Studienkredite: Lernen auf Raten | GA-Bonn

Studienkredite

Lernen auf Raten

BERLIN.  Kellnern, Autos polieren oder Zimmer putzen: Zwei Drittel aller Studenten halten sich mit einem Nebenjob über Wasser. Rund 780 Euro müssen Hochschüler im Monat zusammenbringen.

So viel brauchen sie im Schnitt zum Leben. Das hat das Deutsche Studentenwerk ausgerechnet. Zeit zum Geldverdienen bleibt den jungen Menschen heute angesichts der reformierten Studiengänge mit ihren straffen Stundenplänen wenig. Ein Studienkredit kann finanzielle Probleme lösen.

Sensationelle 3,69 Prozent Zinsen verlangt derzeit beispielsweise die KfW-Förderbank, deren Darlehen bundesweit erhältlich sind. Auch Deutsche Bank und Deutsche Kreditbank (DKB) richten sich mit ihren Angeboten an Studenten in ganz Deutschland. Andere Institute, zum Beispiel Sparkassen, bieten sie landesweit, regional oder örtlich an. "Die KfW ist für Studienkredite in der Regel die erste Anlaufstelle", sagt Heike Nicodemus von der Stiftung Warentest. Zuletzt schnitt das Angebot der staatlichen Institution bei den Warentestern (Finanztest 8/2011) mit am besten ab.

72 Banken und Sparkassen standen auf dem Prüfstand. Fast 3000 Euro konnte ein Kunde im besten Fall an Schulden sparen. "Studenten sollten die Angebote ganz genau prüfen und ihren Bedarf möglichst knapp kalkulieren", rät Nicodemus. "Von derzeit niedrigen Zinsen sollten sie sich nicht blenden lassen, sondern anstelle ausrechnen lassen, wie viel Geld sie voraussichtlich zurückzahlen müssen."

Viele Institute verlangen etwa Abschlussgebühren, die mit dem Zinssatz verrechnet werden und diesen in die Höhe treiben. Ganz unterschiedlich gestalten sich die Verträge. So bieten manche Banken feste Zinssätze, manche variable und manche gar beides an. Ersteres ist die bessere Wahl. "So hat man eine gewisse Sicherheit, was die Höhe der Kosten betrifft", erläutert Nicodemus.

Allein 22.300 Studienkredite hat die KfW im vergangenen Jahr bewilligt - nach eigenen Angaben ein neuer Rekord. Abschließen lässt sich der Vertrag für ein Darlehen unter www.kfw.de. "Es handelt sich um ein Online-Produkt", erläutert Unternehmenssprecherin Eske Ennen. Zuerst müssten Studenten ein Online-Formular ausfüllen und das dann von der Hausbank oder einem anderen Vertriebspartner frei schalten lassen.

Überstürzen sollten Studierende die Aufnahme eines Kredits allerdings nicht. Zuerst heißt es, sämtliche alternativen Finanzquellen auszuloten. Vielleicht benötigen Studenten einen Kredit auch nur für die Examenszeit. Eine Finanzierungsquelle unterschätzen Studenten häufig: Stipendien. Die sind nämlich längst nicht nur etwas für Hochbegabte. Zu den Stipendiengebern zählen Kirchen, Parteien, Stiftungen, Gewerkschaften oder Unternehmen, die etwa gesellschaftliches Engagement oder Nähe zum Geldgeber honorieren. Unter www.stipendienlotse.de lässt sich nach geeigneten Programmen suchen.

Und: Wer denkt, BAföG könne für ihn infrage kommen, sollte es auch beantragen. Bis zu 670 Euro monatlich gibt es vom Staat, wenn die Eltern nicht finanzstark genug sind, um die Ausbildung der Kinder zu finanzieren. "Die Konditionen sind unschlagbar", merkt Heike Nicodemus beim Blick auf andere Darlehensangebote an.

Weitere Artikel aus der Rubrik
Abo-Bestellung

Leserfavoriten

Anzeige

Meistgelesen