Neuer Trainer des Regionalligisten

Zschiesche will Bonner SC in die 3. Liga führen

BSC-Cheftrainer Markus Zschiesche (r.) und Co-Trainer Ronny Ermel.

BSC-Cheftrainer Markus Zschiesche (r.) und Co-Trainer Ronny Ermel.

Bonn. Der neue BSC-Trainer spricht im GA-Interview über seine mittelfristigen Ziele, seine Fußball-Philosophie und den Reiz der Regionalliga West. Künftig soll in Bonn auch vormittags trainiert werden.

Der Bonner SC plant Großes. Ein wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste Mosaikstein ist auf dem Weg Richtung 3. Liga der neue BSC-Cheftrainer Markus Zschiesche. Den stellte der Fußballregionalligist am Montag im Rahmen des Pressegesprächs „Aufbruch 2019“ offiziell vor. Gemeinsam mit seinem Co-Trainer Ronny Ermel soll der 36-Jährige die Geschicke des aktuell Tabellen-14. von der Seitenlinie aus lenken. Thomas Heinen sprach mit dem Berliner und seinem Assistenten bei seiner Ankunft in Bonn über Ideen und Ziele.

Herr Zschiesche, warum ausgerechnet der BSC?

Markus Zschiesche: Warum eigentlich nicht? Obwohl ich, nachdem ich beim Berliner AK aufgehört hatte, so schnell keinen Verein wieder übernehmen wollte. An erster Stelle stand meine Ausbildung als Fußballlehrer, die ich im Juni 2018 in Hennef begonnen habe und im März 2019 abschließen werde. Erst danach wollte ich mich umschauen.

Was hat Sie also dazu gebracht, Ihre Meinung zu ändern?

Zschiesche: Thomas Schmitz (Sportdirektor des BSC Anm. d. Red.) dem ich wohl empfohlen worden bin, hatte mich angerufen. Was er zu sagen hatte, war schon sehr interessant. Danach habe ich mich entschlossen, gemeinsam mit Ronny Ermel nach Bonn zu kommen, weil ich mir aus der Ferne noch kein richtiges Bild machen konnte. Vor Ort haben mir dann vor gut einer Woche mit Thomas Schmitz und Dirk Mazurkiewicz (BSC-Vorstandsvorsitzender, Anm. d. Red.) über alles gesprochen, uns die Trainingsplätze und das Stadion angeschaut. Ich mag übrigens so alte Schüsseln wie den Sportpark. Alles in allem hat der BSC, seine Verantwortlichen und die vermittelte Perspektive einen sehr bodenständigen Eindruck gemacht. Und Sie müssen wissen: ich liebe Bescheidenheit und Verlässlichkeit.

Das hat Sie schließlich überzeugt?

Zschiesche: Natürlich hat uns auch der Fußballwesten gereizt. Wir wollten wissen, ob sich unsere Art Fußball zu spielen in einer derart starken Liga durchsetzen lässt. Hinzu kommt, dass der BSC eine junge Mannschaft hat. Wir haben viel Erfahrung mit jungen Spielern. Wir wollen die nächsten Schritte mitgehen, die der Verein vorgegeben hat.

Worauf legen Sie als Trainer besonderen Wert?

Zschiesche: Ich will aktiven, attraktiven und schlauen Fußball spielen. Mehr will ich nicht verraten. Wir haben eine Idee, wie wir Fußball spielen. Ich will, dass die Jungs den Spaß am Fußball nicht vergessen.

Hört sich gut an.

Zschiesche: Natürlich gehört da auch harte Arbeit hinzu. Aber wenn die Art und Weise stimmt, wie wir spielen, kann man auch mal verlieren.

Ihnen steht allerdings ein aufreibender Abstiegskampf bevor.

Zschiesche: Das stimmt. Aber gerade da ist Angst ein schlechter Ratgeber. Wir werden trotzdem versuchen, das Positive im Fußball zu vermitteln.

Worin liegen Ihre Stärken als Trainer?

Zschiesche: Ich mag es nicht, über mich selber zu sprechen. Diese Frage sollte mein Co-Trainer beantworten.

Ronny Ermel: Markus ist ein sehr direkter und ehrlicher Trainer. Jeder Spieler weiß bei ihm, woran er ist. Wir behandeln die Spieler so, wie wir damals in unserer aktiven Zeit gerne behandelt worden wären. Er erreicht die Spieler, kann sehr gut vermitteln und hat Ahnung vom Fußball.

Wie wollen Sie die Doppelbelastung Fußballlehrer und Trainer meistern?

Zschiesche: Auf jeden Fall werde ich die noch ausstehenden vier Schwerpunktwochen und drei Prüfungswochen voll durchziehen. Dann übernimmt jeweils mein Assistent. Aber der Lehrgang geht erst in 14 Tagen weiter. Bis dahin will ich die Mannschaft kennenlernen und die Jungs müssen bis dahin wissen, was ich will.

Der BSC firmiert bislang als Feierabendfußballer. Wird sich das ändern? Werden Sie auch vormittags trainieren lassen?

Zschiesche: Wir werden auf jeden Fall Vormittagseinheiten einführen. Dabei wird es von uns kein entweder oder geben.

Was heißt das?

Zschiesche: Das heißt, dass wir fair bewerten, wer dann kann und wer nicht kann. Demjenigen, der vormittags nicht teilnehmen kann, wird daraus kein Nachteil erwachsen. Klar ist, dass diejenigen, die da sind, mehr zeigen können.

Wie gut kennen Sie die Mannschaft bereits?

Zschiesche: Vom Namen her und was er spielt, kenne ich jeden Spieler. Einige Spiele konnte ich mir bereits auf Video anschauen. Wichtig ist, dass ein frischer Wind hinein kommt.

Wie lauten ihre kurz- und mittelfristigen sportlichen Ziele?

Zschiesche: An erster Stelle steht der Klassenerhalt. Darüber hinaus verfolge ich die Ziele, die der Verein vor kurzem ausgegeben hat. Also in der nächsten Saison unter die ersten zehn zu kommen, um dann in den kommenden zwei bis drei Jahren die 3. Liga anpeilen zu können. Es hört sich schon so an, dass es möglich ist. Mit den Leuten, mit denen wir es bislang zu tun hatten, kann ich es mir vorstellen. Aber ich werde bestimmt nicht am ersten Trainingstag die Fahne schwingen.

Noch verfügt der BSC über ein Budget, der weit vom professionellen Fußball entfernt ist. Macht Ihnen das Sorgen?

Zschiesche: Das war beim Berliner AK nicht anders. Ich weiß, was es heißt, vor allem mit jungen Spielern eine derartige Situation zu meistern. Für mich sind realistische Ziele wichtig. Man soll nicht träumen. Was das angeht, habe ich vom BSC zuletzt nur Positives gehört.

Wie groß empfinden Sie den Druck, neuer BSC-Trainer zu sein?

Zschiesche: Ich empfinde mich nicht unbedingt als der Auserwählte. Ich möchte die Ideen, die ich als Trainer habe, gut vermitteln und am Ende gut verstanden wissen.