Kaderplanung

1. FC Köln hat wenig Spielraum bei Neuverpflichtungen

Offensivspieler Serhou Guirassy beim 1. FC Köln.

Offensivspieler Serhou Guirassy beim 1. FC Köln.

Köln. Trotz des Aufstiegs in die erste Bundesliga stehen dem FC und Trainer Achim Beierlorzer in Sachen Kaderplanung nur wenig finanziellen Spielraum bei Neuverpflichtungen zur Verfügung. Mehr Spielraum gäbe es nur bei Spielerverkäufen.

Noch bevor er als neuer Trainer des 1. FC Köln offiziell verkündet wurde, hat sich Achim Beierlorzer ausgesprochen wohlwollend über sein neues Team geäußert: „Dass der 1. FC Köln die beste Mannschaft der Liga war, drückt nicht nur der Tabellenplatz aus“, sagte Beierlorzer als Noch-Trainer von Jahn Regensburg nach dem 5:3-Erfolg seines Teams am vorletzten Spieltag bei Zweitligameister Köln. Der 51-Jährige ging sogar noch einen Schritt weiter und gab einen Ausblick auf die Kaderplanung seines neuen Arbeitgebers und künftigen Fußball-Bundesligisten: „Da muss nicht viel gemacht werden, nur punktuell“, adelte er das vorhandene spielende Personal.

Inwieweit Beierlorzer, der am Donnerstag offiziell am Geißbockheim vorgestellt wird, an diesem 12. Mai schon in die finanziellen Möglichkeiten des FC für Transfers im Sommer 2019 detailliert eingeweiht war, ist nicht bekannt. Dass die Mittel begrenzt sein dürften, könnte der Trainer allerdings mitbekommen haben. Ein allzu großes Geheimnis ist dies jedenfalls nicht. Obwohl die Kölner sich nach Abschluss der Spielzeit 2018/19 auf Platz 15 der deutschen TV-Geldrangliste wiederfinden und mit einer Prämie von 38,5 Millionen aus diesem Topf rechnen können, stehen ihnen aktuell nach Infos dieser Zeitung nur etwa zehn Millionen Euro für Spielereinkünfte zur Verfügung.

Für mehr Spielraum bei Neuverpflichtungen müssen Spieler den Club verlassen

Eine Summe, in die bereits die Ablöse für den nach Frankreich ausgeliehenen Serhou Guirassy eingerechnet ist. Die rund fünf Millionen Euro für den Stürmer fließen allerdings erst, wenn der SC Amiens in der Ligue 1 die Klasse hält. Dazu wäre am Freitag (21.05 Uhr) ein Heimsieg über die als Absteiger feststehenden Bretonen aus Guingamp notwendig. Sollte dies misslingen und Amiens auch in der folgenden Relegation scheitern, würden dem FC also nur fünf Millionen Euro bleiben, und Guirassy müsste nach Köln zurückkehren.

 

Ein unschönes Szenario, dass die finanzielle Fußfessel, die sich der FC angelegt hat, noch ein Stückchen enger ziehen würde. Neben der durch den Aufstieg automatisch um etwa 7,5 Millionen Euro steigenden Pacht für das Rheinenergiestadion und den durch den Aufstieg entstandenen Gehaltsnachzahlungen für Marco Höger, Jonas Hector und Timo Horn grenzt vor allem der geschätzt bei 50 Millionen Euro liegende Spieleretat die Transfermöglichkeiten für Sportchef Armin Veh ein. Außer bei Matthias Lehmann (Karriereende), Johannes Geis und Ersatztorwart Thomas Kessler laufen alle Verträge über 2019 hinaus, in den meisten Fällen sogar bis 2021 und länger.

Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Gehälter kommende Saison wieder auf Erstliga-Niveau anheben. Für die meisten der vor der Abstiegssaison langfristig angelegten Kontrakte zeichnet noch das Geschäftsführer-Duo Jörg Schmadtke/Alexander Wehrle verantwortlich. Um mehr Spielraum für Neueinkäufe zu bekommen, muss Armin Veh also dafür sorgen, dass Spieler den Club verlassen.

Angesichts der zumeist lukrativen Verträge der FC-Profis eine schwierige Aufgabe. Nach Berichten der „Neuen Presse“ steht Linksverteidiger Jannes Horn (geschätztes Gehalt in Köln 1,2 Millionen Euro) vor einer Leihe zu Hannover 96. Beim Bundesliga-Absteiger soll auch der beim FC entlassene und abgefundene Markus Anfang ein Kandidat für den Trainerposten sein. Neben Niklas Hauptmann (Ausleihe) könnte noch Frederik Sörensen gehen. Nach Meldungen der „Bild“ kehrt der dänische Innenverteidiger nach Italien zurück. Zudem ist zu hören, dass Drittliga-Aufsteiger Viktoria Köln Interesse an einer Leihe von Nicolas Nartey und Matthias Bader bekundet.

Die ganz großen Etat-Entlastungen stellen diese Personalien aber noch nicht dar. Veh muss vielleicht doch FC-Tafelsilber wie etwa Jorge Meré (festgeschriebene Ablöse von 30 Millionen Euro) versetzen, um die von Achim Beierlorzer angesprochenen „punktuellen“ Veränderungen dann anzugehen.