3:1-Erfolg über Rot-Weiss Essen

Bonner SC beeindruckt mit attraktivem Offensivspiel

Bonn. Beim 3:1-Erfolg über Rot-Weiss Essen sammelten die Bonner nicht nur drei wichtige Punkte im Abstiegskampf, der BSC überzeugte vor allem mit einer erfrischenden Spielweise und macht Hoffnung auf mehr.

Auf eins legt Markus Zschiesche besonderen Wert. „Ich bin ein bescheidener Mensch“, sagt der neue Trainer des Fußball-Regionalligisten Bonner SC. Der Beifall, der von den Fans nach dem beeindruckenden 3:1 (0:1)-Erfolg gegen das favorisierte, aber vor allem in der zweiten Hälfte chancenlose Team von RW Essen auf den BSC-Coach herunterprasselte, ist dem 37-Jährigen nicht geheuer. Die Neuzugänge Vincent Stenzel (51.), der erneut stark spielende Innenverteidiger Cedric Mvondo (74.) und Hamza Salman in der Nachspielzeit sorgten nach der Essener Führung durch Philipp Zeiger (23.) für die Wende.

Vor allem die Art und Weise, wie der BSC Ball und Gegner kontrollierte, und die Wucht, mit der Robin Schmidt & Co. die gegnerische Abwehrreihe in den zweiten 45 Minuten bespielte, rissen die ansonsten eher zurückhaltende BSC-Anhängerschaft mitunter von den Sitzen. Zschiesche selbst hatte die Fans zu Beginn der zweiten Hälfte aufgefordert, die eigene Mannschaft noch stimmgewaltiger anzufeuern. „Bis dahin waren fast nur die Essener zu hören. Gerade in dieser Phase hatten meine Jungs guten Zugriff“, meinte der angehende Fußballlehrer, der von Montag bis Mittwoch seine letzten Prüfungen in Hennef bestehen muss.

Spätestens mit dem 1:1 durch Stenzel war auch Zschiesche mit dem Spiel seiner Schützlinge zufrieden. „In der ersten Hälfte haben wir die Bälle zu früh verloren und sind nicht in unser Spiel gekommen“, sagte der Bonner Coach. Jammern auf hohem Niveau, denn schon in den Anfangsminuten rieben sich die BSC-Fans die Augen. Viel früheres Pressing, viel höheres Verteidigen, viel mehr Ballbesitz und ergo viel mehr Druck auf das gegnerische Tor verwunderten. „Die Jungs sollen mutiger Fußball spielen“, so Zschiesche.

Aber dennoch ging der Gegner in Führung. Die Ursache schien schnell ausgemacht. BSC-Schlussmann Martin Michel hatte den Ball über den Fuß ins Toraus rutschen lassen. Die anschließende Ecke von Benjamin Baier nutzte RWE-Kapitän Philipp Zeiger per Kopf. Für Zschiesche lag der Fehler weniger bei Michel als vielmehr bei Kris Fillinger. „Er hatte im Umkreis von zwölf Metern keinen Gegenspieler, hätte den Ball also nicht zurückspielen müssen“, fand der BSC-Trainer. Folglich gab es zur Pause trotz guter Leistung Redebedarf.

„Wir haben an einigen Stellschrauben gedreht“, verriet der Bonner Übungsleiter. Hieß: mal den sicheren Pass spielen und sich bei Standards besser konzentrieren. Das galt für ruhende Bälle des Gegners, aber auch für die eigenen Ecken und Freistöße. Querpässe kommen bei Zschiesche nicht in die Tüte. „Die sind verboten“, sagt er.

Den Siegeswillen und die Spielfreude der Gastgeber personifizierte vor allem Robin Schmidt. Der Stürmer traf zwar nicht selbst, war aber an zwei der drei Bonner Treffer direkt beteiligt. Beim 2:1 durch Stenzel hatte Schmidt zuvor den Pfosten getroffen. Das 3:1 durch Hamza Salman in der Nachspielzeit hatte er mit einem Lupfer vorbereitet. „Robin neigt dazu, sich zu sehr zurückzuhalten. Dass er es besser kann, haben wir am Freitag gesehen“, meinte Zschiesche, der auffällig wenig das Wort Abstiegskampf in den Mund nimmt. Wobei der 37-Jährige trotzdem die Relevanz der nächsten Aufgabe am Mittwoch (19.30 Uhr, Sportpark Nord) gegen den Tabellenletzten TV Herkenrath hervorhebt. „Das gute Spiel, die Tore und die Schulterklopfer vom Freitag nützen uns wenig, wenn wir nicht nachlegen.“