Gespräch in der BayArena in Leverkusen

Dirk Nowitzki sieht seine Zukunft bei den Mavericks

Fast wie im Wohnzimmer fühlte sich Dirk Nowitzki (rechts) bei einem Pressegespräch mit Stefan Kießling (Mitte) in der BayArena.

Fast wie im Wohnzimmer fühlte sich Dirk Nowitzki (rechts) bei einem Pressegespräch mit Stefan Kießling (Mitte) in der BayArena.

Leverkusen. Im Vorfeld des "Champions for Charity"-Benefizspiels in der BayArena hat sich Mit-Gastgeber Dirk Nowitzki zu seinem Dasein als Frührentner geäußert. Neben viel Ruhe und Reisen standen unter anderem auch Fast-Food, Milchshakes und Eis auf dem Plan.

Auch ein German Wunderkind muss sich manchmal typisch deutschen äußeren Umständen beugen. Unfall bei Bad Camberg – Vollsperrung auf der A3. Dirk Nowitzki steht im Stau. Erst mit 40-minütiger Verspätung trifft der ehemalige NBA-Star dann doch in der BayArena in Leverkusen zum Pressegespräch ein. Nicht gehetzt, nicht gestresst – Nowitzki ist vollends entspannt. „Ich bin dann ein bisschen über die Dörfer gefahren“, sagt er lachend.

Bayer Leverkusen hat anlässlich eines Benefiz-Fußballspiels zu Ehren von Michael Schumacher (21. Juli) zum Plausch geladen. Als „Champions for Charity“-Gastgeber fungiert neben Dirk Nowitzki auch der ehemalige Bayer-Profi Stefan Kießling. Nowitzki tritt mit einer Promi-Mannschaft gegen eine Auswahl von Mick Schumacher an. Vor dem Gespräch spielt Nowitzki mit einem Fußball, probiert etwas unbeholfen die Lautstärke des Mikrofons aus und setzt sich dann zum Gespräch auf die scheinbar viel zu kleine Bank seines Hauptsponsors. Vermutlich wirkt bei dem  2,13-Meter-Mann jedes handelsübliche Möbelstück wie die Sitzgelegenheit einer Kita-Spielecke.

Nowitzki ist die Ruhe selbst. Kein Wunder: „Der Druck, immer fit zu sein, ist weg“, sagt er. In den vergangenen Monaten habe er sich etwas gehenlassen. Hamburger, Milchshakes, täglich ein Eis standen auf dem Menüplan. „Das war schon echt hässlich, was ich im ersten Monat nach meinem Karriereende in mich hineingestopft habe.“ Es habe sich aber wieder einigermaßen eingependelt. Der Heißhunger sei erst einmal weg. „Jetzt genieße ich es, Dinge zu tun, die ich in den letzten 21 Jahren nicht tun konnte“, sagt der 41-Jährige. Zum Beispiel? „Bobfahren“, sagt er lachend. Im April hatte Nowitzki seine atemberaubende Karriere bei den Dallas Mavericks nach 21 Jahren beendet. Eins der größten Sport-Idole Deutschlands hat auf die Bremse getreten, entschleunigt. Von 100 auf Null.

Nowitzki fährt sichtbar gut damit – der Riese sitzt auf der Bank, als sei es die heimische Couch. So will er auch ein, zwei Jahre weitermachen. Erst dann könnte er sich eine neue Aufgabe vorstellen – vorzugsweise bei den Mavs.  „Ich habe Dallas über die Hälfte meines Lebens gegeben und bin daher so in die Stadt und in den Verein reingewachsen, dass ich da gerne weiterhelfen würde und sicher auch werde“, sagte Nowitzki. Die Richtung stehe aber noch nicht fest.

Keine Funktion beim DBB

Nur eins scheint für den Frührentner jetzt schon klar; eine Funktion beim Deutschen Basketballbund wird Nowitzki vorerst nicht übernehmen. „Ich weiß nicht, ob das wirklich Sinn macht, mit dem DBB zusammenzuarbeiten, wenn ich nur ein, zwei Wochen im Sommer hier bin“, sagt Nowitzki. „Die Sache ist ja, wenn ich hier nicht vor Ort bin und wohne und lebe, dann wird es für mich schwer, Einfluss zu nehmen. Ich möchte nicht irgendeinen Job annehmen, den ich dann nur halbherzig machen kann.“ Immerhin hält er sich eine Hintertür offen. „Man kann aber über alles reden“, sagt er.

Vorerst sind ohnehin noch einige Reisen geplant. Die Familie besuchen. „Meine Frau ist Halb-Schwedin, halb aus Kenia – da steht noch einiges auf dem Plan“, sagt er. Die aktuelle Reise hat ihn ins Rheinland gebracht. Dass ausgerechnet in Leverkusen der erste Termin außerhalb der USA nach dem Karriereende ist, hat einen Grund: Das Spiel findet am 21. Juli in der BayArena statt. Und vom Rheinland und dem Westen versprechen sich die Veranstalter ein volles Haus.

Nach dem Spiel und den Reisen geht es dann im August zurück in die Wahl- Heimat. Die „Kids“ müssen wieder in die Schule. Dort wolle er sich auch wieder Spiele der Mavs anschauen. Der vierjährige Sohn sei schon ein großer Fan, sagt Nowitzki. Er kenne alle Namen. Doch auch weitere Deutschlandaufenthalte sind geplant. „Ich war noch nie auf dem Oktoberfest“, sagt er. „Ich könnte mit vorstellen, dass wir dieses Jahr auch weiße Weihnachten in Europa verbringen.“ Dann hoffentlich ohne Stau.