Vor dem DFB-Pokalspiel in Bonn

Polizei und Bonner SC stellen sich auf Ultras von Hannover 96 ein

Äußerst unrühmlich präsentierten sich Fans von Hannover 96 beim Testspiel in Burnley, das schließlich abgebrochen wurde.

Äußerst unrühmlich präsentierten sich Fans von Hannover 96 beim Testspiel in Burnley, das schließlich abgebrochen wurde.

Bonn. Der Bonner SC rüstet sich für die Anreise gewaltbereiter Ultras aus Hannover zum DFB-Pokalspiel am Sonntag (15.30 Uhr/Sky).

Die rund 1000 bis 1500 erwarteten Fans des Bundesligisten Hannover 96 sollen mit Bussen vom Bahnhof Bonn in den mit 9500 Besuchern ausverkauften Sportpark Nord gebracht werden, teilte die Bonner Polizei mit. „Wir sind am Sonntag entsprechend aufgestellt“, sagte ein Polizeisprecher.

Als BSC-Präsident Dirk Mazurkiewicz von den den Ausschreitungen einiger Hannover-Anhängern in Burnley erfuhr, dachte er sofort an den kommenden Sonntag. „Ich habe erstmal geschluckt“, sagte der Präsident des Bonner SC. Rund 45 Ultras von Hannover 96 hatten bei einem Testspiel in England randaliert und einen Spielabbruch provoziert.

Und am Sonntag (15.30 Uhr) spielt Hannover in der ersten DFB-Pokalrunde im Sportpark Nord gegen den BSC. Als er an die Sicherheitsmaßnahmen dachte, beruhigte sich Mazurkiewicz aber schnell wieder: „Da wird so viel für die Sicherheit der Fans getan wie wohl noch nie bei einem Fußballspiel in Bonn.“ Der Verein sei gerüstet.

Erstmals seit der Saison 1976/77 wird der Sportpark bei einem Pflichtspiel des BSC wieder ausverkauft sein (siehe Infokasten). Damals spielten die Blau-Roten in der 2. Bundesliga Nord, und die Hütte war häufiger voll – aber es gab noch kein Hooligan-Problem. Gästefans waren lautstark, aber friedlich. Allenfalls tranken sie einen über den Durst. Das ist inzwischen anders. An jedem Wochenende sichert die Polizei die Spiele der Profiteams mit großem Aufgebot. Und dass Hannover nicht erst seit Burnley Probleme mit seinen Ultras hat, ist längst bekannt.

Allein der BSC stellt 100 Sicherheitskräfte, die vor allem im Stadion die Lage im Auge behalten. „Das kostet rund 20.000 Euro, die allerdings nachher mit dem Gastverein geteilt werden“, sagt Mazurkiewicz. Die Fans beider Vereine stehen und sitzen getrennt in unterschiedlichen Blöcken. Zudem steht der BSC im Kontakt mit Hannover 96 und der Polizei.

 

Die Bonner Polizei wiederum tauscht sich mit den Kollegen in Hannover aus. „Wir sind vorbereitet und werden Präsenz zeigen“, sagt Sprecher Frank Piontek. „Aber es gibt keine konkreten Hinweise auf geplante Störaktionen Hannoveraner Problemfans.“ Mit wie vielen Beamten die Bonner Polizei das Spiel und den Anmarsch sichern wird, erfährt die Öffentlichkeit in solchen Fällen nie.

Es zählt zur Routine, dass sogenannte szenekundige Beamte die Problemfans zu Auswärtsspielen begleiten. Hannover kennt seine Randalierer. Außerdem kommt die Bereitschaftspolizei zum Einsatz, die gerade bei Fußballspielen mit Risikopotenzial über immense Erfahrung verfügt. Nordrhein-Westfalen, wo Vereine wie Schalke 04, Borussia Dortmund oder der 1. FC Köln die Menschen mehr in Wallung bringen als anderswo, ist diesbezüglich ein Brennpunkt.

Das alles ist viel mehr, als die örtlichen Behörden in Burnley gewährleisten konnten. Dort hatte offenbar niemand damit gerechnet, dass 96-Ultras über den Kanal fliegen, um sich 1000 Kilometer von der Heimat entfernt zu prügeln.