„Die Tour bringt eine ganze Region zusammen“

Interview mit Sven Teutenberg

Sven Teutenberg

Sven Teutenberg

Der ehemalige Radprofi Sven Teutenberg gab den Anstoß, die berühmteste Rundfahrt der Welt nach Düsseldorf zu holen.

Eigentlich müsste das Einzelzeitfahren, mit dem die 104. Tour de France am Samstag startet, „Sven-Teutenberg-Rennen“ heißen. Es war die Idee des früheren Radprofis, die Tour nach Düsseldorf zu holen. Er konzipierte auch den schnellen Kurs. Die 198 Fahrer, die einzeln von der Rampe auf die Reise geschickt werden, absolvieren die 14 Kilometer in etwa 15 Minuten. Mit dem 44-jährigen Event-Direktor des Grand Départ in Düsseldorf, der 2001 selbst an der Tour de France teilnahm, sprach .

Herr Teutenberg, die Tour in Ihrer Heimatstadt – was löst das für Gefühle aus?

Sven Teutenberg: Wenn ich „wunderschön“ sage, ist das untertrieben. Ich hatte als Radsportler einen Wunsch: Einmal die Tour fahren, einmal ankommen. Das habe ich geschafft. Diese drei Wochen in Frankreich haben mich geprägt. Sie waren der Auslöser, dass ich gedacht habe: Kann man dieses Radsportfest, das Millionen Menschen fasziniert, nicht auch nach Düsseldorf holen?

Es hat gedauert.

Teutenberg: Ja. Ich hatte die Idee schon 2005 an den damaligen Oberbürgermeister Joachim Erwin herangetragen. Wir haben uns für 2010 beworben. Utrecht und Rotterdam waren die Mitbewerber. Wir waren auch schon sehr weit in den Planungen, als Herr Erwin krank wurde und dann 2008 starb. Keiner wollte danach eine Entscheidung dieser Größenordnung treffen. Die Pläne verschwanden in der Schublade. Rotterdam bekam den Zuschlag.

Und dann wurde Herr Geisel 2014 Oberbürgermeister.

Teutenberg: Ich habe ihn angeschrieben. Er ist ja sehr sportaffin, hat auch selbst einige Tour-Highlights mit dem Rad abgefahren und ist Marathon gelaufen. Er war angetan und hat das Projekt vorangetrieben. Wir waren im Herbst 2015 in Paris bei Tourchef Christian Prudhomme – und dann nahm die ganze Sache richtig Fahrt auf.

Wie viele Radfans erwarten Sie?

Teutenberg: Das ist natürlich wetterabhängig. Vielleicht eine Million, auch viele aus Holland und Belgien. Die Strecke ist sehr zuschauerfreundlich. Auf den 3,5 Kilometern beispielsweise von Start und Ziel an der Messe, die Rotterdamer Straße entlang bis zur Cecilienallee, kann man die Fahrer auf dem Hin- und Rückweg sehen, es ist schattig und es gibt genügend Gastroangebote.

Nach welchen Kriterien haben Sie den Kurs ausgesucht?

Teutenberg: Es sollte für die Fahrer eine schnelle Strecke sein mit nicht zu engen Kurven, und es sollte eine Strecke sein, die die Schönheiten Düsseldorfs zeigt. Rheinpanorama, kulturelle Highlights wie Oper und Museen – und natürlich die Königsallee. Die war Pflicht. Es sind vor allem die schönen Bilder bei der Fernsehübertragung, von der die Tour-Städte profitieren. Man sieht als Zuschauer halt nicht nur ein Stadion, sondern auch viel von der Landschaft.

Ist der Düsseldorfer ein Spätstarter? Noch scheint ein wenig die Begeisterung zu fehlen.

Teutenberg: Die kommt. Man sieht es auf den Straßen. Fahnen hängen, Schaufenster sind geschmückt, überall sind Feste geplant. Das ist das Schöne: Die Tour bringt eine ganze Region zusammen. Natürlich ist das mit einer Fußball-WM nicht vergleichbar. Die dauert auch vier Wochen und hat eine viel größere Lobby. Das ganze Land wird jetzt nicht ausflippen, weil die Tour zwei Tage durch Deutschland fährt.

Was soll hängenbleiben, wenn der Tour-Tross Düsseldorf wieder verlassen hat?

Teutenberg: Dass die Leute, die hier waren, gerne an dieses Event zurückdenken und vielleicht auch als Botschafter ihren Freunden und Bekannten erzählen, dass sich ein Besuch in Düsseldorf absolut lohnt. Auch wenn die Tour gerade nicht in der Stadt ist.