Bonner SC

Die Führungskraft vom Golfplatz

Der Abräumer: Auf der Position vor der Abwehr fühlt sich Dario Schumacher (r.) am wohlsten.

Der Abräumer: Auf der Position vor der Abwehr fühlt sich Dario Schumacher (r.) am wohlsten.

Bonn. Dario Schumacher hat gerade seinen Vertrag verlängert und will dazu beitragen, den BSC in der Regionalliga zu etablieren. Der Enkel von Heinz Hornig strebt eine Karriere im Sportmanagement an. Erster Auftritt nach der Winterpause bei der U 23 des 1. FC Köln.

Dario Schumacher gehört beim Fußball-Regionalligisten Bonner SC zu den Glücklichen. Nicht unbedingt, weil der Mittelfeldspieler als unumstrittene Stammkraft in 19 Spielen sechsmal traf und sechsmal seinen Mitstreitern einen Treffer auflegte. Sondern deshalb, weil der 23-Jährige keinen Urlaubstag opfern muss, um am Montag um 14 Uhr zum Auftakt der Restrunde bei der U 21 des 1. FC Köln im Franz-Kremer-Stadion dabei sein zu können. Schumacher absolviert zurzeit ein Fernstudium in Business und Sportmanagement an der IST-Hochschule in Düsseldorf.

Den praktischen Part seiner Ausbildung absolviert der Enkel von Nationalspieler und Vizeweltmeister Heinz Hornig abwechselnd in zwei Golfclubs in Oberhausen und Gelsenkirchen. „Einen Tag in der Woche habe ich frei“, sagt Schumacher. An den übrigen Tagen managt er von 9 bis 14 Uhr den Betrieb in den Clubs. Sein Berufsziel: Golflehrer oder Manager in einem Golfclub. Nicht ausschließen will der Freistoßspezialist eine Anstellung als Manager eines Fußballclubs. Wenn es geht, im Profibereich.

Das Pensum von Schumacher ist stramm. Von der jeweiligen Golfclub-Geschäftsstelle geht's nach Hause. Dort, in Essen, ist dann Lernen angesagt. Am 15. Februar steht die erste Klausur des Semesters an. Anschließend fährt Schumacher gemeinsam mit dem Gelsenkirchener Connor Krempicki viermal in der Woche zum Training nach Bonn. Hin und zurück macht das gut und gerne 200 Kilometer. Nach 21.30 Uhr folgt noch der eine oder andere Blick in die Studienunterlagen.

Warum die Strapazen? „Weil's beim BSC Spaß macht“, sagt Schumacher, der als Fußballer auch andere Zeiten erlebt hat. Als Vierjähriger stand er erstmals auf dem Platz. Als 14-Jähriger landete das Talent bei Alemannia Aachen. Der Karriereweg verlief vielversprechend. Mit 20 Jahren spielte Schumacher mit Aachen in der 3. Liga. Zehn Partien und zwei Tore machten sich nicht schlecht im Lebenslauf. Aber dann ging der Alemannia das Geld aus. Die Mannschaft um den Ex-Kölner Albert Streit fiel auseinander und stieg in die Regionalliga ab. Schumacher wechselte in die U 21 des FC Schalke 04, versprach sich dort mehr Chancen für den ersehnten Sprung in den Profikader.

Einmal berief Trainer Jens Keller den jungen Mittelfeldspieler in der Saison 2013/2014 in den vorläufigen Profikader für das Pokalspiel in Darmstadt, das Schalke dann ohne Schumacher mit 3:1 gewann. Zwei- bis dreimal pro Woche trainierte Schumacher oben mit. Aber dann kamen Spieler wie Leroy Sané. Der Stern des defensiven Mittelfeldspielers begann zu sinken. „In meinem letzten Jahr auf Schalke hatte ich den Spaß am Fußball verloren“, erinnert sich die BSC-Stammkraft. „Es ist nicht leicht, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt.“ Schumacher wollte nur noch weg.

Ehemalige Mitspieler wie Sascha Dum empfahlen dem heute 23-Jährigen den Wechsel zum Bonner SC, wo ein gewisser Daniel Zillken trainierte. Auch der Opa wusste viel Gutes über den BSC und dessen Trainer zu berichten. „Sascha kannte Zillken aus seiner Zeit in Leverkusen“, erzählt Schumacher. „Und ich muss sagen, er hatte recht mit seiner Einschätzung.“ Der Spaß am Fußball kam zurück. Der Hornig-Enkel blühte regelrecht auf und gehörte auf Anhieb zu den Führungsspielern des Aufsteigers. „Wir sind wirklich eine Mannschaft“, erklärt Schumacher, „ganz anders als auf Schalke, wo jeder nur mit sich beschäftigt war.“ Der sechsfache Torschütze will mit dem BSC nicht nur drinbleiben. „Ich will mit Leistung dazu beitragen, weitere Sponsoren ins Boot zu holen und den BSC in der Regionalliga zu etablieren.“ Ende Januar verlängerte der Sechser, der drei seiner Freistöße ohne Umschweife im Tor unterbrachte, seinen Vertrag bis 2018. Den Traum vom Vollprofi hat er noch nicht aufgegeben. „Fußball ist schnelllebig. Wenn sich ein Drittligist meldet, müsste ich überlegen.“ Aber jetzt spielt Schumacher beim BSC. Und das gerne. Connor Krempicki kann ein Lied davon singen. „Ich versuche ihn jeden Tag zu überreden, in Bonn zu bleiben“, verrät der 23-Jährige. „Mal sehen, ob's wirkt.“