Peter Draisaitl

Trainer sorgt sich um Schlagkraft der Kölner Haie

Körperlich sehr präsent: Der neue Haie-Stürmer Steve Pinizzotto (rechts).

Körperlich sehr präsent: Der neue Haie-Stürmer Steve Pinizzotto (rechts).

KÖLN. Die Kölner Haie stehen vor dem Start in die neue Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Wenige Tage vor dem Auftaktspiel gegen Augsburg sorgt sich Haie-Trainer Peter Draisaitl um die Durchschlagskraft der Kölner Sturmreihen.

Das hatten sich Trainer Peter Draisaitl und Manager Mark Mahon etwas anders vorgestellt. Nach dem personellen Umbruch im Sommer sollte sich der neue Kader in der Vorbereitung auf dem Eis einspielen und neben dem Eis als Mannschaft finden. Während die Teambuilding-Maßnahmen die richtige Entwicklung angestoßen haben, verlief die Vorbereitung zunächst holprig. In keinem der Testspiele (vier Siege/sechs Niederlagen) konnte Draisaitl auf seine komplette Line-up zurückgreifen, wodurch vor allem die Sturmreihen ihre Abläufe kaum einstudieren konnten. Durch zuletzt drei Siege gegen Wolfsburg (4:2), Frankfurt (3:1) und Mannheim (5:1) fanden die Haie besser in die Spur und statteten sich mit etwas Selbstvertrauen für den DEL-Auftakt am Freitag (19.30 Uhr, Lanxess Arena) gegen Augsburg aus.

Neuzugänge: Weil von den Neuen immer wieder welche angeschlagen ausfielen, fällt eine Einordnung noch schwer. Immerhin hat Offensivverteidiger Morgan Ellis mit Kapitän Moritz Müller die perfekte Absicherung gefunden. Hier stimmt die Chemie. Allerdings muss Ellis mit seinen ansatzlosen Schüssen noch häufiger zum Abschluss kommen. Tobias Viklund hat läuferisch alle Erwartungen erfüllt, neigte aber zu leichten Puckverlusten. Auch im Abschluss und in puncto Spielhärte hat der Schwede noch Luft nach oben. Try-out-Verteidiger Austin Madaisky blieb eher unauffällig. Da Ellis Sechs-Spiele-Sperre aus Schweden für die DEL aufgehoben ist, wird der Deutsch-Kanadier einen schweren Stand haben.

Im Sturm müssen die Kölner noch bis Jahresende auf Marcel Müller warten, der nach seinem Kreuzbandriss immerhin in voller Ausrüstung das erste Mal auf dem Eis war. Steve Pinizzotto hat die Erwartungen erfüllt. Der Ex-Münchner zeigt körperliche Präsenz, ist stark an der Bande und bei Überzahl vor dem gegnerischen Tor. Auch Alexander Oblinger gibt den Haien mit seinem einfachen, körperbetonten Spiel in der vierten Reihe, was sie erwartet haben. Top-Center Colby Genoway deutete an, welchen Wert er als Verteiler haben kann. Der 34-jährige Kanadier war allerdings viel verletzt. Genau wie Jason Akeson, der mit Pinizzotto und Genoway die erste Reihe komplettiert. Der Kanadier braucht einen Shooter neben sich, um seine Abschlussqualitäten zur Geltung bringen zu können. Fabio Pfohl war zunächst verletzt, präsentierte sich dann stark. Der Heimkehrer hat mit Felix Schütz einen kongenialen Partner gefunden.

Dem dritten neuen Mittelstürmer Mike Zalewski fehlte etwas der Biss. Positiv überraschen konnten die neuen, jungen, deutschen Spieler, allen voran Lucas Dumont und Robin Palka.

Das macht Mut: Das Torwartspiel ist schon auf hohem Niveau. Sowohl die Nummer eins Gustav Wesslau als auch Back-up Hannibal Weitzmann überzeugten bei ihren Einsätzen. Außerdem fiel auf, dass die Haie als Team wieder besser verteidigen als vergangene Saison. Auch der von den Verantwortlichen in den Fokus gerückte Prozess der Teamfindung hat in der Vorbereitung Fahrt aufgenommen und mit der Wahl von Moritz Müller zum Kapitän ein erstes Ausrufezeichen gesetzt.

Problemzonen: Die Offensive konnte sich aufgrund der vielen Verletzungen noch nicht finden. „Wir schießen noch zu wenige Tore“, kritisierte Manager Mark Mahon. Ein Pro-blem, das die Haie seit Jahren verfolgt. In den Special Teams hat sich das Powerplay im Laufe der Vorbereitung gesteigert. Das Penalty Killing dagegen ist ausbaufähig, zumal die Haie noch zu undiszipliniert agierten und zahlreiche Strafen nehmen mussten. Die neue Stockschlag-Regel bereitete den Kölnern einige Probleme.

Worauf kommt es an? Für ein erfolgreiches Abschneiden der Haie wird entscheidend sein, wie lange die neuen Sturmreihen benötigen, um sich zu finden und die nötigen Tore zu erzielen. Denn Tore brauchen die Kölner, um ihr Publikum hinter sich zu bringen und die Vorgaben der Clubführung zu erfüllen. Die lauten: Werte der Haie leben, füreinander und leidenschaftlich auftreten. Spannend dürfte in diesem Zusammenhang zu beobachten sein, ob alle Spieler im Kader ihre neuen Rollen akzeptieren.