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Schauermärchen und Elwetritsche - Sagenwanderung in der Pfalz
Von Florian Sanktjohanser, dpa
Dahn. Ermordete Geliebte, versteinerte Brüder, Fabelvögel: In der Südwestpfalz gibt es fantastische Geschichten zuhauf. Auf speziellen Wanderungen lernen Besucher sie kennen. Und erfahren, was es mit den Elwetritschen auf sich hat.
Das Burgfräulein ist außer sich. "Es brennt, es brennt", schreit die Frau im weißen Kleid. Jede Hilfe kommt zu spät. In ihrer Not stürzt sie sich vom Turm in die Tiefe. Seitdem ist sie verflucht und treibt als Gespenst auf Burg Berwartstein ihr Unwesen. Sagenfiguren wie dem Burgfräulein begegnen die Besucher in der Südwestpfalz auf Schritt und Tritt.
Ihre große Zusammenkunft haben sie zwar erst im Oktober 2013 bei der Felsenland Sagenwoche mit Lesungen, Mittelalter-Festessen und Schatzsuchen auf den Burgen. Wanderer bekommen aber schon jetzt auf dem 90 Kilometer langen Felsenland Sagenweg das volle Programm von Schauermärchen und Fabelwesen.
Berwartstein ist einer der Schauplätze. Die Felsenburg, 1591 abgebrannt, wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einem Industriellen aus Ostpreußen wieder aufgebaut - ein Stein gewordener Jungentraum.
Um den Burgbrunnen, angeblich 104 Meter tief in den Fels geschlagen, rankt sich eine Legende: Der Graf habe eine Zigeunerin, die Geliebte seines Sohnes, unter einem Vorwand hierher gelockt und in den Schacht gestoßen. Der liebestolle Sohn sprang hinterher. Seitdem spukt die Zigeunerin als Gespenst umher.
Von den anderen Burgen auf dem Sagenweg ließen Eroberer und der Zahn der Zeit nur Ruinen übrig. Im Falle von Drachenfels sind diese beeindruckend genug. Peter Zimmermann, Leiter der Tourist-Information Dahner Felsenland, führt durch das Tor in der roten Sandsteinmauer hinauf auf den Turm.
Auch auf Drachenfels hausten Raubritter. Der letzte war Franz von Sickingen. Wo er hinkam, verbreitete er Angst und Schrecken.
Heute ist die Südwestpfalz ein verschlafenes Eck. Das Städtchen Rodalben mit seinen 7500 Einwohnern ist schon ein Zentrum. 80 Prozent der Arbeitsplätze gingen verloren, als erst die Schuhindustrie zusammenbrach und dann die US-Soldaten abzogen. Jetzt gibt es vor allem Wald, Burgen und Felsen. Und die sollen Touristen anlocken.
Dafür wurde der Rodalber Felsenwanderweg auf Vordermann gebracht, und die Wegemarkierung erneuert. 2010 bekam er vom Wanderverband das Prädikat Qualitätsweg, als erster in der Pfalz.
In die rosaroten Felsen entlang des Pfades hat die Erosion waagerechte Rillen, Waben und dramatische Überhänge in den Buntsandstein gefräst. Stellenweise legt sich Moos wie eine lindgrüne Tapete darüber. Der Rappenteichfelsen ist so weit ausgehöhlt, dass ein Picknicktisch unter das Felsdach passt. Und die zwei fast identischen Steinsäulen des Bruderfelsens? Zwei Brüder, die im Streit versteinert wurden. Noch so ein Schauermärchen aus dem Land der Elwetritsche.
Artikel vom 31.08.2012
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