Aufstieg des Bonner SC

Kartals Tor lässt alle Dämme brechen

Wesseling. Im dritten Anlauf hat es geklappt: Nach einer nervenaufreibenden Schlussphase schafft der BSC in Wesseling in der Nachspielzeit noch den 1:1-Ausgleich und damit den Sprung in die Regionalliga. Während seine Spieler feiern, sucht Trainer Daniel Zillken die Einsamkeit.

Im dritten Anlauf hat es geklappt: Nach einer nervenaufreibenden Schlussphase schafft der BSC in Wesseling in der Nachspielzeit noch den 1:1-Ausgleich und damit den Sprung in die Regionalliga. Während seine Spieler feiern, sucht Trainer Daniel Zillken die Einsamkeit.

Daniel Zillken ist nicht Franz Beckenbauer. Aber wie weiland der „Kaiser“ nach dem Gewinn des Weltmeistertitels 1990 in Rom schlich der Trainer des Fußball-Mittelrheinligisten Bonner SC gedankenverloren und ein wenig einsam abseits der Jubeltraube aus Fans, Spielern und Betreuern über den Rasen des Wesselinger Ulrike-Meyfarth-Stadions. Wenige Minuten zuvor hatte Recep Kartal in der fünften Minute der sechsminütigen Nachspielzeit den Ball irgendwie zum glücklichen 1:1 (0:0)-Endstand bei der Spvg Wesseling-Urfeld über die Linie bugsiert.

Ein Treffer, der alle Dämme brechen ließ und ein Tor, das dem Tabellenführer nach zwei vergeblichen Anläufen nach dem 4:0 in Freialdenhoven und der 2:3-Derbyniederlage gegen den VfL Alfter den heiß und lange ersehnten uneinholbaren Vorsprung vor dem SV Bergisch Gladbach 09 und damit den Aufstieg in die Regionalliga bescherte. Das 2:1 des Tabellendritten in Freialdenhoven geriet damit zum Muster ohne Wert.

Es sollten einige Minuten vergehen, bis Spieler und Fans den Erfolgstrainer erspäht und ins Epizentrum des Jubels gezerrt hatten. „Vielleicht war die Belastung vor dem Spiel und erst Recht nach dem 0:1-Rückstand zu groß, um noch gut Fußball zu spielen“, meinte der dann mit Sekt gebührend geduschte BSC-Coach zunächst noch gefasst. Kurze Zeit später flossen auch bei Zillken wie bei vielen Anhängern auf dem Wesselinger Rasen die Freudentränen. Der Druck und die Anspannung der vergebenen Matchbälle hatte ein Ventil gefunden. „Auch ich habe sehr viel investiert“, flüsterte Zillken mit tränenerstickter Stimme.

Rings um den gerührten BSC-Coach, der vor allen anderen die Glückwünsche des ob der üppigen Nachspielzeit kurz zuvor noch höchst aufgebrachten Wesselinger Trainers Josef Farkas entgegennehmen durfte, herrschte nur noch Jubel, Trubel und Heiterkeit. Mittendrin natürlich der Torschütze, der das klug herausgespielte 1:0 durch Delord Unzola (61.) in allerletzter Sekunde mit dem umjubelten Aufstiegstreffer ausgeglichen hatte. „Irgendwie kam der Ball zu mir“, beschrieb der Aufstiegsheld des BSC die entscheidende Szene der Partie. „Aber nicht ich alleine, sondern die ganze Mannschaft hat das Ding am Ende noch gedreht.“ Die Ecke von Abdelkader Maouel kam zu Abwehrchef Andreas Dick, der den Ball schließlich im Gewühl der vielbeinigen Wesselinger Abwehr zu Kartal verlängerte.

Auch BSC-Angreifer Rachid Eckert, der mit seinen Mitspielern und dem Trainerstab tatkräftig mithalf, die vorschnell aufs Spielfeld gestürmten BSC-Fans nach dem 1:1 vom Rasen zu treiben, um nicht noch einen Spielabbruch von Schiedsrichter Cem Sayilgan in letzter Sekunde zu riskieren, stellte die Mannschaft in den Vordergrund. „Schade, dass es am Ende noch so lange gedauert hat. Wir waren alle einfach zu nervös. Aber die Mannschaft hat sich den Aufstieg redlich verdient.“ Glücklich, aber gefasst, verfolgte BSC-Präsident Dirk Mazurkiewicz, natürlich längst mit dem bedeutungsschweren Aufstiegsshirt „Gekommen, um zu bleiben“ ausgestattet, das Jubelszenario. „Jetzt müssen wir schauen, dass wir noch die Perlen finden, die wir für die Regionalliga brauchen. Unser Beuteschema ist dabei klar definiert: junge und motivierte Spieler mit viel Leidenschaft.“ Vom Alter her nicht ganz ins Bild des BSC-Präsidenten passt Andreas Dick, Vorlagengeber und der mit Mario Weber maßgebliche Spieler in der BSC-Viererkette. „Ich freue mich auf meine fünfte Regionalligasaison. Die Gespräche mit dem BSC stehen kurz vor dem Abschluss.“ Der Innenverteidiger blickt auf vier Spielzeiten mit dem 1. FC Köln in Liga vier zurück.

In Wesseling gehörte Dick noch zu den besseren BSC-Akteuren. Nicht verhindern konnte er die Wesselinger Führung, die Jan Gran mit einem sehenswerten Flügellauf und anschließendem präzisen Flachpass auf Unzola vorbereitet hatte. Dass der BSC am Ende dennoch den dritten Matchball zum Aufstieg nutzte, hat der Tabellenführer, der noch einen Sieg benötigt, um gegenüber dem VfL Alfter auch die Mittelrheinmeisterschaft unter Dach und Fach zu bringen, ein Stück weit dem Unparteiischen zu verdanken. Der hatte in der Schlussminute zum Entsetzen der Gastgeber sechs Minuten Nachspielzeit angezeigt. Für Zillken eine absolut nachvollziehbare Entscheidung. „Unterbrechungen in der Schlussphase gab es schließlich reichlich.“ Ohne Pause und bis tief in die Nacht dürfte dagegen die spontane Aufstiegsfeier des BSC im Que Sera in der Bonner Altstadt über die Bühne gegangen sein.

Bonner SC: Hubert, Wipperfürth, Weber, Dick, Eckert, Retterath, Omerbasic (62. Kartal), Somuah (65. Kaiser), Brückers, Maouel, Addai (85. Musculus).