Kulinarische Tour in Thüringen per Pedes und Rad

Arnstadt.  Die kulinarischen Höhepunkte Thüringens lassen sich wunderbar erwandern oder mit dem Fahrrad erkunden. Geschichte und Genuss, Bier und Kultur, Bratwurst und Bach - all das liegt eng beieinander in Deutschlands geografischer Mitte.
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Hier geht es lang: Der Wanderweg vom Bier zur Bratwurst. Foto: Matthias Wenten
											Foto: DPA

Hier geht es lang: Der Wanderweg vom Bier zur Bratwurst. Foto: Matthias Wenten Foto: DPA

Der Weg vom Bier zur Bratwurst führt über drei Berge. Wobei die Bezeichnung Berge eigentlich eine leichte Übertreibung ist für die Hügel, die sich wie Inseln erheben aus dem Meer der sachte im Wind wogenden Getreidefelder. Der Pfad, der den Weinberg hinauf führt, ist von Hecken und Büschen gesäumt. Begleitet vom Gesang der Lerchen schweift der Blick oben zurück nach Arnstadt, wo an der Stadtbrauerei die Wanderung auf dem Geo- und Genussweg "Vom Bier zur Bratwurst" begonnen hat.

Arnstadt - 704 erstmals urkundlich erwähnt - ist der älteste Ort Thüringens und das Tor zum Thüringer Wald. Im Jahre 1703 trat der junge Johann Sebastian Bach hier seine erste Organistenstelle an. Während seiner fünf Arnstädter Jahre geriet er immer wieder mit den dortigen Kirchenoberen aneinander. Die kritisierten seinen Spielstil, seine Frauengeschichten und seinen Lebenswandel. Das Bach-Denkmal des Künstlers Bernd Göbel auf dem Marktplatz zeigt denn auch einen lässigen jungen Mann, der sich auf einem Meilenstein lümmelt.

Vom Marktplatz ist es nur einen Steinwurf bis zu Bachs ehemaliger Arbeitsstätte. Die barocke Kirche ist heute nach dem Komponisten und Klaviervirtuosen benannt. Vor ihr plätschert das Wasser im Hopfenbrunnen. Denn Arnstadt ist nicht nur Bachstadt. Die Einwohner der 20 Kilometer südlich von Erfurt gelegenen Kreisstadt reklamieren auch für sich, im Jahre 1617 das erste Weizenbier außerhalb Bayerns gebraut zu haben.

Und damit nicht genug: Auch die Rostbratwurst soll ihre Wurzeln in Arnstadt haben. Die Einwohner berufen sich dabei auf die erste urkundliche Erwähnung der bekanntesten regionalen Spezialität Deutschlands - eine Rechnung des Arnstädter Jungfrauenklosters aus dem Jahre 1404 über einen Groschen für Bratwurstdärme.

Die Wandergruppe hat sich schon wieder in Bewegung gesetzt. Durch die Felder und über Kalk- und Ziegenberg geht es weiter zum Ziel der acht Kilometer langen Tour: zum 1. Deutschen Bratwurstmuseum in Holzhausen.

Wenn die Phrase, dass es um die Wurst geht, jemals eine Berechtigung hatte, dann hier. Wohin man auch schaut: Es wimmelt von Würsten. Im Garten des Geländes haben sich regionale Künstler mit dem Thema Wurst beschäftigt und Installationen gebaut. Die Besucher durchschreiten die weltweit einzige begehbare Bratwurst. Und sie können sich das "Thüringer Festmahl" anschauen, ein riesiges Bild des Karikaturisten und Grafikers Arno Funke, der einst als Kaufhauserpresser Dagobert Berühmtheit erlangte.

Funke hat sich von da Vincis Werk "Das Abendmahl" anregen lassen und zeigt mit einem Augenzwinkern 13 bekannte Persönlichkeiten, die um eine Tafel herum sitzen und Thüringer Spezialitäten schlemmen. Berühmte Thüringer wie Luther, Schiller oder Goethe sind ebenso dabei wie Angela Merkel als Kloßmarie und Barack Obama als Bratwurstkönig.

Drinnen im Museum steht Thomas Mäuer gerade zwischen historischen Schlachtwerkzeugen und erzählt, dass jährlich 40 Millionen Thüringer Rostbratwürste produziert werden, die aneinandergelegt zweimal um die Erdkugel reichen. Mäuer ist der Mitbegründer des Museums, das 2006 vom Verein Freunde der Thüringer Bratwurst eröffnet wurde.

Auf die Wurst gehört der Senf wie die Mayo auf die Pommes. Deswegen beginnt der nächste Tag mit einem Besuch der Senf- und Kunstmühle Kleinhettstedt. Der kleine Ort liegt direkt am Ilmtal-Radweg und ist ein beliebter Zwischenstopp bei Radtouristen. Der Ilmtal-Radweg ist etwa 120 Kilometer lang. Er startet an der Quelle der Ilm in Stützerbach im Thüringer Wald und führt in nord-östlicher Richtung nach Bad Sulza. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) hat ihm vier von fünf möglichen Sternen verliehen. Kein Wunder: Die Strecke ist gut ausgeschildert, und am Wegesrand liegen viele Hotels und Herbergen für Radfahrer.

Der Morgen ist noch jung, die Schwalben fliegen am strahlend blauen Himmel, und der Innenhof der Senfmühle ist lichtdurchflutet. Das imposante Fachwerk-Ensemble wirkt wie ein großes Freilichtmuseum. Aber Friedrich Morgenroth, Herr der Mühle, sagt: "Wir sind kein Museum, sondern ein produzierendes Denkmal."

Seit 1732 ist die Senfmühle aus dem 16. Jahrhundert in Familienbesitz. Morgenroth führt sie in achter Generation, und die Kinder werden bald das Ruder übernehmen. Der Senf aus Kleinhettstedt ist ein Exportschlager und wird nach Österreich, Italien, Japan oder in die USA verkauft. 20 Sorten hat Morgenroth im Angebot, darunter Spezialitäten wie Bärlauchsenf, Biersenf oder Nordhäuser-Doppelkorn-Senf.

Der Fahrtwind tut gut, als es kurze Zeit später auf Rädern weitergeht. Gemächlich geht es an kleinen Ortschaften vorbei, durch Wälder, Wiesen und Weiden. Die Landschaft ist abwechslungsreich, die Steigungen sind nicht zu beschwerlich. Und zwischendurch führt der Weg immer wieder an den Flussauen der Ilm entlang - Bratwurst, Bier und Senf in der Fahrradtasche.

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Thüringen

Bratwurstmuseum: Das Museum hat von April bis Oktober dienstags bis sonntags von 11.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 3 Euro Eintritt, Schüler 1,50 Euro.

Senfmühle: Die Senfmühle hat von April bis November dienstags bis samstags von 10.00 bis 18.00 Uhr und sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Von Dezember bis März sind die Öffnungszeiten dienstags bis sonntags von 10.00 bis 16.30 Uhr.

Informationen: Thüringer Tourismus GmbH, Willy-Brandt-Platz 1, 99084 Erfurt (Tel.: 0361/374 22 00, E-Mail: info@thueringen-tourismus.de)

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