Nicht anfassen - Homburgs Sandsteinhöhle ist empfindlich

Homburg.  Die Schlossberghöhlen im saarländischen Homburg sind Europas größte Buntsandsteinhöhle. Von Menschenhand im Mittelalter erschaffen, lagen sie 200 Jahre in Vergessenheit. Heute sind Besucher willkommen - wenn sie sich denn an die wichtigste Regel halten.
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Anschauen, aber nicht anfassen: Nur ein kleiner Teil der Schlossberghöhlen ist bisher für Besucher zugänglich. Foto: Sabine Reiser
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Anschauen, aber nicht anfassen: Nur ein kleiner Teil der Schlossberghöhlen ist bisher für Besucher zugänglich. Foto: Sabine Reiser Foto: DPA

Bevor es die Treppenstufen hinab geht, teilt Markus Schindler die Helme aus. Dort unten in der zehnten Etage der Schlossberghöhlen gilt Bergrecht und damit Helmpflicht. Es folgt eine kurze Einweisung. Ganz wichtig: Die Wände anzufassen, ist verboten. Die Folge wäre ein Rieseln mit ungewissem Ausgang, warnt der Höhlenführer.

Über 250 Millionen Jahre alt ist der Buntsandstein, in den sich im Mittelalter die Herren der Festung Hohenburg eingruben und damit Europas größte Buntsandsteinhöhle schufen. Vor allem die Verfärbungen ziehen heute die Besucher an. In allen Gelb- und Rottönen schimmern die Wände und Decken. Neben den Verfärbungen sind die sogenannten Rippelmarken - Wellenspuren - charakteristisch für die Höhlen. Sie sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass vor Millionen Jahren die Region mit Wasser bedeckt war.

Das Höhlenlabyrinth unterhalb der Ruinen der Hohenburg auf dem Schlossberg entstand zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert. Auf einer Länge von vier Kilometern gruben Arbeiter zwölf Etagen in den Berg, um den Sand mit seinem hohen Quarzanteil abzubauen und für die Glasindustrie zu nutzen, die an der Saar sehr verbreitet war.

Später erfolgte der Abbau als Scheuersand zur Reinigung sowie als Formsand für die Eisenindustrie. Der französische König Ludwig XIV. ließ durch seinen Festungsbaumeister Sébastien Le Prestre de Vauban Schloss und Stadt zu einer Festung ausbauen und nutzte die Gänge und Kammern zu Verteidigungszwecken. Als sich die Franzosen 1714 zurückzogen, zerstörten sie die Höhlen und verschlossen die rund 40 Eingänge.

"Über 200 Jahre lagen dann große Teile der Höhle in Vergessenheit", erklärt Höhlenführer Schindler während des 45 Minuten langen Rundgangs. Vier große Hallen, geheimnisvolle schmale Gänge und kleine Höhlen sind heute für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit der Taschenlampe deutet Schindler auf die roten und gelben Verfärbungen, auf die Wellenformen an Decken und Wänden.

Höhepunkt der Führung ist der Thronsaal. Hier bleibt Schindler etwas länger stehen, drückt auf den Knopf der Beleuchtungsanlage, wodurch die 47 Meter unter dem Gipfel liegende Decke hell strahlt, die im Jahr 2003 einstürzte.

Der Schließung der Schlossberghöhle folgten aufwändige Sanierungs- und Sicherungsarbeiten mit modernen Stahlträgerkonstruktionen. Erst seit 2007 sind die Höhlen wieder zugänglich. Seitdem berichtet Schindler den Besuchern wieder, dass erst spielende Kinder in den 1930er Jahren die Höhle entdeckten. Die Gänge und Kammern dienten dann als Lager für Vorräte und Munition. Oder als Schutz vor Luftangriffen während des Zweiten Weltkrieges.

"Rund 4000 bis 5000 Menschen flüchteten während des Krieges hierher", erzählt der Höhlenführer und zeigt auf die rund zweimal drei Meter kleinen Nischen. Ohne Frischluftzufuhr im Dunkeln harrten die Menschen hier aus und waren in diesem von Menschenhand geschaffenen Höhlensystem in Sicherheit. Aus diesem Grund wollte sich die Regierung des Saarlandes in den 50er Jahren dort auch eine Bunkeranlage bauen lassen, doch der Beitritt zur Bundesrepublik 1957 beendete dieses Projekt.

Die schon fertiggestellten Teile des Bunkers sind heute noch teilweise zu besichtigen. Die Stollen, die bis zur Küche des oberhalb der Höhle liegenden Hotels oder in den Keller der ortsansässigen Brauerei führen, sind dagegen für die Öffentlichkeit geschlossen. Für Besucher zugänglich ist bisher nur die zehnte Etage der Schauhöhle.

Das soll sich aber nach Aussage von Markus Schindler ändern: Das neue touristische Konzept der Stadt Homburg sieht eine Erschließung der elften und zwölften Etage vor. Darüber hinaus sind individuelle Rundgänge mit Hilfe von Audioguides geplant.

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Infos für Besucher

Anreise: Von der Altstadt sind die Höhlen über einen Treppenzugang zu erreichen. Wer mit dem Auto anreist, kann auf dem Schlossberg (Schlossberghöhenstraße) parken. Auch von hier führt eine Treppe zum Eingang der Schlossberghöhlen.

Öffnungszeiten: Die Schlossberghöhlen sind von April bis Oktober täglich von 9.00 bis 17.00 Uhr, von November bis März täglich von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet, die letzte Führung startet eine Stunde vor Schließung.

Eintrittspreise: Erwachsene zahlen fünf Euro, Kinder bis 16 Jahre drei Euro. Das Familienticket (zwei Erwachsene und ein Kind) kostet elf Euro, jedes weitere Kind 2,50 Euro. Die Schlossberghöhlen sind nur mit einem Höhlenführer zu besichtigen. Eine Voranmeldung ist empfehlenswert, Telefon: 06841/20 64, E-Mail: schlossberghoehlen@homburg.de.

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