Möglicher neuer FC-Trainer

Das ist die Spielphilosophie von Markus Anfang

Der Öffentlichkeit vorgestellt wird Markus Anfang beim 1. FC Köln erst nach Abschluss der Saison. Die kann für ihn über die Meisterschaft hinaus gehen, wenn er mit Kiel in der Relegation spielt.

Der Öffentlichkeit vorgestellt wird Markus Anfang beim 1. FC Köln erst nach Abschluss der Saison. Die kann für ihn über die Meisterschaft hinaus gehen, wenn er mit Kiel in der Relegation spielt.

KÖLN. Trainer Markus Anfang steht vor der Vertragsunterschrift beim 1. FC Köln. Der frühere Profi hat viel gelernt vom heutigen Bundestrainer Joachim Löw.

Voraussichtlich an diesem Dienstag wird der 1. FC Köln die Verpflichtung von Markus Anfang (43) als neuem Trainer ab der kommenden Saison mitteilen. Erst vor zwei Jahren stieg er beim damaligen Drittligisten Holstein Kiel ins Profigeschäft ein, führte die „Störche“ im Vorjahr in die 2. Liga und befinden sich nun auf Kurs in die Bundesliga. Trotzdem wechselt er zum bevorstehenden Absteiger.

Gründe dafür gibt es einige. Die wichtigsten sind: Mit Kiel könnte sportlich kaum mehr erreicht werden; Köln ist einer der deutschen Kult-Clubs, bietet ein völlig anderes Potenzial und die Chance, längerfristig in der Bundesliga zu spielen; Köln ist seine Heimat.

Bereits im vergangenen November, als sich die Trennung von Peter Stöger abzeichnete, nahmen die FC-Verantwortlichen Kontakt zu Markus Anfang auf. Doch Kiels Präsident Steffen Schneekloth erklärte den bis Juni 2019 unter Vertrag stehenden Trainer selbst für zehn Millionen Euro als unverkäuflich. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert. Für rund eine Million Euro, wie aus Kiel zu hören ist, darf er nach der Saison zum FC. Die Zahlung erfolgt auch beim Bundesligaaufstieg, obwohl der 43-Jährige dann ablösefrei wäre, da er keinen Erstligavertrag bei Holstein Kiel besitzt.

Was für ein Trainertyp ist dieser Markus Anfang, der vor sechs Jahren noch den Grevenbroicher „Dorfverein“ – so nennt man sich selbst – SC Kapellen-Erft in der Oberliga Niederrhein und anschließend drei Jahre lang Junioren-Teams von Bayer 04 Leverkusen trainierte? „Ich kann ein Kumpeltyp, aber auch ein harter Hund sein. Ich wünsche mir eine Mischung aus Vater, Kumpel und autoritärem Trainer.“ Es sei wichtig, dass die Spieler einerseits mit ihm über alles sprechen könnten, andererseits er die Autorität besitzen müsse, um klare Vorgaben zu machen, die einzuhalten seien.

Dennoch solle es Spaß machen, bei ihm Fußball zu spielen. Viel gelernt habe er bei den Trainern Aleksandar Ristic bei Fortuna Düsseldorf, Kurt Jara und Joachim Löw beim FC Tirol in Innsbruck. Vor allem der heutige Bundestrainer habe ihn damals beeindruckt. Zwei Mal in Folge war man Meister geworden, dann kam Joachim Löw, als der Verein in schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte. Da habe er im menschlichen Bereich Großes geleistet und allen Problemen zum Trotz den Titel verteidigt.

Der Gegner möglichst weit weg vom Tor

Und wie sieht der Fußballstil von Markus Anfang aus? „Wir wollen immer den Ball haben, wollen versuchen, das Spiel zu dominieren“, lautet seine Herangehensweise. Deshalb sei es zunächst einmal wichtig zu agieren, statt auf den Kontrahenten zu reagieren. Zudem verlange er Mut. Und dann wäre da noch das, was der Trainer „Handlungsschnelligkeit“ nennt. Nicht nur hätten seine Spieler schnell auf Aktionen des Gegners zu reagieren, besser noch sollen sie vorausschauend handeln. „Wer ein Spiel lesen kann, braucht gar nicht so viel zu laufen, weil er immer gut steht“, ist seine Meinung.

Was die Defensive anbelangt, so möchte Markus Anfang, dass der Gegner möglichst weit weg vom eigenen Tor gehalten wird. Die Offensive versucht er über das Passspiel zu entwickeln. Man wolle möglichste viele Aktionen spielerisch lösen. Deshalb will Markus Anfang von den Kreativkräften auch Dribblings sehen. Wichtig sei dabei, dass Mitspieler ihnen für den Fall des Ballverlustes den Rücken frei halten.

In Kiel wählte der Trainer allerdings auch zunehmend lange Bälle, um das Mittelfeld zu überbrücken. Das habe damit zu tun, dass die Gegner sich zunehmend auf das Kombinationsspiel des Tabellendritten eingestellt hätten und früh attackieren würden. Da die Zuspiele häufig ankamen und zu Torattacken führten, gehört Kiel zu den Zweitligisten mit den meisten Toreerfolgen aus dem Spiel heraus. Mit 58 Treffern besitzt Holstein den erfolgreichsten Angriff, mit 37 Gegentoren eine der sichersten Abwehrreihen, die in fast jeder dritten Begegnung zu null spielte.