritten. Man muss mich nicht mögen. Aber es muss schon sehr viel in jemandem vorgehen, damit er einem anderen Menschen wünscht, dass er sich die Beine bricht oder sich erhängt. Da muss schon sehr viel falsch laufen, wenn man bereit ist, solche Dinge von sich zu geben“, sagte Rausch gegen Ende der Hinrunde in einem Interview im Geißbockecho.