Größte Sportereignis der Region

Viele Spaßläufer starten beim Deutsche Post Marathon Bonn

BONN. Das größte Sportereignis der Region lockt 13.000 Läufer und eine sechsstellige Zuschauerzahl an. Vom Spitzensport hat sich Bonn verabschiedet. Warum, das erklärt Renndirektor Thomas Eickmann.

Thomas Eickmann hat viel zu erzählen. Und wenn er gefragt wird, dann plaudert der Sportliche Leiter des Leichtathletik-Zentrums (LAZ) Puma Rhein-Sieg, der seit etlichen Jahren als sogenannter Renndirektor die Topathleten rund um den Marathon in Bonn betreut, mitunter sehr gerne und ausführlich aus dem Nähkästchen. Wie am Donnerstag nach der Pressekonferenz zum bevorstehenden 18. Deutsche Post Marathon, der an diesem Sonntag bei wohl besten äußeren Bedingungen etwa 13.000 Läuferinnen und Läufer auf sowie eine sechsstellige Zuschauerzahl an die Strecke locken wird.

Eickmann zählte vor 30 Jahren zu den besten deutschen Marathonläufern. Die Qualifikation für die EM 1986 in Stuttgart hatte der Siegburger hauchdünn verpasst. Doch wenige Wochen später schlug seine persönliche Sternstunde. Ende September lief der damals 24 Jahre alte Eickmann in Berlin seine persönliche Bestzeit von 2:13:24 Stunden – damit steht er auch heute immerhin noch an Position 30 der ewigen deutschen Bestenliste.

„Damals habe ich null Antrittsgage bekommen – keinen Pfennig. Nur die Übernachtung wurde mir bezahlt“, erzählt Eickmann im Hotel Königshof, dem Domizil der Marathon-Organisatoren. Und: „Immerhin 1500 Mark Prämie habe ich mitgenommen.“ Bloß olle Kamellen? Keineswegs. Denn manchmal erhellt ein Blick zurück das Verständnis für die Entwicklung eines Sports – und in diesem Fall sogar der Gesellschaft.

Leistungen junger Läufer nehmen ab

„Die Leistungsdichte hat massiv abgenommen“, sagt Eickmann zum Zustand der deutschen Langstreckenlaufszene. Der deutsche Marathonrekordler Arne Gabius – ein Mediziner, der sich in seinen Trainingslagern stark international orientiert – thront mit seiner Bestmarke (2:08:33 im Jahr 2015) einsam an der Spitze, dahinter klafft eine große Lücke. Eickmann sieht eine Hauptursache der Ausdünnung darin, „dass die sportliche Leistungsfähigkeit der jungen Leute von Generation zu Generation extrem abgenommen hat – wegen des Bewegungsmangels der Kinder“. Und die andere darin, „dass wir eine Spaßgesellschaft geworden sind“.

Wirklich quälen wolle sich keiner mehr. Auch der Bonner Marathon sei inzwischen „eine Fun-Veranstaltung“. Was der frühere Profiläufer dank damaliger Bundeswehranstellung nicht abwertend verstanden wissen will: „Es ist etwas sehr Positives, dass immer mehr Menschen laufen – insofern leisten Veranstaltungen wie der Deutsche Post Marathon wichtige Beiträge für die allgemeine Volksgesundheit.“ Was Eickmann allerdings bedauert und als Kritik an die Adresse des Deutschen Leichtathletik-Verbandes verstanden wissen will: „Dass es uns nicht gelingt, ein Konzept zu etablieren zur Entwicklung von Leistungssportlern aus dieser breiten Basis.“

Teamerlebnis für viele im Vordergrund

Der Begeisterung der Läufer, die am Sonntag ab 8.30 Uhr in Bonn an den Start gehen, tut das keinerlei Abbruch. Für sehr viele steht ohnehin das Teamerlebnis im Vordergrund. Insbesondere den Staffelläufern ist im Ziel auf dem Marktplatz die reine Freude an der Bewegung im Gesicht abzulesen.

Eickmann trainiert als Mann an der Basis in seinen LAZ-Trainingsgruppen einerseits ambitionierte Breitensportler, andererseits das Gros der Top-Ausdauersportler aus der Region. Drei von ihnen werden am Sonntag vorn mitmischen: Christian Schreiner im Halbmarathon und Dennis Klusmann sowie Sigrid Bühler über die volle klassische Distanz von 42,195 Kilometern. „Es ist schön, dass sie sich ihren Freunden und Familien hier im Rennen um die Podiumsplätze präsentieren können“, findet Eickmann. Das vermittle Wertschätzung – eine positive Folge des „Bonner Bekenntnisses zum Breitensport“ (Marathon-Sprecher Kai Meesters). Dazu passen die Vergabe von Stadtmeistertiteln und der Anreiz durch kleine Prämien für die Altersklassensieger.

Afrikaner trotz niedriger Preisgelder dabei

Antrittsgelder werden nicht gezahlt, die Siegprämien (Marathon 500 Euro, Halbmarathon 300 Euro) fallen überschaubar aus. Dennoch haben sich afrikanische Teilnehmer aus der zweiten Reihe als Siegaspiranten angekündigt: bei den Männern Dickson Kurui aus Kenia (Bestzeit 2:25:14 Stunden) und bei den Frauen Sintayehu Kibebo aus Äthiopien (2:42:14).

Ob Topathlet, ambitionierter Freizeitläufer oder Genussläufer, allen hilft der Rat des Experten für den Tag vor dem Rennen: „Das beste Training ist jetzt, faul zu sein und die Füße hochzulegen“, sagt Eickmann. Denn: „Was man kurz vorher nicht in den Beinen hat, das lässt sich nicht aufholen.“