Kölner Haie

Haie entlassen Trainer Draisaitl

Überraschendes Ende: Trainer Peter Draisaitl muss trotz sportlichen Erfolgs bei den Haien seine Sachen packen.

Überraschendes Ende: Trainer Peter Draisaitl muss trotz sportlichen Erfolgs bei den Haien seine Sachen packen.

Köln. Der frühere Eishockey-Nationalspieler zeigt sich überrascht von der Trennung. Der Kanadier Dan Lacroix übernimmt bis Saisonende.

Als Peter Draisaitl am Montagvormittag zum Meeting auf die Geschäftsstelle gebeten wurde, wusste er nicht, was ihn erwartete. Nach dreiminütiger Gesprächsdauer war er schlauer – und nicht mehr Trainer der Kölner Haie. Einen Tag nach der 2:3-Niederlage beim ERC Ingolstadt verkündete die KEC-Führung die überraschende Entlassung des 53-Jährigen beim Tabellenfünften der Deutschen Eishockey Liga (DEL) um 13 Uhr dann auch offiziell.

„Ich habe es nicht kommen sehen, es gab keine Anzeichen“, zeigte sich Draisaitl überrascht und fügte emotional angefasst hinzu: „Es gibt sicherlich schönere Nachrichten im Leben, aber ich habe diese Entscheidung des Clubs zu akzeptieren. Ich bin den Haien dankbar für die Chance, die sie mir gegeben haben – und werde ihnen auch dankbar bleiben.“ Der Ex-Haie-Profi, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, hatte die Kölner im November 2017 von Cory Clouston übernommen und ins Playoff-Viertelfinale geführt, wo es eine 2:4-Niederlage gegen Nürnberg gab.

„Wir sind davon überzeugt, dass ein Trainerwechsel in der jetzigen Situation und im Hinblick auf den Hauptrunden-Endspurt und die anstehenden Playoffs notwendig war, um das Team, trotz der ordentlichen Tabellensituation, sportlich weiterzuentwickeln. Die Mannschaft braucht eine positive Ansprache“, erklärte Sportdirektor Mark Mahon.

Eine Aussage, die Rückschlüsse darauf zulässt, warum die Verantwortlichen sich zu Draisaitls Entlassung entschieden haben, ja entscheiden mussten. Der Umgang des Trainers mit seinen Spielern soll dem Vernehmen nach sehr problematisch gewesen sein. Sogar so schlimm, dass das nähere Umfeld des KEC schon viel früher mit einer Entlassung gerechnet hatte.

„Wir wissen, dass Dan Lacroix das Team positiv anspricht. Er wird viel Wert auf Struktur in Training und Spiel sowie Kommunikation legen“, sagte Mahon über Draisaitls direkten Nachfolger. Mit Lacroix, den der Haie-Sportdirektor persönlich gut kennt, haben die Kölner einen erfahrenen Trainer geholt. Der 49-jährige war zuletzt vier Jahre als Assistent Coach bei den Montreal Canadiens in der NHL, wo er insgesamt schon seit 2006 tätig ist. In seiner 14-jährigen Profi-Karriere absolvierte der Kanadier mehr als 200 NHL-Spiele. Seit Oktober 2018 hat er zudem das Amt des Nationaltrainers von Litauen inne. Lacroix wird am Dienstag (10.30 Uhr) erstmals das Training leiten.

Lacroixs Engagement ist sowohl von seiner als auch von Seiten des KEC bewusst nur bis Mai angelegt. Der Kanadier möchte dann in seine Heimat zurück und die Haie sind sich wohl schon mit einem neuen Trainer für die Saison 2019/20 einig. Eine entspannte Situation, die von Vorteil sein kann. Immerhin haben die Kölner mit einer solchen Konstellation schon einmal beste Erfahrungen gemacht. 2002 löste Rich Chernomaz Lance Nethery im Februar ab, obwohl Hans Zach schon als neuer Coach zur nächsten Saison fest stand. Unter „Cherno“ feierten die Kölner dann ihren bis heute letzten Meistertitel.

Auch diesmal spricht vieles dafür, dass die Haie sich wie damals mit Zach bereits zum jetzigen Zeitpunkt mit einem Trainer für die kommende Saison einig sind. Jedenfalls haben die Spekulationen um eine Rückkehr von Uwe Krupp mächtig Fahrt aufgenommen. Der ehemalige Haie-Spieler und Stanley-Cup-Sieger soll in den vergangenen Tage einige Male auf der KEC-Geschäftsstelle an der Gummersbacher Straße gesichtet worden sein. Allerdings steht der Ex-Bundestrainer noch bis 2020 bei Slavia Prag unter Vertrag und müsste diesen für ein erneutes Engagement bei den Kölnern auflösen. Krupp war nach drei erfolgreichen Jahren mit zwei Vizemeisterschaften im Oktober 2014 in seiner ersten sportlichen Krise unter großem Unverständnis der Fans und der Öffentlichkeit in einer Nacht- und Nebelaktion vom ehemaligen Geschäftsführer Peter Schönberger entlassen worden. Es war auch immer wieder von unüberbrückbaren Differenzen zwischen Krupp und KEC-Hauptgesellschafter Frank Gotthard die Rede. KEC-Geschäftsführer Philipp Walter wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern.

Krupp, der übrigens auch Lacroix aus einem gemeinsamen Trainerlehrgang gut kennt, würde in Köln auch wieder auf Mahon treffen, mit dem er 2015 und 2016 bei den Eisbären Berlin zusammengearbeitet hat. Die Haie haben nämlich den auslaufenden Vertrag mit ihrem Sportdirektor vorzeitig um zwei Jahre verlängert. „Wir sehen uns mit Mark Mahon, der sich sehr stark mit unserem Club und der Stadt identifiziert, sehr gut aufgestellt“, erklärte Walter.