1. FC Köln

Anthony Modestes ehemaliger Club aufgelöst

Köln. Eine neue Wendung könnte es bei den Verhandlungen des 1. FC Köln um die Verpflichtung von Anthony Modeste geben. Wie chinesische Medien berichten, wurde der Verein Tianjin Quanjian FC als solcher aufgelöst und ihm die Erstliga-Lizenz entzogen.

Derzeit soll der Club unter der Kontrolle des regionalen Fußballverbands stehen und unter einem neuen Namen fortgeführt werden. Was das für das laufende Verfahren von Anthony Modeste vor dem Fußball-Weltverband Fifa und eine Freigabe für den 1. FC Köln bedeutet, ist ungewiss. Der Franzose hatte im August seinen Vertrag gekündigt und China verlassen, weil ihm der Club Prämien in Höhe von angeblich 260.000 Euro schuldig war. Nach den Fifa-Statuten soll eine Kündigung aber nur rechtswirksam sein, wenn eine Summe in Höhe von zwei Monatsgehältern aussteht.

Hintergrund der Club-Auflösung ist ein Skandal, in dessen Mittelpunkt der bisherige Hauptsponsor, Shu Yhuhui, und 17 Mitarbeiter von ihm stehen. Sie wurden festgenommen und sitzen in Haft. Shu Yhuhui ist der Milliarden Dollar reiche Besitzer der Quanjian-Group. Der Konzern stellt alternative Medizinprodukte her und handelt mit ihnen.

Nun wurde aufgedeckt, dass vor Jahren der Vater eines an Krebs erkrankten vierjährigen Mädchens veranlasst wurde, eine Chemotherapie abzusetzen. Stattdessen sollte das Kind ein Produkt aus dem Hause Quanjian einnehmen. Vor mehr als drei Jahren verstarb das Kind. Die Firma aber warb mit einem Foto des angeblich geheilten Mädchens.

Aufgrund der Berichterstattung meldeten sich Menschen, die durch die Einnahme von Quanjian-Produkten erkrankten. Der Skandal nahm seinen Lauf.

Beim 1. FC Köln weiß man um die Vorgänge beim ehemaligen Modeste-Verein seit Tagen. Welche Auswirkungen die Maßnahmen gegen den früheren Club-Besitzer Shu Yhuhui haben und wie es weitergeht, darüber mag man nicht spekulieren. Wenn Geschäftsführer Alexander Wehrle an diesem Mittwoch aus dem Winterurlaub zurückkehrt, wird die Recherche im Fall Modeste zu seinen ersten Aufgaben gehören.

Ende Oktober, Anfang November hatte sich Alexander Wehrle noch mit Shu Yhuhui in China zu einem Gespräch getroffen, bei dem es über den möglichen Wechsel von Anthony Modeste zurück zum 1. FC Köln ging. Das Treffen war im Rahmen des Besuchs von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker in China vom ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz initiiert worden.

Danach schien es, als zeigte die chinesische Seite Verständnis für die Wechselabsichten des Franzosen, suchte aber gleichzeitig nach Möglichkeiten, das eigene Gesicht zu wahren. Schließlich hatte man für den Stürmer im Sommer 2017 gut 30 Millionen Euro an den 1. FC Köln und die gleiche Summe als eine Art Strafgeld an den eigenen Verband für die Jugendförderung überwiesen. Zudem sollte der 30-Jährige für sein erstes Jahr im Verein rund zehn Millionen Euro Gage erhalten.

Nun stellt sich die Frage, ob der Nachfolgeverein berechtigt ist, den bei der Fifa anhängigen Rechtsstreit fortzuführen. Derzeit warten sowohl Anthony Modeste und seine Anwälte als auch der 1. FC Köln auf das schriftliche Urteil des Weltverbands. Der hatte im Dezember festgestellt, dass dem Spieler zwar nicht geleistete Zahlungen zustünden, deren Summe aber nicht ausgereicht hätte, um zu kündigen.