Interview mit Werner Spinner

„Der FC und Köln sind wieder vereint“

Hat gut lachen: FC-Boss Werner Spinner freut sich über den finanziellen Aufschwung.

Hat gut lachen: FC-Boss Werner Spinner freut sich über den finanziellen Aufschwung.

KITZBÜHEL. FC-Präsident Werner Spinner spricht über Spielergehälter, Sponsoren und Stadionpläne.

Am Montag traf Präsident Werner Spinner im Trainingslager des 1. FC Köln ein. Im Gespräch mit Joachim Schmidt bezog er Stellung zu aktuellen Themen rund um den Club.

Herr Spinner, als Sie vor gut fünf Jahren Ihr Amt als FC-Präsident angetreten hatten, fanden Sie ungeahnt große Finanzprobleme vor. Kurzfristig fehlten Millionen, längerfristig gab es Verbindlichkeiten von mehr als 30 Millionen Euro. Jetzt hat der Club mit einem Transfer, dem von Anthony Modeste, rund 35 Millionen Euro eingenommen. Wie empfinden Sie das?

Werner Spinner: Wenn Sie mir das damals vorausgesagt hätten, hätte ich Sie für verrückt erklärt. Das ist eine Entwicklung, die ich bei der optimistischsten Annahme nicht hätte vorhersehen können. Das zeigt aber, wie schnell es im Fußball hinaufgehen kann – leider aber auch umgekehrt.

Worauf muss man deshalb achten?

Spinner: Zum einen, nicht abzuheben, zum anderen, sich immer wieder die mittelfristige Planung anzusehen. Da muss man wissen, was man sich leisten kann und was nicht. Ich denke aber, dass wir da mit Alex Wehrle und Jörg Schmadtke mit realistischen Leuten bestens ausgestattet sind.

Was kann sich der FC leisten?

Spinner: Im Moment haben wir eine extreme Entwicklung, was Ablösesummen und Spielergehälter anbelangt. Da muss man genau hinschauen, ob der Wert im Verhältnis zum Nutzen steht. Aber das ist die große Aufgabe und hervorragende Arbeit von Jörg Schmadtke, dass er das weiß – und dass er mit Augenmaß an die Sache herangeht.

Es darf also nicht passieren, dass jetzt Gehälter vereinbart werden, die irgendwann nicht mehr bezahlbar sind.

Spinner: Das liegt natürlich zum einen daran, wie man die Verträge gestaltet. Zum anderen muss man berücksichtigen, wie die Transfersumme der Spieler über ihre Vertragslaufzeit abgeschrieben wird. Deshalb ist es wichtig im Rahmen der mittelfristigen Planung, dass diese Abschreibungen nicht zu einem negativen Ergebnis führen.

Kann man im Moment also sagen, dass neben der guten sportlichen Ausgangslage die wirtschaftliche ebenfalls sehr gut bestellt ist?

Spinner: Ja, vor allem haben wir Eigenkapital aufgebaut. Vor fünf Jahren waren wir bei minus elf Millionen Euro, heute liegen wir im zweistelligen Millionenbereich im Plus. Das ist fantastisch und unser Sicherheitspolster. Insofern ist die wirtschaftliche Situation weitaus besser, als ich es je gedacht habe.

Welche Bedeutung hat die Europa-League-Teilnahme nach 25-jähriger internationaler Abstinenz?

Spinner: Ich glaube, Köln ist mit unserer Rückkehr auf die europäische Fußballbühne wieder hundertprozentig vereint mit dem FC. Die Leute wissen, dass wir in der Führungsetage alles daran setzen, das Beste für diesen Club und damit auch für Köln zu erreichen.

Wie hat sich das Sponsoreninteresse am FC verändert?

Spinner: Man kann auf jeden Fall sagen, dass der FC heute nicht mehr an Türen kratzen muss, um überhaupt Sponsoren zu bekommen. Der sportliche Erfolg hat uns hierbei zusätzlich in die Karten gespielt und in eine wesentlich bessere Verhandlungsposition gebracht. Stets legen wir großen Wert darauf, respektvoll und wertschätzend mit unseren Partnern umzugehen.

Kommen wir zu den Stadion-Plänen. Im August soll die Machbarkeitsstudie über einen Ausbau des Rheinenergie-Stadions endlich vorliegen, nachdem bereits im Juni damit gerechnet worden war.

Spinner: Die Hauptsache ist doch, sie liegt irgendwann im August vor. Entgegen allen Vorhaltungen, die uns ein Pokerspiel vorwarfen, sage ich: Wir gehen ergebnisoffen in die Verhandlungen hinein. Ich will das Beste für den FC und das Beste auch für Köln. Was immer bei der Studie herauskommt, wir werden eng mit der Stadt in Person der Oberbürgermeisterin Frau Reker zusammenarbeiten. Wir wollen zu einer Lösung kommen, die abgewogen, vernünftig und hoffentlich langfristig ist.

Zunächst aber muss der Club nach Eintracht Frankfurt weiter die zweithöchste Stadionmiete in Deutschland zahlen?

Spinner: Seit ich Präsident bin, also seit April 2012, haben wir der Stadt bereits einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag an Stadionpacht und Betriebskosten gezahlt. Durch die Europapokal-Teilnahme und die höheren Einnahmen aus der Fernsehvermarktung zahlen wir nun die höchste Pacht in der Bundesliga. Das geht auf Zusatzvereinbarungen zurück, die wir 2012 eingehen mussten.

Warum das?

Spinner: Wir brauchten für unsere Lizenz ein Stadion und wir konnten uns in der Zweiten Liga angesichts unserer Schulden nicht so eine hohe Pacht leisten. Um weniger zu bezahlen, mussten wir im Gegenzug zustimmen, bei einer Erstligarückkehr deutlich mehr zu zahlen. Mein Verhandlungsspielraum war damals gleich null. Bisher waren es einschließlich der Betriebskosten mehr als neun Millionen Euro pro Jahr.

Und jetzt?

Spinner: Mehr (lacht).Aber das ist alles Schnee von gestern. Wir starten die Diskussion über das Stadion jetzt neu, aber nicht ohne alle Alternativen zu berücksichtigen.