Probetraining

Radprofi Christian Knees tauscht Rad gegen Ring

Rheinbach. Radprofi Christian Knees folgt der Einladung von Kickbox-Weltmeisterin Sarah Liegmann und tauscht für einen Tag sein Rennrad gegen die Boxhandschuhe.

Der Mund ist weit aufgerissen, der Brustkorb bewegt sich in schnellem Rhythmus auf und ab, Schweiß steht auf der Stirn. Das Bild wirkt vertraut. Kein Wunder, im Sommer hat Radprofi Christian Knees auf seinem Rennrad in ähnlicher Manier Alpen und Pyrenäen erklommen. An seiner Seite: der spätere Tour-de-France-Sieger Chris Froome. Als Edelhelfer des Teams Sky hatte Knees maßgeblichen Anteil am Erfolg des Briten. Nicht nur bei der Tour. Auch die Vuelta gewann Froome dank der Hilfe des Rheinbacher Radprofis.

Doch an diesem Abend schwitzt Knees nicht auf seinem Drahtesel in den 21 Serpentinen von Alpe d'Huez, der 36-Jährige ist Gast von Sarah Liegmann. Die 15-Jährige kommt ebenfalls aus Rheinbach, ist sechsfache Weltmeisterin, aber eben kein Radprofi. Liegmann ist Kickboxerin. Sie hat den deutschen Meister von 2010 in die Trainingshalle von Tomburg Boxing Rheinbach beordert. „Wir haben uns auf der GA-Sportlergala kennengelernt“, erklärt Liegmann. Die Schülerin war bei der Jahreswahl auf Rang drei, einen Platz vor Knees gewählt worden.

„Wir sind über Facebook in Kontakt geblieben und dann haben wir ihn einfach zum Training eingeladen.“ Einfach ist die Übungseinheit für Knees allerdings nicht. Die Skippings, kleine schnelle Schritte auf der Stelle, gepaart mit Schlägen auf Kopfhöhe strengen den Radprofi sichtbar an. Dazu kommen die strengen Anweisungen von Coach Sebastian Breidbach. Aber die Einheit kommt Knees willkommen. „Gerade jetzt in der Winterzeit geht es bei mir um die allgemeine Fitness“, so der 36-Jährige. „Da macht man schon mal ausgefallene Dinge.“

Seit acht Jahren gibt es den Verein in Rheinbach. Neben Liegmann hat das Trainerteam um Willi Zinken auch weitere Athleten an die nationale und internationale Spitze geführt. „Ich habe natürlich mitbekommen, dass es hier in Rheinbach einen so erfolgreichen Verein gibt“, sagt Knees.

 „Insofern habe ich die Einladung natürlich gerne angenommen.“ Das Aufwärmen hat es bereits in sich. Neben kleineren Schnellkraft- und Ausdauerübungen steht natürlich auch Dehnen auf dem Programm. Eine weitere Herausforderung für den Schlaks. Für Liegmann sind die Übungen reine Routine. Seit genau vier Jahren betreibt sie Kickboxen.

Und das erfolgreich. Neben den sechs WM-Erfolgen, gewann die Rheinbacherin Titel bei Europa- und deutschen Meisterschaften. Mittlerweile fühlt sie sich auch im Boxen sehr wohl. Knees fällt der Bewegungsablauf noch ein wenig schwer. „Koordinativ ist das mit den Armen eine echte Herausforderung.“ Herausforderungen ist der Radprofi gewohnt.

Im vergangenen Jahr hat er mehr als 30000 Kilometer mit dem Rad bewältigt, alleine 3500 bei der Tour. Allerdings vertraut er in der Regel dabei auf die Kraft seiner Beine. Der Einsatz der Fäuste ist da eher unbekannt. „Deckung hochalten“, ermahnt Trainer Breidbach den Neuling deswegen auch immer wieder, als sich Knees im Trainingskampf befindet. „Christian, du stehst zu offen. Nimm die Arme hoch. Sonst fängst du die nen Haken.“

Angst vor einem Haken hat der Radprofi genauso wenig, wie vor der großen Schleife. „Ich hatte erst Sorge als Punchingball zu dienen“, sagt er lachend. „Nein, die Handschuhe sind ja extrem gut gepolstert und man geht hier sehr nett mit mir um.“ Das ist kein Wunder. Für Sarah Liegmann und den Rheinbacher Verein ist der Besuch des Radsportlers eine Ehre.

„Natürlich kennt man sich ja in Rheinbach. Aber ich habe auch mitbekommen, was Christian bei der Tour in Frankreich auf dem Rad so alles gemacht hat.“ Die beiden Sportler begegnen sich und ihrer Disziplin mit einer gehörigen Portion Respekt. „Er ist ein druchtrainierter Profi. Von daher war mir schon klar, dass er das ganz gut macht“, sagt Liegmann.

Und dennoch scheint Froomes Edelhelfer am Sandsack an seine Grenzen zu stoßen. Kein Wunder. Immer wieder sollen die Sportler im schnellen Rhythmus eine Salve an Schlägen abfeuern. Erst eine, dann zwei bis hin zu 20 Geraden. Dann wieder rückwärts fortlaufend bis zu einem Hieb. Knees pumpt. Aufgeben? Auf gar keinen Fall.

Im Gegenteil: Der 36-Jährige kann sich vorstellen, weitere Trainingseinheiten in Rheinbach zu absolvieren. Und auch beim Verein hat man Großes mit ihm vor. „Er ist ein fittes Kerlchen“, sagt Breidbach und mit einem Augenzwinkern: „Er müsste nächste Woche nochmal zum Training kommen, dann kann er in Rheinbach in einer Halle einen großen Fight machen.“ An einen Sportartenwechsel denkt Knees nicht. Noch mindestens zwei Jahre will er für das Team Sky fahren. Genug Zeit für eine Revanche: Knees hat Liegmann zum „Rückspiel“ auf dem Rennrad eingeladen.