Liveaufnahmen während der Spiele

1. FC Köln nutzt Videoanalyse am Spielfeldrand

Auch den Einsatz einer Drohne nutzt FC-Videoanalyst Hannes Dold am Geißbockheim, um das Taktiktraining zu filmen und auszuwerten.

Auch den Einsatz einer Drohne nutzt FC-Videoanalyst Hannes Dold am Geißbockheim, um das Taktiktraining zu filmen und auszuwerten.

KÖLN. Videoanalyst Hannes Dold informiert die Kölner Trainer während der Spiele mit Daten und Filmen.

Als der frühere Bundestrainer Berti Vogts vor 18 Jahren das Cheftraineramt bei Bayer Leverkusen übernahm, verwunderte er damit, dass er sich zeitweise bei den Spielen auf die Tribüne setzte. Er habe so einen besseren Überblick und könne taktische Abläufe besser sehen und analysieren. Diese Sicht auf die Dinge bestätigte kürzlich auch Kölns Sportchef Armin Veh: „Von oben sieht man meistens einfach besser, ist allerdings als Trainer zu weit von seinen Spielern entfernt.“ Optimale Sicht nutzen und dennoch am Spielfeldrand die Mannschaft führen, dass ist neuerdings möglich und erlaubt. Denn der Weltfußballverband Fifa gestattet seit dieser Saison den Einsatz entsprechender visueller und kommunikativer Technik.

Beim 1. FC Köln sind dafür während der Spiele in erster Linie Videoanalyst Hannes Dold und Assistenztrainer Florian Junge verantwortlich. Beide sind jeweils mit einem Tablet ausgerüstet und stehen in Funkkontakt. „Von der erhöhten Position auf der Tribüne, wo ich sitze, sieht man das Spiel noch mal aus einer anderen Perspektive im Vergleich zum Spielfeldrand. Genau deshalb stehe ich mit meinen Kollegen auf der Bank im Kontakt und wir können uns über verschiedene Szenen austauschen“, berichtete Hannes Dold.

Als Basismaterial stehen ihm Live-Aufnahmen des gesamten Spiels zur Verfügung, die von der Kölner Firma Sportec Solutions im Auftrag der Deutschen Fußball Liga den Erst- und Zweitligisten zur Verfügung gestellt werden. Sie sind jedoch nicht mit denen des Fernsehens vergleichbar, da nur das totale Spielfeld gezeigt wird. Hinzu kommt eine Fülle an aktuellem Datenmaterial wie Zweikampfwerten, Laufkilometer und Sprints der Spieler sowie vieles mehr.

Während des Spiels analysiert Hannes Dold aber nicht nur die Daten des Spielgeschehens, er stellt auch Spielszenen zusammen, die bereits während der Halbzeitpause als Information für die Trainer und Spieler genutzt werden können, oder zur Nachbearbeitung der Begegnung dienen. Beim Heimspiel gegen Union Berlin wurde erstmals darauf zurückgegriffen.

„Wir sind technisch perfekt ausgestattet, was die Spielbeobachtung anbelangt. Es wäre fatal, wenn wir nicht alle Ressourcen nutzen würden. Ich bin allerdings kein Freund von zu viel Technik. Sie sollte ein Hilfsmittel für uns Trainer sein, aber nicht im Mittelpunkt stehen“, will sich FC-Coach Markus Anfang nicht abhängig machen von den technischen Möglichkeiten.

Die würden auch noch viel weiter über die Form hinaus gehen, wie sie der 1. FC Köln nutzt. So ist es beispielsweise erlaubt, die Fernsehbilder nebst Zeitlupe und Wiederholungen am Spielfeldrand zu nutzen. Allerdings müssen die Clubs in diesem Fall zustimmen, das Wissen nicht dazu zu benutzen, Schiedsrichter bei möglichen Fehlentscheidungen damit zu konfrontieren. Daneben könnten noch viele weitere Daten benutzt und während des Spiels permanent ausgewertet werden.

Schon jetzt ist der Aufgabenbereich von Dold sehr umfangreich. „Meine Arbeit während der Spiele erfordert sehr viel Konzentration, weil ich mehrere Dinge parallel machen muss. Das ist eine Sache der Erfahrung“, meinte der 25-Jährige.

Über sein Studium an der Sporthochschule und ein Praktikum im Team von Urs Siegenthaler, dem Spielebeobachter von Bundestrainer Joachim Löw, kam Dold mit dem 1. FC Köln in Kontakt. Seit vier Jahren arbeitet er inzwischen für den Club, zunächst neben- inzwischen hauptberuflich. Sein Hochschulstudium schloss er parallel dazu auch noch ab.

Die Arbeit am Spieltag ist allerdings nur ein Teil der Umfangsreichen Aufgaben des Videoanalysten. So zeichnet er auch die taktischen Trainingseinheiten auf und analysiert das Spielerverhalten. Und dann ist da die Vorbereitung auf den nächsten Gegner, wobei wieder ein umfangreiches Filmmaterial von DFL-Seite zur Verfügung steht, das es aufzuarbeiten gilt.