Interview mit Jens Voigt

"Jetzt gibt es hier endlich wieder ein eigenes großes Rennen"

Bonn. 2006 hat Jens Voigt die Deutschland-Tour noch gewonnen, für den WDR hat er am Donnerstag als Co-Kommentator die erste Etappe der Neuauflage der D-Tour nach Bonn begleitet. Sebastian Knauth und Simon Bartsch haben mit dem Radprofi gesprochen.

Herr Voigt, die Deutschland-Tour ist nach zehn Jahren Abstinenz wieder zurück. Wie wichtig ist die Rundfahrt für den deutschen Radsport?

Jens Voigt: Sehr wichtig. Der Radsport ist in Deutschland ja populär. Jetzt gibt es hier endlich wieder ein eigenes großes Rennen. Das sollte noch mehr Aufmerksamkeit akquirieren. Zehn Jahre Pause sind mehr als genug.

Uns überrascht es, Sie hier in Bonn anzutreffen.

Voigt: Ich bin als Botschafter für die „kinder+sport mini Tour“ als Botschafter im Einsatz. Wir versuchen, Jugendlichen und Kindern den Spaß an Bewegung zu vermitteln. Mir liegt dort der Radsport am Herzen. Mit sechs Kindern scheine ich die nötige Qualifikation mitzubringen.

Sie haben die Deutschland-Tour 2006 gewonnen. Welchen Stellen wert hat sie für die Profis?

Voigt: Für mich als deutschen Fahrer war es wichtig, dieses „Heimrennen“ zu gewinnen. Vor den eigenen Fans war es natürlich etwas anderes als bei der Tour de France.

2005 waren Sie ebenfalls mit dabei, als die D-Tour in Bonn angekommen ist. Welchen Erinnerungen haben Sie an die Bundesstadt?

Voigt: Ich kann mich sehr gut erinnern. Wir waren mehrmals in der Region. Damals war das Wetter aber nicht so gut wie heute.

Die Fahrer fahren morgen von Bonn Richtung Meckenheim und schließlich durch das idyllische Ahrtal. Wie viel Zeit haben die Profis für die beeindruckende Idylle?

Voigt: Das Rennen wird dieses Jahr von Beginn an offensiv gefahren. Es sind viele gute Nachwuchsfahrer am Start, die ihre Chancen eher in den Ausreißversuchen suchen werden. Daher wird morgen keine Zeit für die Schönheit des Ahrtals bleiben.

Haben Sie eine Vision, wo die D-Tour eines Tages stehen wird?

Voigt: Die vier Tage sind schon mal ein guter Test zum Auftakt. Ich kann mir vorstellen, dass die Struktur in einigen Jahren so wie bei einer Rundfahrt wie Paris – Nizza ist. Vielleicht werden dann mehr Regionen in Deutschland durchfahren.

Hat die Deutschland-Tour auf lange Sicht eine Chance, sich zu etablieren?

Voigt: Ja, auf jeden Fall. Mit der Amaury Sport Organisation, dem Veranstalter der Tour de France (Anmerkung der Redaktion), hat man einen starken Partner mit viel Erfahrung und finanzieller Stärke. So hat der Veranstalter die Chance, auf eine Art Planungssicherheit. Vielleicht gibt es ja wieder eine Tour von Berlin nach Bonn.

Woran liegt es, dass es in Deutschland so viele klasse Sprinter und Einzelzeitfahrer gibt, aber keine Klassementfahrer?

Voigt: Wir werden auch in den nächsten Jahren keinen deutschen Tour-Sieger mehr erleben. Im Jugendbereich sind die Rennen häufig im „Hot-Dog-Prinzip“ gestaltet. Das heißt, eine gerade Straße, die von einem Rundkurs umgeben ist. Dabei ist immer der kraftvolle Fahrer im Vorteil. In Italien sind die Jugendrennen in ihrem Profil breiter gestreut und dadurch anspruchsvoller.