Anruf aus London

Wie Lukas Podolski Ralf Krutwig aus Siegburg einen neuen Job verschaffte

BONN.  Lukas Podolski ist jetzt weit weg. Seinem Beruf geht er bei Arsenal London nach. Aber zum FC Bergheim 2000 kehrt er immer wieder zurück, denn sein Heimatverein liegt ihm am Herzen.
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Zu Hause: Lukas Podolski bei der Einweihung 'seines' Kunstrasenplatzes in Bergheim.

Zu Hause: Lukas Podolski bei der Einweihung 'seines' Kunstrasenplatzes in Bergheim.

Der Bezirksligist soll ein, zwei Ligen höher klettern, seine Jugendarbeit auf richtig professionelle Füße stellen, kurz: ein Vorzeigevereinchen werden. Ab 1. Januar haben die Bergheimer sogar einen Nachwuchschef, der seinen Job beim 1. FC Köln gelernt hat. Und hier schließt sich gewissermaßen ein Kreis.

Es war 1996, als diese Geschichte ihren Anfang nahm. Ralf Krutwig (47) trainierte damals die D-Jugend des FC und machte sich mal wieder zu einer Scoutingtour auf. Talentsichtung funktionierte damals noch längst nicht so professionell wie heute, sodass Krutwig seine Zielorte der lokalen Tagespresse entnahm. "Wo die meisten Tore geschossen wurden, da bin ich halt mal hingefahren", erzählt er. Und da in Bergheim sehr viele Tore geschossen wurden, machte er sich eines Tages auf in den Rhein-Erft-Kreis.

"Lukas ist mir sofort aufgefallen", sagt der Siegburger, der in Bonn Sportwissenschaft studierte. "Er war kleiner als die anderen, aber hat schon eine wahnsinnige Schusstechnik gehabt." Kurz darauf trainierte Podolski am Geißbockheim vor und wurde sofort "verhaftet", bevor Bayer Leverkusen auf ihn aufmerksam werden konnte. Seitdem gilt Krutwig als "Poldis" Entdecker, was der Entdeckte übrigens auch immer wieder betont.

Wer dem FC einen Podolski beschert, kann was werden in diesem Klub. Und Krutwig wurde später sogar Chef des Nachwuchsscoutings. Wahrscheinlich wäre er das heute noch, wenn ihn nicht vor einem Jahr die Turbulenzen im Verein aus dem Job gespült hätten. Gut, dass sich Podolski um seine Leute kümmert. Über all die Jahre waren die beiden stets in Kontakt geblieben, und als sie vor einigen Wochen wieder mal telefonierten, bot der England-Legionär seinem ehemaligen Förderer den Job in Bergheim an.

Mittlerweile kennt man Bergheim sogar in England. Die BBC war schon da und wollte mal nachsehen, aus welch knuffigem Städtchen der neue Arsenal-Star stammt; der "Guardian" vergaß ebenfalls nicht, "Poldis" Wurzeln zu erwähnen. Den Rheinländer mag das alles an den Kölner Kreisligisten SV Weiden erinnern, der sich vor 15 Jahren mit einem Präsidenten namens Toni Polster schmückte.

Mit dem Unterschied, dass sich Podolski wirklich engagiert. Neulich gewann er sogar FC-Legende Thomas Häßler als prominenten Helfer. Der Trainer im Wartestand sagte zu, einige Technikeinheiten zu leiten.

"Lukas ist einer zum Anfassen", sagt der 2. Vorsitzende Markus Bodden. Auch für Sponsoren. "Er muss nur die Fußgängerzone rauf- und runtergehen, dann haben wir schon fast wieder einen neuen Förderer. Wenn ich dagegen komme..."

Eine große Bank, ein bekannter Qutdoor-Ausrüster und die Steuerberatungsgesellschaft des ehemaligen FC-Förderers Franz-Josef Wernze unterstützen mittlerweile den FC Bergheim 2000. Die Werbewirksamkeit dürfte sich in Grenzen halten, aber immerhin tun die Unternehmen etwas Gutes. Mit rund 400 Mitgliedern und Nachwuchskickern aus 30 Nationen sind die Bergheimer ein Multi-Kulti-Verein, und Integration wird groß geschrieben im "Lukas-Podolski-Sportpark".

Für Ralf Krutwig gibt es bald viel zu tun. Ab 1. Januar soll er dafür sorgen, dass die Jugendabteilung regelmäßig Nachschub für die 1. Mannschaft ausbildet. Eine spannende Aufgabe, aber eher keine fürs Leben. Wenn irgendwann wieder ein Angebot aus dem Profibereich kommen sollte, würde Krutwig natürlich reden.

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