Bonner SC

„War 'nen Versuch wert“

Steckte Millionen in den BSC – am Ende verließ er den Verein durch die Hintertür: Hans-Robert Viol.

Steckte Millionen in den BSC – am Ende verließ er den Verein durch die Hintertür: Hans-Robert Viol.

Bonn. Was macht eigentlich Hans Viol? 16 Jahre Präsident, Mäzen, Fluch und Segen, aber kaum noch Kontakt zum BSC.

Wer Hans Viol anruft, fragt sich unweigerlich, an welcher Ecke der Welt das Gespräch wohl entgegengenommen wird. Man denkt an Simbabwe, an Italien, an Kanada, an Kuba, an Polen oder an die Schweiz. Stationen, an denen der umtriebige Unternehmer Marmor und Granit kaufte, verkaufte und abbaute. Oder nach Fußballern für den Bonner SC Ausschau hielt. Aber diesmal wird es ein Ortsgespräch. Viol ist in Bonn.

Das passt ganz gut, denn Viol, das war mal der BSC. Und der BSC ist im Moment wieder wer. Viol war Präsident, Mäzen, Alleinunterhalter, Fluch und Segen. Fast 16 Jahre lang bis 2011. Viele Millionen steckte er in den Verein, aber am Ende ging er durch die Hintertür. Jetzt, da es dem BSC wieder gut geht, könnte man sich eigentlich die Hand reichen. Vielleicht im Rahmen der Aufstiegsfeier nach dem letzten Saisonspiel gegen Hennef (15 Uhr, Sportpark Nord). Eine Begrüßung über Lautsprecher, ein Dank, beste Wünsche für den weiteren Lebensweg – aber Viol weiß nicht einmal, ob er am Sonntag im Stadion sein wird. Die meisten Kontakte sind eingeschlafen.

Sein letztes BSC-Spiel sah Viol vor einem halben Jahr. „War nicht so begeisternd“, meint er. Wer der Gegner war, hat er vergessen. Um Weihnachten herum tauchte er dann kurz auf der Geschäftsstelle auf. „Älter ist der John geworden“, sagt Dietmar Sebus, der dort seit mehr als 20 Jahren sitzt. Sebus gehört zu den wenigen, die noch Kontakt haben. John – so nennt sich Viol nach wie vor, obwohl er eigentlich Hans-Robert heißt.

Im September wird er 70, und die Sache mit der eigenen Endlichkeit beschäftigt ihn gerade. Allerdings aus einem anderen Grund: „In Kanada hatte ich einen schweren Autounfall“, erzählt er. „Zweimal überschlagen, drei Rippen gebrochen. Mensch, dann kriegst du vor Augen geführt, wie schnell es vorbei sein kann.“

Viol ist immer noch viel unterwegs, handelt mit Steinen. „Im Moment bin ich dabei, meine Bestände zu verkaufen“, sagt er. „Wenn das geschafft ist, könnte ich mich zur Ruhe setzen.“ Doch Ruhe oder sogar Ruhestand sind nichts für ihn. „Das Leben ist zu kurz, um zu ruhen. Man muss es genießen.“

Was den Genuss angeht, mag da ein gewisser Nachholbedarf bestehen. Die 16 Jahre beim BSC waren nicht vergnügungssteuerpflichtig. 1995 trat Viol an, um den Verein wieder in die 2. Bundesliga zu bringen. 2011 endete das Unternehmen mit einem Insolvenzverfahren und dem Sturz in die Landesliga. In der Zeit dazwischen schrieb Viol die Geschichte eines Fußballverrückten, der Gutes tun wollte und dabei das meiste falsch machte. Der dem BSC ein Gesicht gab, aber kein vertrauenerweckendes. Der Dutzende Trainer und Hunderte Spieler kommen und wieder gehen sah. Der sich wirklich engagierte, doch dabei seinen Ruf ruinierte.

Nichts illustriert die Person Viol besser als die Kuba-Geschichte: 1998 war es, als er die kubanische Nationalelf für den BSC auflaufen lassen wollte. Die komplette Mannschaft. In der Oberliga. Das sorgte zwar weltweit für Aufsehen, aber auch für Misstrauen. Und war zudem schlampig vorbereitet. Der damalige Regierungspräsident und Kuba-Freund Franz-Josef Antwerpes witterte „Sklavenhandel“ und torpedierte den Coup mit Erfolg. Wieder mal zu viel gewollt. Nicht zum ersten Mal. Und nicht zum letzten Mal.

Der BSC im Jahr 2016 ist da anders. Der Bald-Regionalligist will in kleinen Schritten vorankommen, baut auf kleine Sponsoren, schwingt keine großen Reden. Viol beobachtet die Entwicklung „mit Freude“, aber auch mit Skepsis: „Mit diesem Etat ist der BSC in der Regionalliga ein Abstiegskandidat“, sagt er. „Ich verstehe nicht, dass die großen Unternehmen nicht einsteigen. Aber das war ja auch das Problem in meiner Zeit.“

Knapp zehn Millionen Euro hat er nach eigener Aussage in den Verein gesteckt. Er hätte sie auch in den Rhein werfen können. Zehn Millionen – und in die Landesliga gestürzt. „War 'nen Versuch wert“, sagt Viol. „Je ne regrette rien.“