Rundfahrt verlässt die Region Deutschland-Tour ist für Bonn ein Gewinn

Bonn. Die Deutschland-Tour hat Bonn am Mittag wieder verlassen. Die Rundfahrt wird nicht nur den Bonnern positiv in Erinnerung bleiben, auch die Fahrer waren beeindruckt. Die zweite Etappe gewann Maximilian Schachmann.

Die hochwertigen Rennmaschinen stehen vor großen Reisebussen, Menschen schieben sich unter den dichten Blättern der Baume durch die Meckenheimer Allee. Hin und wieder bleibt einer stehen, um einen Schnappschuss mit einem Radprofi zu ergattern. Kein Problem – die Zeit nehmen sich die Fahrer.

Der Countdown ertönt um 10.40 Uhr. Mehrere Tausend Zuschauer zählen von Zehn hinunter. Dann startet das dezimierte Fahrerfeld in die zweite Etappe der Deutschland-Tour. 196 Kilometer. Durch Meckenheim und das Ahrtal führt die Strecke schließlich bis nach Trier. Für die Radsport-Fans vor dem Poppelsdorfer Schloss ist die D-Tour dann aber auch schon wieder vorbei. Passé. Eine Momentaufnahme – der Bruchteil einer Sekunde. Wild hupend rasen die Materialwagen und Teambusse dem Feld hinterher. Dann kehrt Ruhe ein.

Das große Spektakel findet am Nachmittag in Trier statt. Auf der Herzogenbuscher Straße liefert sich eine vierköpfige Ausreißergruppe einen packenden Sprint um den Etappensieg. Maximilian Schachmann setzt sich hauchdünn vor dem Slowenen Matej Mohoric durch. „Ich freue mich, die Teamarbeit so beendet zu haben“, sagte Schachmann: „Ich denke schon, dass es unser Ziel sein wird, das Trikot nach Hause zu bringen.“ Der 24-jährige Berliner übernimmt mit dem Erfolg auf der Königsetappe auch das orangene Trikot des Gesamtführenden und untermauert seine Gesamtsiegambitionen. Das Rennen hatten die Tour-Protagonisten Tom Dumoulin und Romain Bardet geprägt. Dumoulin belegte den dritten Rang vor dem Hürther Nils Politt.

Für Bonn ist das Gastspiel zu diesem Zeitpunkt schon längst wieder beendet. Keine 24 Stunden hat das Radrennen Bonn im Griff gehabt. Nur wenige Stunden nach dem offiziellen Start kehrt auch auf der Meckenheimer Allee wieder Normalität ein. Die Passanten sitzen vor den Bäckereien, das erste Eis wird auch schon wieder verkauft. Die Deutschland-Tour hat Bonn verlassen.

Doch die Erinnerung bleibt. „Das war einfach sensationell, wie viele Bonner am Donnerstag am Straßenrand unterwegs waren“, schwärmt der Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan. „Es ist schön, dass wir ein Sportereignis hier haben, dass über die Grenzen Bonns hinaus ein großes Thema ist. Es war ein Gewinn für uns.“ Der Oberbürgermeister ist stolz über seinen Veranstaltungsort, räumt aber auch Kommunikationsprobleme ein. „Da müssen wir einfach besser werden“, sagt er. „Ich weiß nicht, ob wir in naher Zukunft wieder Etappenort sein werden. Das ist ja auch immer einer finanzielle Sache.“ Insofern dankt er den Sponsoren, die Bonn als Ziel- und Startort überhaupt ermöglicht haben. „Aber wir wären natürlich stolz, es wieder machen zu können.“

Nicht nur den Bonnern wird die Rundfahrt in Erinnerung bleiben. Auch die Fahrer schwärmen von der Etappenankunft am Donnerstag. „In Bonn anzukommen, war schon eine geile Sache“, sagt Lokalmatador Christian Knees. „Mit dem zwölften Platz als Nicht-Sprinter kann ich natürlich schon sehr gut leben.“ Knees kennt die Strecke, kennt jede Straße in Bonn. Für den Rheinbacher sind die ersten beiden Etappen der Tour ein Heimspiel. Unzählige Male ist er die Abschnitte bereits abgefahren. Kein Wunder, dass er sich immer wieder im vorderen Feld zeigte. Auch der Hürther Nils Pollit hat Teile der Strecke im Training absolviert. „Das ist ja mein Trainingsgebiet“, sagt er. „Die Stimmung hier in Bonn war schon richtig gut. So viele Menschen. Es ist schön, dass Deutschland wieder eine Rundfahrt hat.“

Das ist es. Und wichtig, wie Rennleiter Fabian Wegmann betont. „Es ist ja nicht nur für die Profis ein wichtiges Rennen“, sagt der ehemalige Tour-Teilnehmer. „Es geht ja auch um den Nachwuchs. Dem wollen wir auch eine Plattform geben.“ So zum Beispiel Alexander Krieger. Der 26-Jährige des Luxemburger Rennstalls Leopard Trek nutzte diese Plattform und belegte auf der ersten Etappe einen guten fünften Platz. „Das hat er sich verdient“, so Wegmann. Auch Pascal Ackermann gehört zur jungen Garde. Allerdings hat der 24-Jährige bereits einige Erfolge aufzuweisen. In Bonn belegte der amtierende Deutsche Meister den zweiten Platz. „Natürlich war ich ein wenig enttäuscht. Aber Alvaro Hodeg war einfach besser“, sagt er. „Die Ankunft war aber dennoch beeindruckend. Es waren mega viele Leute da.“ Den Stellenwert der Neuauflage der Tour zeigt auch die Teilnahme der Tour-de-France-Protagonisten Geraint Thomas, Dumoulin und Bardet .

Doch nicht überall ist die Begeisterung so riesig. Passanten und Unternehmer beschwerten sich bereits im Vorfeld der Tour über versperrte Wege, Berufspendler kritisierten die Stadt für eine mangelnde Auskunft in Bezug auf Straßensperren und Umleitungen. „Es ist ein bisschen viel Aufwand dafür, dass die dann innerhalb von nur ein, zwei Sekunden an uns vorbei rauschen“, sagt der Student Lennart, der eher zufällig durch den Startbereich der D-Tour schlendert. Eine Aussage, die nicht von der Hand zu weisen ist. Für die Radsport-Fans jedoch nicht mehr als eine Momentaufnahme. Wie die 24 Stunden Deutschland-Tour in Bonn.

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