Runderneuertes Eishockey-Team

Kölner Haie wollen keine blutleeren Auftritte mehr

Dienstältester KEC-Profi und seit Saisonbeginn wieder Haie-Kapitän: Moritz Müller.

Dienstältester KEC-Profi und seit Saisonbeginn wieder Haie-Kapitän: Moritz Müller.

KÖLN. Das runderneuerte Eishockey-Team der Kölner Haie ist in der neuen DEL-Saison kein Titelkandidat, will die Fans aber begeistern.

Es fühlt sich ganz anders an. Moritz Müller spürt das jeden Tag, wenn er das Trainingszentrum der Kölner Haie betritt. „Die Stimmung ist sehr gut“, sagt der 31-Jährige. „Die Jungs sitzen viel in der Gruppe zusammen, erzählen und haben Spaß.“ Es ist das Gegenteil dessen, was der Verteidiger in der vergangenen Saison miterleben musste. Einer Spielzeit, in der der KEC ein Team beisammen hatte, das nur auf dem Papier eines war. Am Ende eines von Streitigkeiten in der Kabine überschatteten Jahres stand für die Kölner das abermalige Scheitern im Playoff-Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Und die Erkenntnis, dass es so einfach nicht weitergehen konnte.

Also wurde der Kader komplett umgekrempelt. Zwölf Spieler haben den Verein verlassen, 14 kamen neu hinzu. Die Eindrücke, die die runderneuerte Kölner Mannschaft während der sechswöchigen Vorbereitung auf die am Freitag gegen die Augsburger Panther beginnende Saison 2018/19 hinterlassen hat, machen Müller Mut. „Im Moment passt alles. Wir haben Typen in der Mannschaft, die mitmachen, und junge Spieler, die sich für nichts zu schade sind. Und wir arbeiten auf dem Eis sehr konzentriert.“

Eine Einschätzung, die Peter Draisaitl teilt. „Ich bin sehr zufrieden mit dem, was wir von der Mannschaft bekommen. Die Trainingsleistung war vom ersten Tag an gut, das findet man selten“, lobt der 52-Jährige vor seiner ersten kompletten Saison als Coach des KEC. Gemeinsam mit Sportdirektor Mark Mahon („Wir sind bereit, leidenschaftlich aufzutreten“) hat Draisaitl während der Sommerpause einen Kader zusammengestellt, der blutleere Auftritte der Vergangenheit angehören lassen soll. „Wir wollen ein Team stellen, mit dem sich die Kölner identifizieren können und auf das man stolz sein kann“, erklärt Draisaitl und fügt den wohl entscheidenden Satz hinzu: „Wenn uns das gelingt, mache ich mir um unsere Konkurrenzfähigkeit keine Gedanken.“

Auf die Formulierung eines konkreten sportlichen Saisonziels verzichtet der Trainer bewusst. Draisaitl übt sich lieber in Demut. Aus gutem Grund. „Viel haben wir in den vergangenen Jahren nicht gewonnen.“ Der letzte Meistertitel liegt 16 Jahre zurück. Seitdem haben es die Haie nur auf vier Final-Teilnahmen gebracht. Zuletzt betrug der Rückstand auf die Top Drei der DEL nach Abschluss der Hauptrunde niederschmetternde 23 Zähler. „Das war eine Welt“, gesteht Draisaitl. „Unser Ziel ist es, die Lücke zu den Topteams zu schließen.“ Gelingen soll dies in erster Linie über mannschaftliche Geschlossenheit. Wohl auch, weil sich das neue Haie-Aufgebot auf dem Papier qualitativ schwächer besetzt liest als das der abgelaufenen Spielzeit.

Was sich mit ausgeprägtem Teamspirit alles erreichen lässt, hat Moritz Müller im Februar bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang erfahren. Als krasser Außenseiter gestartet, gewann die deutsche Nationalmannschaft sensationell Silber. „Wir hatten die perfekte Mannschaft beisammen“, sagt Müller, dem der Triumph in Südkorea in mehrfacher Hinsicht gut tat. „Das war Seelenheil, etwas in den Händen zu halten, das bleibt. Seitdem bin ich gelassener und selbstbewusster geworden.“ Und wieder Kapitän der Haie. Ein Amt, das der dienstälteste aktuelle KEC-Profi schon von 2015 bis 2017 innehatte und das er nun nicht ohne weiteres ein zweites Mal antrat. „Grundvoraussetzung war, aus dem Team heraus bestimmt zu werden und den Rückhalt des Trainers zu spüren. Das war nicht immer so“, sagt der Defensiv-Spezialist, der seinen Vertrag bei den Kölnern unlängst bis 2022 verlängert hat.

Dass der KEC den Abstand zu den DEL-Schwergewichten München, Berlin und Nürnberg aber nicht nur über Willen, Leidenschaft und Kampf wird wettmachen können, darüber ist sich auch Moritz Müller im Klaren. „Wir wissen, dass wir an Ergebnissen gemessen werden.“