Nach Erfolg über RW Essen

BSC-Trainer Daniel Zillken bremst die Euphorie

Gute Haltungsnoten bekam Daniel Somuah definitiv nicht für seinen Schuss zum entscheidenden 1:0.

Gute Haltungsnoten bekam Daniel Somuah definitiv nicht für seinen Schuss zum entscheidenden 1:0.

Essen. Nach dem 1:0-Erfolg unter Flutlicht in Essen hofften die BSC-Spieler vergeblich auf einen freien Tag. Trainer Zillken setzte Training an, denn am Freitag steht im Abstiegskampf gegen Wegberg-Beeck ein Schlüsselspiel auf dem Terminplan.

Co-Trainer Michael Braun hielt es schon lange nicht mehr auf seinem Stuhl. Und Assistent Florian Mager gestikulierte ebenfalls wild in Richtung Schiedsrichter. Das gewohnte Gehabe, wenn eine Fußballmannschaft bei eigener knapper Führung den Abpfiff herbeisehnt. Dann endlich tat Schiedsrichter Jonas Seeland dem Tross des Fußball-Regionalligisten Bonner SC den Gefallen und pfiff die Begegnung zwischen Rot-Weiss Essen und dem BSC ab. Die Gäste hatten durch den Treffer von Daniel Somuah aus der 71. Minute vor 6111 Zuschauern im Essener Stadion an der Hafenstraße tatsächlich mit 1:0 gewonnen und ihr Konto auf 20 Punkte aufgestockt.

Somuah, der sein erstes Pflichtspiel in dieser Saison von Anfang an bestritt, hatte beim Tor des Abends von einem krassen Schnitzer des RWE-Innenverteidigers Tim Beck profitiert. Ein Fauxpas, der schließlich drei Punkte einbringen sollte, die den BSC im Abstiegskampf zunächst einmal aufatmen lassen– bis zum nächsten Freitag zumindest. Dann kommt Aufsteiger FC Wegberg-Beeck, der nach dem Coup an der Hafenstraße nun drei Punkte Rückstand auf den BSC aufholen muss.

Der Sieg vor am Ende restlos bedienten RWE-Fans basierte aber nicht nur auf einem Essener Fehler, sondern auch auf Willen, einer hohen Laufbereitschaft, taktischer Disziplin und „viel Mut“, wie BSC-Vorsitzender Dirk Mazurkiewicz hinterher zufrieden feststellte.

Betreuer, ausgewechselte und nicht zum Einsatz gekommene Spieler jedenfalls stürmten nach dem Schlusspfiff den Essener Rasen. Szenen, die es in dieser Form zuletzt im Pokalfinale gegen Fortuna Köln gegeben hatte. „Man hat heute Abend gesehen, dass wir den Abstiegskampf annehmen“, meinte Sebastian Spinrath, den BSC-Cheftrainer Daniel Zillken nach den Ausfällen von Kris Fillinger und Yannik Stoffels neben Dario Schumacher auf der Sechserposition aufgeboten hatte.

„Wir haben läuferisch viel geleistet und konnten auch in der Schlussphase noch die entscheidenden Wege gehen“, sagte Spinrath, der neben der Viererkette mit Adis Omerbasic, Nico Perrey, Mario Weber und Sebastian Hirsch sowie dem starken Schlussmann Alex Monath an diesem kalten Februarabend einer der Bonner Leistungsträger war.

Für Zillken gehören lange Wege allerdings zur Basisausstattung. „Wenn du die physische Stärke und Mentalität nicht hast, brauchst du hier gar nicht anzutreten.“ Die verständliche Freude und Euphorie seiner Spieler wollte der 50-Jährige nicht bremsen. „Aber noch haben wir nichts erreicht“, sagte der BSC-Coach. Die leise Hoffnung seiner Spieler, als Lohn der Mühen einen freien Samstag genießen zu dürfen, machte Zillken auf der Rückfahrt nach Bonn im Bus zunichte: „Schlaft gut und erholt euch. Morgen ist Training.“