Sechserposition im Mittelfeld

1. FC Köln hat Probleme in der Schaltzentrale

Kühlen Kopf hätte Salih Özcan in Bochum bewahren sollen, doch er brachte keine Ruhe in sein Spiel und das des FC.

Kühlen Kopf hätte Salih Özcan in Bochum bewahren sollen, doch er brachte keine Ruhe in sein Spiel und das des FC.

KÖLN. Der 1. FC Köln sucht noch die optimale Lösung für die Sechserposition. Salih Özcan findet nicht den Rhythmus, Jonas Hector springt ein.

Mit einem Luxusproblem schien man beim 1. FC Köln in die Saisonvorbereitung zu gehen. Einerseits ist im neuen Spielsystem von Markus Anfang nur noch ein zentraler defensiver Mittelfeldspieler statt der vielfach üblichen zwei Sechser vorgesehen, andererseits stand mindestens eine Handvoll Spieler für diesen einen Platz zur Verfügung. Beim Auftaktsieg in Bochum aber musste nach der Pause mit Jonas Hector ein Spieler diese wichtige Rolle übernehmen, der dafür nur bedingt vorgesehen war.

Für die strategisch wichtige Position in der Schaltzentrale hatte der Trainer zunächst Marco Höger eingeplant. Der verletzte sich gleich in der ersten Trainingswoche und fällt wegen der Folgen einer Eckgelenksprengung in der linken Schulter noch einige Wochen aus. Dann wurden der junge Nikolas Nartey (18) und der jahrelang diese Rolle ausübende Routinier Matthias Lehmann (35) in Testspielen als Sechser eingesetzt. Auch der im Winter für das zentrale Mittelfeld mit großen Vorschusslorbeeren verpflichtete Vincent Koziello (22) übernahm zuweilen diese Aufgabe. Schließlich aber setzte sich mit Salih Özcan (20) eines der Eigengewächse des FC durch und zeigte ansprechende Leistungen in den letzten beiden Formtests vor dem Ligastart gegen Bremen und Mainz.

Folgerichtig war er in Bochum von Beginn an dabei. Ruhe und Überblick, die er zuvor meist ausgestrahlt und gezeigt hatte, kamen ihm im Kampf um die ersten Punkte der Saison in dem Maße abhanden, wie der Druck des Gegners größer wurde. Letztlich kam er nur auf 40 Prozent gewonnener Zweikämpfe und verursachte Ballverluste, die Gefahr heraufbeschworen.

Eine öffentliche Beurteilung der Leistung von Özcan unterließ Trainer Anfang ebenso, wie er zu keinem anderen Spieler eine Aussage traf, nicht einmal zu dem stark aufspielenden Christian Clemens. Die Kritik, die er allerdings an die gesamte Mannschaft richtete, traf in vollem Umfang auch den Sechser: „In den Zweikämpfen waren wir nicht so hart, wie wir es sonst sind. Wenn wir den Ball hatten, waren wir zu unruhig und hatten wahnsinnig viele Stockfehler dabei. Damit haben wir den Gegner aufgebaut.“

Wild schreiend, gestikulierend und an der Seitenlinie herumhüpfend im Stile von Rumpelstilzchen versuchte der Trainer, sich Gehör zu verschaffen und die Spieler auf ihre Fehler hinzuweisen. Es half wenig. Zum einen war die Geräuschkulisse im Ruhrstadion enorm, zum anderen waren die Spieler zu sehr mit sich und ihren Gegnern beschäftigt.

In der Stille der Kabine erreichte Anfang während der Halbzeitpause endlich seine Spieler: „Ich habe sie darauf hingewiesen, was nicht so gut war, und habe ihnen gesagt, sie sollen Ruhe am Ball bewahren. Das wurde in der zweiten Halbzeit dann auch besser.“ Vor allem ab der 60. Minute, als Jonas Hector die Mittelfeldrolle übernahm, Özcan gegen Jannes Horn ausgewechselt wurde. Der erfahrene Nationalspieler zeigte die ihm eigene Abgeklärtheit und Ballsicherheit, die von ihm zu erwarten war.

„Jonas ist ein flexibel einsetzbarer Spieler. Er kann sich auf verschiedenen Positionen effektiv für die Mannschaft einbringen“, hatte Anfang bereits während der Saisonvorbereitung betont. Er entschied sich dann dafür, den 28-Jährigen wie zumeist in den Vorjahren beim FC und wie auch in der Nationalmannschaft als Linksverteidiger einzusetzen.

Wie es im Heimspiel am kommenden Montag (20.30 Uhr) gegen Union Berlin sein wird, ist noch offen. Womöglich beginnt Özcan erneut auf der ihm vertrauten Position, schließlich bewies er immer wieder, dass er mit seinem energisch vorgetragenen Spiel die Rolle gut ausfüllen kann.