Erinnerungen an das Double 1977/78

Bonner Harmonie zeigt Film zum 1. FC Köln

Bonn. FC-Nostalgie in der Harmonie in Bonn-Endenich: Der Film "Das Double – Eine Zeitreise mit dem 1. FC Köln" ist am kommenden Dienstag auf der Großleinwand zu sehen.

Frank Steffan war 15, 16 Jahre alt, als er in der Kölner Radrennbahn eine Mannschaft spielen sah, die etwas hatte. Erfolg war es noch nicht, denn der 1. FC Köln landete in der Bundesliga meist auf Platz vier oder fünf in diesen Zeiten. Aber da wirbelten Spieler, deren Esprit die Fantasie beflügelte. Spieler wie Wolfgang Overath, Herbert Neumann und vor allem Heinz Flohe.

Einige Jahre später hatte die Realität die Fantasie eingeholt: Der FC wurde in der Saison 1977/78 Meister und Pokalsieger. 2017 machte Steffan aus dieser Geschichte einen Film. „Das Double – Eine Zeitreise mit dem 1. FC Köln“ wird am Dienstag nächster Woche (19.30 Uhr) auf einer Großleinwand in der Endenicher Harmonie gezeigt. Anschließend talken Protagonisten von damals wie Verteidiger Harald Konopka und Manager Karl-Heinz-Thielen, ehe die Filmmusik erstmals live gespielt wird. Komponist Dirk Schlömer musizierte früher in Rio Reisers Band „Ton Steine Scherben“.

Frank Steffan wandte sich dem FC nicht etwa zu, weil sich das so gehört in Köln. „Es hätte auch jede andere Mannschaft sein können“, sagt er. „Aber es wurde der FC, weil ich dort Spieler wie Overath und Flohe gesehen habe.“ Flohe personifiziert wahrscheinlich am ehesten, was der FC damals darstellte: eine Kreativzelle, die sich auch mal eine Auszeit nahm, um dann genialisch aus der Ergebniskrise emporzusteigen. „Spieler wie ihn gab’s ja damals eigentlich noch nicht“, findet Steffan. „Vielleicht hat er sogar einen wie Zinedine Zidane vorweggenommen.“

„Das Double“ ist jedoch weit mehr als eine Aneinanderreihung von Spiel-, Tor- und Jubelszenen. Der Film fängt den Zeitgeist ein und porträtiert Köln als deutsche Party- und Kunsthauptstadt der 70er. Der Fußball des FC passte irgendwie dazu. Dass viele Spieler sogar zu Fans des feinen Pinselstrichs wurden, hatte allerdings in Bonn seinen Ursprung.

Wolfgang Hörnke, damals Geschäftsführer in der renommierten Galerie Wünsche gegenüber dem Hotel Bristol, war mit einigen FC-Spielern befreundet und lotste sie immer wieder in die Bundeshauptstadt. Harald Konopka, fußballerisch eher dem Hammer zugetan, war bald Stammgast in Bonn und entwickelte sich zum Sammler. Andy Warhol, von Hermann Wünsche nach Deutschland geholt, porträtierte später Torwart Toni Schumacher. „Ein Stück deutsche Kunstgeschichte“, nennt der „Tünn“ das ganz unironisch im Film.

Auf dem 11mm-Fußballfilm-Festival wurde „Das Double“ 2018 in Berlin als beste internationale Produktion ausgezeichnet. Ein Ritterschlag für jemanden, der das Handwerk autodidaktisch gelernt hat. Steffan, heute 61, begann als Musikjournalist, ehe er 1982 den Verlag Edition Steffan gründete. Auf große Resonanz stieß er mit seinem Dokumentarfilm „Heinz Flohe – Der mit dem Ball tanzte“, der sich seit 2015 rund 11 000 Mal als DVD verkaufte. Auch im „Double“ wird deutlich, dass Flohe ein Künstler auf dem Platz war. Und wahrscheinlich wäre er das aussagekräftigere Motiv für Andy Warhol gewesen.

Die Geschichte endet am 29. April 1978 auf dem Rasen des Hamburger Volksparkstadions. Vor dem letzten Spieltag ist der FC punktgleich mit Borussia Mönchengladbach, hat aber das um zehn Treffer bessere Torverhältnis. Gladbach schießt Tor um Tor gegen Dortmund und gewinnt am Ende mit 12:0. Köln hingegen tut sich schwer und kommt erst in der Schlussphase zum deutlichen 5:0 gegen St. Pauli. Als Schiedsrichter Jürgen Walther abpfeift, stürmt der junge FC-Fan Jacki Nimmesgern (auch er kommt im Film zu Wort) auf den Platz, fällt Torwart Schumacher um den Hals und stammelt: „Toni, Meister!“ Seitdem hat beim FC nie wieder jemand so etwas gesagt.