Telekom Baskets Bonn
75:74 in Bamberg - Bonner gewinnen beim haushohen Favoriten
BAMBERG. Man kann mit Fug und Recht von einer Sensation sprechen. Die Telekom Baskets Bonn haben das erste Viertelfinalspiel im Kampf um die deutsche Basketballmeisterschaft beim haushohen Favoriten Brose Baskets Bamberg mit 75:74 (16:18, 17:17, 13:20, 29:19) gewonnen und führen in der "best of five"-Serie mit 1:0.
Entsetzen beim Meister und Pokalsieger der vergangenen beiden Jahre, der seit 43 Spielen in eigener Halle ungeschlagen war, völlig losgelöster Jubel bei den Bonnern. Als Benas Veikalas mit der Schlusssirene den vom Ring abspringenden Ball ins Netz getippt hatte, stürmten Spieler, Trainer und Betreuer aufs Parkett und fielen einander immer wieder um den Hals. "Auswärtssieg, Auswärtssieg", skandierten die rund 50 mitgereisten Fans, die es noch gar nicht fassen konnten. "Jetzt müssen wir unseren Hardtberg verteidigen", blickte Baskets-Guard Andrej Mangold schon auf das zweite Spiel am kommenden Mittwoch (19.30 Uhr) im Telekom Dome.
Es haben sich schon mal deutlich mehr Fans der Telekom Baskets Bonn auf die Reise nach Bamberg gemacht, wenn es in den Play-offs zu den Brose Baskets ging. Zum einen wurde das Spiel live auf Sport1 übertragen, zum anderen waren die Siegaussichten des fünfmaligen Vizemeisters wahrscheinlich so schlecht wie noch nie. Keine Chance wurde den Bonnern von der überwiegenden Mehrheit im Vorfeld gegeben. Nur Trainer Mike Koch hatte gesagt: "Keine Chance - gibt es nicht." Und dann zeigten die Baskets eine fantastische Leistung, die verdient mit dem Sieg belohnt wurde.
Nach einem schnellen 2:12-Rückstand der Gäste schien noch alles seinen gewohnten Gang zu nehmen. Doch dann häuften sich Bamberger Fehlwürfe, hakte es im Spiel der Franken, weil die Bonner die Ruhe bewahrten und nach einer Auszeit von Mike Koch konzentrierter und aggressiver zurück aufs Feld gekommen waren. Mit wechselnden Verteidigungen, oft mit einer Zonendeckung, und mit schnellen Händen erzielten sie bei ihrem Gegner Wirkung.
Und vorne versuchten sie, den Ball konsequent ans Brett zu bekommen, wo Chris Ensminger nach anfänglichen Problemen besser ins Spiel kam. Baskets-Spielmacher Jared Jordan kurvte immer wieder durch die Zone der Gastgeber, Talor Battle tat es ihm gleich. Ziel war es, Bewegung in die Abwehrreihen Bambergs zu bekommen. Das gelang, und dann ergaben sie einige freie Würfe, die die Baskets auch nutzten. Mit einem 12:2-Lauf glichen sie zum 14:14 (8.) aus. Simonas Serapinas hatte zwei seiner drei Dreier vor der Pause versenkt. Den Rest besorgten Ensminger und Battle. Es wurde merklich ruhiger in der mit 6800 Zuschauern ausverkauften Stechert Arena.
Man sah das deutliche Bemühen auf Bamberger Seite, aggressiver zum Brett zu ziehen, doch Bonn war jetzt im Spiel und hellwach. Den 16:20-Rückstand konterten die Baskets mit einem 7:0-Lauf zur eigenen 23:20-Führung. Zur Pause stand ein knapper 33:35-Rückstand zu Buche und die Erkenntnis, dass man mit dem haushohen Favoriten auf Augenhöhe spielte.
Bamberg machte allerdings nach dem Seitenwechsel erwartungsgemäß mehr Druck. Innerhalb weniger Minuten baute der Champion seinen Vorsprung auf 45:35 aus. Aber auch diesmal knickten die Bonner nicht ein, zogen ihre Verteidigung konsequent durch. Wäre nicht die individuelle Klasse eines Brian Roberts, Anton Gavel oder Predrag Suput gewesen, hätten die rheinischen Baskets wohl schon früher verkürzt.
Das sollte sich nach dem 46:55 nach Ende des dritten Viertels ändern. Mit einigen entschlossenen Abwehraktionen und schönem Zusammenspiel kam Bonn zu einem 10:0-Lauf und zur eigenen Führung: 56:55. Ob Serapinas aus der Distanz, Jordan oder Battle - die Verantwortung für die Punkte war gut verteilt. Bitter war allerdings, dass Ensminger das vierte Foul kassierte. Der Routinier blieb auf dem Feld, musste sich aber zurückhalten. Sein Gegenüber Tibor Pleiß nutzte dies zum 66:60 für Bamberg. Bewundernswert, wie die Bonner immer wieder Antworten fanden. Tony Gaffney mit einem Dunking, Benas Veikalas mit Freiwürfen, Simonas Serapinas mit fünf Punkten in Folge, dann wieder ein Dunk von Gaffney und ein Korbleger hinterher - 30 Sekunden vor dem Ende lagen die Baskets mit 73:72 in Front. Die Sensation lag in der Luft.
Dramatischer konnte es nicht werden. Casey Jacobsen konterte zum 73:74. 17 Sekunden waren noch zu spielen, und die Bonner konnten mit dem letzten Angriff das Spiel entscheiden. Im letzten Augenblick tat sich die Lücke in der Bamberger Abwehr auf. Battle zog zum Korb, schloss ab, traf aber nicht. Nach wilden Rebounds war es schließlich Veikalas, der die Finger zuletzt am Ball hatte.
Die Statistik: Brose Baskets Bamberg: Suput 9 Punkte, Tadda, Jenkins, Neumann, Pleiß 10, Robertson 13/1 Dreier, Jacobsen 13/1, Tucker 14, Gavel 13.
Telekom Baskets: Serapinas 17/5, Ensminger 8, Veikalas 7/1, Mangold 2, Thülig, Jordan 16, Gaffney 13, Battle 12,Wohlfarth-Bottermann.
Trefferquote: Bamberg 50 Prozent (31/62), Bonn 48 Prozent (31/64). Dreierquote: Bamberg 20 Prozent (2/10), Bonn 40 Prozent (8/20). Freiwurfquote: Bamberg 91 Prozent (10/11), Bonn 100 Prozent (5/5). Assists: Bamberg 7, Bonn 21 - Bester: Jordan 7. Rebounds: Bamberg 37 - Bester: Pleiß 12, Bonn 24 - Beste: Serapinas, Veikalas, Gaffney je 4. Ballverluste: Bamberg 18, Bonn 13. Ballgewinne: Bamberg 5, Bonn 9. Fouls: Bamberg 14, Bonn 20.
Play-off-Runde BBL, Viertelfinale, 1. Spiel:
- Bamberg - Tel. Baskets 74:75
- Ulm - Braunschweig Sa. 19.00
- Artland - Bayern München Sa. 20.00
- Alba Berlin - Würzburg So. 18.00
Artikel vom 03.05.2012


